Seit 1979 gehört das G-Modell vom Mercedes zur Modellpalette des Welt-Unternehmens aus Stuttgart. Durch die regelmäßige Modellpflege ist das G-Modell inzwischen mehr als 30 Jahre die Spitzenklasse im Gelände. Wobei die G-Klasse, wie Mercedes den Geländewagen heute offiziell nennt, streng genommen ein Österreicher ist. Denn der urige Kraxler entstammt aus einer Kooperation mit Steyr Daimler Puch. Bis heute wird das G-Modell in Graz gebaut .

Bei der IAA in Frankfurt können sich auch Stadtmenschen regelmäßig ein Bild von der Geländegängigkeit des G–Modells machen. Denn traditionell gehört die Geländewagenpräsentation auf der Freifläche zu den absoluten Messe-Highlights der größten Automesse der Welt. Bis vor einigen Jahren gehörte zum Parcours dieser Präsentation immer auch eine große Überfahrt, die die Geländewagen rund 10 Meter steil nach oben und nach einer kleinen Brücke ebenso steil wieder auf den Erdboden zurückführte.

Auftritt: G-Modell – Geht das noch mal rückwärts?

Einige der Wettbewerber hatten dabei offensichtlich Mühe, über dieses Hindernis zu fahren. Die SUV-Fraktion umfuhr das Hindernis sogar ganz. Die teilnehmenden G-Modelle hingegen stoppten regelmäßig nach der Überfahrt des Scheitelpunkts auf der Abfahrt, um dort – in der Schräge – den Rückwärtsgang einzulegen. Dann fuhren sie zurück über den Scheitelpunkt und stoppten auf der Auffahrt, um nach einer kurzen Pause die Fahrt über das Hindernis in der „richtigen“ Richtung fortzusetzen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Parcours in Frankfurt auch deshalb entschärft wurde, weil die anderen Marken die Dominanz der Mercedes nicht ertragen konnten.

Jan Gleitsmann und Road-Tripper Camillo Pfeil bestätigten vor ein paar Wochen die Geländegängigkeit des G-Modells. Doch bei aller Überlegenheit im eigentlichen Aufgabengebiet, die Zeit der Langläufer neigt sich auch bei den Geländewagen langsam dem Ende zu. Die veränderten Anforderungen an die passive und aktive Sicherheit sind mit den kantigen Karosserieformen kaum noch zu erfüllen. Insbesondere beim gesetzlich geforderten Fußgängerschutz haben die Geländewagen ein Problem. Land Rover, dessen Defender ebenfalls noch ein echtes Urvieh ist, bezieht daher die Fans bereits seit mehr als einem Jahr in die Entwicklung des für 2015 angekündigten neuen Defender ein.

Mercedes-Benz folgt diesem Beispiel jetzt offensichtlich

Im Rahmen der Los Angeles Design Challenge, eine Art Vorspiel der Ende November startenden LA Auto Show, stellten die Stuttgarter jetzt die Studie Ener-G-Force vor. Der Ausgangspunkt dieser Studie liegt in der Tradition des G-Modells. „Der Ener-G-Force ist die Vision eines Offroaders, der das Abenteuer der Zukunft spiegelt und sich gleichzeitig auf die Gene der Mercedes-Benz Offroad-Ikone, dem G-Modell, beruft. Modern und cool könnte er aber auch ein Hinweis auf einen Neuanfang für die Offroad-Formensprache von Mercedes-Benz sein.“, Gorden Wagener, Designchef von Mercedes-Benz Cars stellte in Los Angeles so ausdrücklich einen Bezug zwischen der Studie und dem Klassiker her.

Mercedes Ener-G-Force als Polizeiwagen der Zukunft
Der Entwurf von Mercedes-Benz für das Highway Patrol Vehicle 2025

Einen wichtigen Impuls für die Studie, die bei der Los Angeles Design Challenge vorgestellt wurde, gab der Aufruf, das Polizeiauto der Zukunft zu gestalten. Eine interessante Parallele zum G-Modell, dessen Entwicklung einst auf militärische Anforderungen des Iran – damals ein großer Anteilseigner des Unternehmens Mercedes-Benz – zurückging. So entstand zunächst der Entwurf eines „Highway Patrol Vehicle 2025“, das auch abseits der Straßen seinen Einsatzort auf kürzestem Weg erreichen kann. Es soll der Obrigkeit ein Wegerecht garantieren, wo gar keine Wege existieren.

Anschließend haben die Designer im Mercedes-Benz Advanced Design Studio im kalifornischen Carlsbad aus dem fiktiven „Highway Patrol Vehicle 2025“ eine zivile Variante als 1:1-Modell auf die Räder gestellt. Diese Studie ist eine radikale Neuinterpretation des Klassikers G-Modell. Der Strich des Ener-G-Force folgt einer ähnlichen Linie, allerdings liegt die Schulterlinie deutlich höher. „Wir wollten natürlich einen klaren Schritt nach vorne, aber wir wollten auch die Erkennungsmerkmale des G.“ führte Designer Hubert Lee zu der Studie aus. Offen bleibt, für meinen Geschmack, warum zu diesem Schritt heute offensichtlich so stark verkleinerte Fensterflächen gehören müssen?

Fluxkompensator? Nein, Hydro-Tech Converter und Terra-Scan!

Für den Antrieb haben die Designer einige interessante Visionen entwickelt. Der Ener-G-Force tankt Wasser. Die Tanks hat man auf dem Dach untergebracht. Ein sog. „Hydro-Tech Converter“ spaltet das Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff auf. Das edle Element wird in den markanten Seitenschwellern  zwischengelagert, bevor der Wasserstoff für den Betrieb der Brennstoffzellen an Bord genutzt wird.

Die Brennstoffzellen emittierten – ganz umweltfreundlich – Wasser. Eine Tankladung soll für eine Reichweite von rund 800 Kilometern sorgen. Vier Radnabenmotoren sind für den Vortrieb verantwortlich. Die Leistung der Aggregate wird dabei elektronisch für jedes Rad einzeln an das jeweilige Terrain anpasst. In die Steuerung fließen Daten ein, die der ebenfalls auf dem Dach befestigte topografische Rundumscanner „Terra-Scan“ ermittelt.

All diese Funktionen und Gadgets machen den Entwurf des Ener-G-Force in vielen Punkten heute zu purer Science-Fiction. Trotzdem gibt die Studie interessante Hinweise dazu, wohin unsere automobile Reise in Zukunft gehen könnte. Kein schlechter Ausblick, wie ich finde! Und ich bin gespannt, wie viel vom Ener-G-Force 2025 tatsächlich in unseren Autos stecken wird.

7 Kommentare

  1. Dat Ding geht gar nicht!!! Dat hat mit dem G ja gar nichts mehr zu tun!!!

  2. Cooles Design, gefällt mir extrem gut. Die großen Räder sind echt stark, selbst wenn die in der Serie etwas kleiner werden bleibt das echt scharf.

    • So große räder kann übrigens auch heute schon auf die G-Klasse schrauben:

  3. Das ist eine Kreuzung aus VW Tuareg und Chevrolet HHR. Schrecklich und so gar nicht G-Modell. Was kommt als Nächstes? Ein Mittelmotorsportwagen in Panzerform als SL?

  4. Ich finde es irgendwie zu kitschig. Wie aus irgendeinem Science-Fiction Film aus den Achtziger Jahren. Ich weiß auch nicht, warum die Ingenieure von Mercedes die Pläne für ein Show-Auto umgesetzt haben, aber Ästhetik ist was anderes.

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