Etwas selbst herzustellen, gilt gemeinhin als guter Weg, um eine emotionale Bindung zu etwas aufzubauen. Das treibt manchmal unvermittelte Blüten. Ich war neulich etwas überrascht, als mir ein Geschäftsfreund beim Small Talk von seiner Bierbrauanlage in der heimischen Küche erzählte. Die Überraschung stieg, als ich im Internet entdeckte, wie groß die Szene der Hobby-Brauer inzwischen ist.

Auch die Tatsache, dass in letzter Zeit regelmäßig Freunde und Bekannte von Sushi-Kursen berichten, wirkt auf mich immer etwas befremdlich. Sushi ist lecker, nicht falsch verstehen. Aber die Zubereitung überlasse ich gern einem Experten. Trotzdem frage ich mich immer, wenn ich von solchen Kursen höre, ob es tief im Inneren von Menschen eine Sehnsucht gibt, das Fremde und Unbekannte zu ergründen.

Was hat das mit Autos zu tun?

Diese Frage ist berechtigt! Aber keine Angst, ich komme sofort zum Punkt. Lassen Sie mich vorab eine Gegenfrage stellen: Waren Sie in jüngster Zeit einmal in einer Autofabrik? Ich war vor ein paar Monaten in Wolfsburg, um das Volkswagen-Werk zu besichtigen. Eine moderne Autofabrik ist weit weg von jeder „Industrie-Romantik“. Gerade beim größten und erfolgreichsten Autobauer Europas dominieren Roboter die Produktionshallen.

Deshalb lässt die Nachricht aufhorchen, wenn Volkswagen Kunden einlädt, an ihrem neuen VW e-Golf mitzubauen. Denn in der hochautomatisierten Welt der Autoproduktion ist ein „mit bauender“ Kundezwangsläufig ein Fremdkörper und steht im Zweifelsfall eher im Weg rum. Deshalb überrascht nicht, wenn aus „mit bauen“ in der Überschrift der Pressemitteilung im folgenden Text eine „Fertigungsbegleitung“ wird.

Die Fertigungsbegleitung kostet 390 Euro!

Volkswagen versteht seine Gläserne Manufaktur als Schaufenster seiner Elektromobilität. Kunden können bereits länger das Werk in Dresden besichtigen und anschließend ihr neues Auto in Empfang nehmen. Mit der „Fertigungsbegleitung“ erweitert Volkswagen dieses Event-Angebotum um eine erweiterte Werksführung. Der Clou dabei ist, dass die Kunden dabei ihr neues Auto schon in der Produktion bestaunen können und an drei Stationen sogar selbst Hand anlegen dürfen.

Denn unter fachkundiger Anleitung der Volkswagen-Mitarbeiter können die Kunden beim Einbau der Instrumententafel oder der Kühlerschutzgitterfront „helfen“. Auch bei der „Hochzeit“ von Antriebsstrang und Karosserie können sie den Schlagschrauben führen, wie unser Titelbild zeigt. 390 Euro kostet der Spaß und lässt mich nachdenklich zurück. Denn es erstaunt mich immer wieder, womit findige Unternehmen Geld verdienen!


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Do it yourself – bei Volkswagen dürfen jetzt die Kunden an ihrem VW e-Golf mit schrauben!

Foto: Volkswagen

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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