Er läuft und läuft und läuft …. Von wegen! Pustekuchen! Falsch gedacht! Mit Nichten! Mein VW Käfer lief selten bis nie. Und wenn er dann lief, soff er, grob geschätzt, freundliche 15 Liter. Aber ich wollte es ja nicht anders.

Legendäre Anzeige von VW
VW-Anzeige von 1963 – Mit meinem VW Käfer machte ich andere Erfahrungen

Mitten im Studium verkaufte meinen zwar total uncoolen aber immer zuverlässigen und sparsamen Corsa I und hielt nach einem Oldtimer Ausschau. Ein guter Freund konnte mich gerade noch davon abhalten, spontan einen Volvo Amazon mit Overdrive zu kaufen. Auch wenn es lange her ist, vielen Dank noch mal! Ich rannte dennoch in mein Unglück, als ich mich auf einem Hinterhof irgendwo mitten im Ruhrgebiet in einen „frisch gemachten“ VW Käfer Baujahr 1967 verknallte. Von der Technik hatte ich keine Ahnung, aber die Tatsache, dass ich mir die Farbe des Lackes aussuchen durfte, fand ich mehr als klasse.

Halbautomatik ist im VW Käfer nie ein Problem

Der Verkäufer hob geschickt die Vorteile des Käfers hervor und lacht sich vermutlich noch heute halb tot über das Blondchen, das ihm seinen Schrott vom Hof geschafft und sogar noch Geld dafür bezahlt hat. Ich bestellte Chromstoßstangen und noch viel mehr glänzenden Tinnef, der – wie ich damals meinte – einen alten VW Käfer erst richtig schick macht. Am meisten freute ich mich allerdings über den wunderschönen Wurzelholz-Schaltknauf, den ich für viel Geld bei D&W erstand.

Obwohl ich nicht nur einmal in Versuchung war, ihn zu verbrennen, ist dieser Knauf das Einzige, was mich noch heute hin und wieder an die rollende Pestbeule erinnert. Denn im Grunde hauchte sie recht flott ihr Leben aus. In der kurzen Zeit, in der ich sie mein Eigen nannte, war sie jedoch sehr präsent. Eine Woche nach der ersten Besichtigung hatte der Hinterhofmensch den VW Käfer fertig lackiert.

Tiefschwarz

Tiefschwarz mit kleinen, lustigen Punkten ‚drauf, stand der VW Käfer da. Ich war zwar ahnungslos, aber nicht blöd. Auf meine Frage nach den Millionen Unebenheiten in meinem tiefschwarz, erklärte mir der Verkäufer, dass der Lack wohl noch nicht ganz trocken war, als er den Wagen auf den Hof stellte. Dafür, dass es dann in der Nacht regnete, könne er ja wohl nichts. Ich wollte dieses Auto unbedingt, knirschte also nur mit den Zähnen und tuckerte schließlich tief zufrieden vom Hof.

Das erste Verkehrschaos verursachte ich schon zwei Tage später, als ich wenden wollte und den Rückwärtsgang nicht fand. Er war da, das wusste ich, aber die Schaltung hackte. Nach vielen Versuchen und noch mehr Gehupe der andern Verkehrsteilnehmer, fand ich ihn schließlich. Schweißgebadet beschloss ich, ihn in Zukunft möglichst nicht zu benutzen.

Das musste ich auch erst einmal nicht, denn schon kurze Zeit später hauchte die Lichtmaschine  ihr Leben aus. Ein weitere hilfsbereiter Freund überbrückte mir die Pestbeule, die dann mit Mühe und Not ihren Weg zu einem Schrottplatzschrauber fand. Er versprach, die Lichtmaschine zu tauschen. Alles kein Problem, rief er mir zu, als ich im dichten Schneetreiben in den gut beheizten BMW meines Helfers stieg.

Letzterer brachte mich zwei Tage später auch wieder dort hin. Ich freute mich wie Bolle auf meinen Käfer und zahlte die rund 100 Mark für die Reparatur gerne. Käfer-Fahren im Schnee macht ja bekanntlich besonders Spaß. Es war dunkel. Die Rushhour quälte sich über eine geschlossene Schneedecke. Ich hatte blendende Laune, als ich an einer Ampel hielt. Es hatte wieder angefangen zu schneien und ich brachte den Scheibenwischer in Schwung. Zuerst ging der Motor aus, dann die Scheinwerfer. Kein Bild, kein Ton. Die Pestbeule war tot. Der Scheibenwischer hatte sie umgebracht. Mitten auf einer Hauptverkehrsstraße um 17:30 Uhr in Bochum.

Mädchen-Sein ist in diesen Momenten ein klarer Vorteil

Ich musste nur die Fahrertür aufreißen und hilflos mit den Ärmchen rudern. In Sekunden rissen sich drei starke Männer darum, den süßen Oldtimer an den Straßenrand zu schieben. Einer bot sich sofort an, mich nach Hause zu fahren. Heute würde ich ganz bestimmt nicht mehr zu einem Fremden ins Auto steigen. Damals war mir fast jedes Mittel recht, schnell nach Hause zu kommen und die Pestbeule ihrem Schicksal zu überlassen.

Ich dachte sogar kurz darüber nach, die Kennzeichen ab zuschrauben und die nächsten Jahre einfach so zu tun, als gehörte der VW Käfer mir nicht. Stattdessen brachte ich die Pestbeule am nächsten Tag wieder zu dem Schrottplatzschrauber, der angeblich die Lichtmaschine getauscht hatte. Huch, da habe ich wohl eine Kaputte erwischt, nuschelte er nur. Übermorgen schnurrt er wieder wie ein Kätzchen. Der Käfer schnurrte dann tatsächlich. Aber nicht wie ein Kätzchen. Sondern eher wie ein fetter Kater.

So viel soff er auch

Ein merkwürdiges metallisches Scheppern trieb mich bald wieder in die Werkstatt. Dieses Mal sollte es kein dubioser Altteilehändler mit Schrauberambitionen, sondern ein Profi sein. Mädchen, da kannst du aber froh sein, dass du noch lebst. Bist du mit dem Ding über die Autobahn gefahren. Sicher war ich das. Aber höchstens Tempo 90. Mehr hätte mein Studentenbudget nicht verkraftet und mehr hätte die Pestbeule wohl auch gar nicht gekonnt.

Wichtige tragenden Teile – ich meine mich dumpf an das Wort Achsaufhängung zu erinnern – waren bis zur Unkenntlichkeit weggerostet. Die Pestbeule hatte sich also unter mir heimlich still und leise aufgelöst. Ein paar Tage später wanderte ein VW-Käfer Baujahr 1967 in die Schrottpresse und er hat mir keine einzige Sekunde leidgetan. Wo das Scheppern herkam, habe ich nie erfahren. Es hat mich auch nicht interessiert, denn mir stand der Sinn einem uncoolen Auto, das das tut, wofür es gebaut ist. Fahren.

2 Kommentare

  1. Na da hast du aber defintiv keine guten Erfahrungen mit deinem VW Käfer gemacht. Was ich bin ich froh, dass mir so etwas erspart geblieben ist.

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