Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) dokumentiert, wie sich die Preise von Auto-Ersatzteilen entwickeln. Das Ergebnis ist einfach, die Preise streben seit Jahren regelmäßig neuen Höhen entgegen.

Im Februar berichteten wir hier auf AutoNatives.de erstmals über die seit Jahren steigenden Preise für Auto-Ersatzteile. In der vergangenen Woche legte der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) nach. Seit 2013 stiegen die Preise für Auto-Ersatzteile im Schnitt um 30 Prozent. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten legten im gleichen Zeitraum um 8,8 Prozent zu.

Aus der Statistik des GDV werden Typklassen!

Der GDV beobachtet seit Jahrzehnten wie sich die Preise von Auto-Ersatzteilen entwickeln. Der Verband hilft damit seinen Mitgliedern, die Tarife der Kfz-Haftpflicht- und Kasko bedarfsgerecht zu kalkulieren. Am Ende fließen die erfassten Daten über die Ersatzteilpreise in den Kasko-Typklassen eines Fahrzeugs zusammen. Wobei der GDV über seine Mitglieder Einblick in das hat, was Ersatzteile auf dem Markt kosten. Die Mitglieder des GDV übermitteln dem Dachverband die Kosten der von ihnen regulierten Schäden.

Übersicht steigender Ersatzteil-Preise von 2012 bis 1029
So stiegen die Preise ausgewählter Auto-Ersatzteile von 2013 bis 2019. (Quelle GDV)

Das erfolgt automatisch, verdichtet und anonymisiert. Damit fließen die Kosten für die beschädigte Heckklappe unseres Dauertesters am Ende in die Typklasse des Seat Leon ein. Autos, deren Ersatzteile überdurchschnittlich teurer sind, landen in einer höheren Typklasse. Wer betroffen ist, dem erhöht sein Kfz-Versicherer dann automatisch den Preis. Versicherungen sind Umlageverfahren. Alle Kunden zahlen für die Kosten der Schäden, die einigen Kunden widerfahren. Die Preissteigerung der Auto-Ersatzteile geht alle Autofahrer an.

Wie passen höhere Ersatzteilpreise zu Preisnachlässen beim Neuwagen-Verkauf?

Es ist schwer nachvollziehbar, wenn Kühler oder Motorhauben innerhalb von sechs Jahren um rund 20 Prozent im Preis zu legen. Das übersteigt die Zunahme der allgemeinen Kosten der Lebenshaltung deutlich. Und überrascht auch, weil Listenpreise bei Autos seit Jahren lockere Empfehlungen darstellen. Die tatsächlichen Autopreise liegen in der Regel deutlich unter den „allgemeinen Preisempfehlungen“ der Hersteller. Die Hersteller legen regelmäßig Sondermodelle auf. Ihre Mehrausstattung macht die Preisliste der Extras zu Makulaturpapier. Sondermodelle, wie sie beispielsweise FIAT regelmäßig vorstellt, sind im Prinzip mehr oder minder versteckte Rabatte.

Die Händler arbeiten teilweise mit großzügigen Bewertungen der Gebrauchtwagen, um Neuwagen zu verkaufen. Daneben ist die vorübergehende Zulassung des Fahrzeugs auf das Autohaus ein beliebter Trick, um den Preis zu drücken. Alles zusammen führt beim Neuwagenkauf teilweise zu Nachlässen von bis zu einem Drittel. Scheinbar gilt das nicht für die Ersatzteile. Ich kann den Eindruck nicht vermeiden, dass Hersteller und Händler sich auf diesem Weg einen Teil der Rabatte „wiederholen“. Wobei dies nicht pauschal gilt. Ausgewählte Preissteigerungen gehen auf den technischen Fortschritt zurück.

Auch der technische Fortschritt treibt die Preise für Auto-Ersatzteile!

Ein Beispiel sind die Rücklichter. Sie belegen im Ranking des GDV den Spitzenplatz. Seit 2013 legte ihr Preis im Schnitt um 53 Prozent zu. Vor sechs Jahren waren Rücklichter einfache Teile. Sie bestanden aus gepresstem Kunststoff sowie ein paar Spiegeln und Glühbirnen. Im Sinne der Gleichteil-Philosophie kam teilweise das gleiche Rücklicht bei mehreren Modellen zum Einsatz. Das senkte die Kosten.

Heute sind viele Rücklichter aufwendig gestaltete Lichtsignaturen. An die Stelle von einfachen Glühbirnen traten ganze Bündel von Leuchtdioden. Sie erfordern eine digitale Steuerung, um wie bei Audi beim Blinken ein „Laufband“ auf das Rücklicht zu zaubern. Damit wird das Rücklicht zur Einheit, die bei der Montage in der Regel anzulernen ist. Womit nach dem Kaufpreis die Montagekosten in die Höhe steigen.

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