Meinung und Kommentar

Die Sache mit dem Rasenmäher, den persönlichen Voraussetzungen und der Qualität

Es gibt Dinge, die bleiben einem lange im Gedächtnis. Enttäuschungen haben da besonderes Potenzial. Meine Testfahrt mit dem Mean Mower von Honda wird mit Sicherheit noch einige Zeit nachwirken. Denn auf die Begegnung mit dem schnellsten Rasenmäher der Welt ging kräftig in die Hose.

Me and the Mean Mower

Auf Fotos ist immer schwierig zu beurteilen, ob ein Fahrzeug geeignet ist, den eigenen Körper zu transportieren. Als ich den Mean Moder am Dienstag erstmals live sah, war mir klar, dass das mit uns nichts wird. Trotzdem habe ich mich in Motorradkleidung gezwungen und den Versuch gewagt, den Rasenmäher tatsächlich zu fahren. Schob beim Einsteigen bekam ich Beine und Füsse nur mit Mühe hinter (und nicht vor) die Kupplung bzw. das Gaspedal.

Ich wusste sofort, dass ich für das heiße Gerät zu groß geraten bin. Trotzdem musste ich diesen schnellen Rasenmäher ausprobieren. Doch seht selbst, wie ich mit dem Mean Moder von Honda durch die Landschaft hoppelte und wie eine Runde hätte aussehen können:

Und sonst?

Der Wochenrückblick ist mehr, als nur die eigene Frustbewältigung. Wenn ich Artikel finde, die mir gefallen, weise ich darauf in dieser Rubrik gerne hin. Doch Qualität, auf die ich gern verweise, ist rar gesät. Zu viele Autoblogger schreiben – nach meinem Geschmack – ohne Gefühl und echte Leidenschaft fürs Auto. Zu oft landen gering modifizierte Pressemitteilungen im Blog. Im Einzelfall kommt es sogar vor, dass Inhalte anderer Blogs kopiert werden.

Mit meiner Kritik bin ich nicht allein. Mario Lehmann hat in dieser Woche zum Thema „Stilblüten in Autoblogs“ einen lesenswerten Beitrag verfasst. Mario bemängelt, dass es Autoblogger gibt, denen ihre Werke überhaupt keine Qualitätssicherung wert sind. Sein Artikel erzeugte interessante Reaktionen. An vielen Stellen setzte sofort ein Abwehrreflex ein. „Rechtschreibung ist nicht wichtig“ warfen Kritiker Mario entgegen. Oft in einer Form, die ans Rasenmähen erinnert. Es einfach, Marios Beitrag pauschal auf das Thema Rechtschreibung zu verkürzen.

Doch das geht am Thema vorbei.

Kein ernsthafter Autoblogger schreibt nur für sich. Am Ende schreiben wir alle für unser Publikum. Zur Publikumsbindung müssen gewisse Voraussetzungen vorhanden sein. Das Geschreibsel, das Mario in seinem Artikel zitiert, ist exemplarisch. Und es ist nicht geeignet, um Leser zu einer Rückkehr zu bewegen. Wer solche Textpassagen zufällig findet, bleibt am Ende vermutlich ein „Einmalleser“, der nicht wiederkehren wird.

Das ist nicht schlimm, sagen einige der „Kollegen“. Sie verlassen sich darauf, dass Herr Google ihnen ständig neue Leser zuführt. Dafür sei Qualität – wie mir ein anderer Autoblogger vor einigen Tagen im Brustton der Überzeugung sagte – nicht wichtig.

Ich glaube nicht, dass das auf Dauer funktioniert!

Denn Google verwendet ein „User Behavior“ Modell. Von der Suchmaschine empfohlene Seiten, deren Besucher überdurchschnittlich schnell zur Suche zurückkehren, werden in Zukunft weniger empfohlen. Das sorgt für Hoffnung. Denn wenn die „Kollegen“ über Google keine Reichweite mehr erzielen, verlieren sie bald jede Daseinsberechtigung. In diesem Zusammenhang ist bezeichnend, dass wir eines der wenigen Blogs sind, die ihre Zugriffszahlen veröffentlichen.

Auch auf Seite der Industrie hat längst ein Umdenken begonnen. Denn in der Vergangenheit beschlich mich nach manchen Einladungen und dem Studium einiger „Konkurrenztexte“ eine gewisse Beklemmung.

Ich fragte mich, ob irgendwer diesen Quatsch gelesen hat.

Und ob es wirklich ein kann, dass ein dünner und teilweise sachlich fehlerhafter Text reicht, um weiter mit Einladungen berücksichtigt zu werden. Wenn ein Blogger keinen geraden Satz in die Tastatur bekommt, fällt das IMHO auch auf den einladenden Hersteller zurück. Zum Glück sieht die Industrie solche Ergebnisse ebenfalls immer öfter kritisch.

Vor ein paar Tagen sagte ein Industrievertreter zu mir, dass Blogger für ihn nur Autos fahren wollen, die sie sich nicht leisten können. Wobei das kein Problem ist, wenn die Texte hinterher Gefühl erkennen lassen. Auf der anderen Seite gibt es Fälle, wo die Industrie bewusst auf Kompetenz verzichtet. Denn ein kompetenter Blogger könnte sich mit zu viel Fachkenntnis mit einem Thema beschäftigen und damit das Kommunikationsziel gefährden.

Oder wo zwei Tage nach einem Termin deutliche Anrufe oder E-Mails folgen, die einen Artikel zu einer reinen Werbeveranstaltung einfordern. Immerhin deuten diese Beispiele auf ein Lesen hin. Doch sie sind trotzdem unglücklich. Denn wer Blogs als Content Marketing Instrument richtig nutzen will, sollte auch mit (sachlicher) Kritik umgehen können und nicht nur den billigen Distributionskanal sehen.

Wenn sich Blogger im Gegenzug um qualitative Mindeststandards bemühen, wird es (irgendwann) sogar eine Kommunikation auf Augenhöhe. Womit wir wieder zurück bei meinem Ausflug mit dem Rasenmäher sind. Denn das Gefährt und ich werden nie auf eine Wellenlänge kommen. Mir fehlt die körperliche Voraussetzung. Wenn ich es trotzdem probiere, wird das immer nur zu „Gehoppel“ führen. Deshalb habe ich den Rasenmäher nach wenigen Metern abgestellt. Genau diese Selbsteinschätzung würde ich mir von dem einen oder anderen Autoblogger wünschen.

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Themen in diesem Artikel:

Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.