Eigentlich sollte man meinen, dass sich in einem einheitlichen europäischen Wirtschaftsraum diese Frage nicht wirklich stellt. Denn die europäische Dienstleistungsfreiheit ist – neben der Personenfreizügigkeit, der Warenverkehrsfreiheit und der Kapitalverkehrsfreiheit – eine der vier Grundfreiheiten des Europäischen Binnenmarktes. Doch im Motorsport ist diese Frage leider allgegenwärtig. Und auf der Suche nach einer Antwort stellt man fest, dass der DMSB eigentlich keine sinnvolle Nachwuchsförderung betreibt.

Doch der Reihe nach, FIA, DMSB und weitere nationale Motorsport-Organisationen schränken das Recht der europäischen Dienstleistungsfreiheit zurzeit erheblich ein – in meinen Augen an der Grenze des Zulässigen. Denn nach ihren Vorstellungen soll sich der Motorsport auch in einem Europa ohne fühlbare Grenzen an nationalen Grenzen orientieren. Ärgerlich auch, dass die Proteste der Betroffenen bisher keinerlei Wirkung zeigen.

Ein Einlenken des DMSB ist nicht sichtbar. Unverständlich, denn dabei sollte der Verband doch eigentlich die Interessen der Motorsportler vertreten. Wenn man sieht, welche Hürden ein deutscher Serienorganisator, der mehr als eine Veranstaltung außerhalb Deutschlands durchführen will, überwinden muss, dann fühlt man sich als Motorsportler nicht mehr wirklich vertreten, sondern eher ausgenommen.

Das Problem der Kosten ohne Leistung

Zunächst muss er seine Serie als so genannte internationale Serie bei der FIA anmelden. Diese Anmeldung ist im historischen Motorsport, wozu zum Beispiel der Kampf der Zwerge, der FHR Langstreckencup oder auch die Youngtimer Trophy gehören, zwar vergleichsweise günstig. Trotzdem müssen die Kosten finanziert werden. Das heißt, dass die Kosten dem Verursacherprinzip folgend auf die Teilnehmer umgelegt werden.

Und da fängt das Problem an, denn mit der Anmeldung als internationale Serie ist für die Teilnehmer bisher keine wirkliche Leistung verbunden. Zu Recht fragen sich Teilnehmer vieler Serien, warum sie für die Inanspruchnahme ihres Rechts auf Dienstleistungsfreiheit, was die Teilnahme an einer Sportveranstaltung im Prinzip ist, unnötige Zahlungen an Organisationen der motorsportlichen Selbstverwaltung leisten sollen.

Das Problem der Lizenzen

Ärgerlich ist auch, dass die Anmeldung einer Serie als internationale Serie Folgeprobleme schafft. Nicht nur, dass die für den Start in einer internationalen Serie notwendige Lizenz selbstverständlich teurer als ihre nationale Schwester ist und sich auch hier die Frage nach der Leistung stellt. Nein, die Lizenz bekommt, wer zuvor bei nationalen Veranstaltungen (erfolgreich) angetreten ist. Wo nimmt der DMSB eigentlich das Recht her, einen Motorsportler an einer Ausübung seines Sports in Frankreich oder Spanien zu verhindern?

Hier lebt ein System fort, in dem nur die Besten ein Land bei internationalen Sportveranstaltungen repräsentieren sollen. Mal ganz ehrlich, das ist doch der Geist Mief der 1950er-Jahre. Zumal wir hier im historischen Motorsport von Breitensport reden. Kein Motorsportler in den Serien, die hier unser Thema sind, strebt eine Karriere an, die vielleicht in die DTM oder die Formel 1 führen soll. Hier geht es um den Spaß am Motorsport und den Spaß an alten Autos. In der Gegenwart, wo nationale Grenzen und auch der sportliche Wettbewerb über die Ländergrenzen hinweg längst Alltag sind, ist das System des DMSB einfach nur von vorvorgestern.

Warum betreibt der DMSB eigentlich keine echte Nachwuchsförderung?

Zudem erschwert das System der Lizenzen den Einstieg in den Motorsport unnötig. Der Zwang zur Anmeldung als internationale Serie, um in Nachbarländern fahren und den Teilnehmern damit möglichst unterschiedliche Strecken bieten zu können, blockiert Neueinsteigern den Weg in den Motorsport. Das ist so ärgerlich, weil es ausgerechnet im Autoland Deutschland – anders als beispielsweise in Frankreich oder Großbritannien – keine Veranstaltungskultur mit regionalen Clubmeetings gibt.

Auf Strecken wie dem Heidbergring, dem Spreewaldring oder in Gross Dölln aber auch in Rheinmünster („LUK Driving Center“), in Papenburg (Testgelände mit Hockenheim-Kopie!) oder auf dem Schleizer Dreieck finden leider keine nennenswerten Veranstaltungen für motorsportliche Neueinsteiger statt. Würde sich der DMSB mal dafür einsetzen, hier eine regionale Motorsportkultur zu etablieren, wäre der Aufschrei über die Beschränkungen der Dienstleistungsfreiheit vermutlich nicht so groß.

1 Comment

  1. Das wäre wirklich eine tolle sache wenn es auf den kleinen strecken rennen gäben täte.

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