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Enttäuschungen des Autojahrs 2015: Borgward – Platz 2

Die Marke Borgward gilt als Mythos. Der Versuch, die Marke wiederzubeleben, gehört in meinen Augen zu den Enttäuschungen des Autojahrs 2015.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Borgward zu den innovativsten Autobauern der Welt. Immer wieder trieb Firmenchef Carl F. W. Borgward (1890–1963) seine Ingenieure an, es den Großen zu zeigen. 1949 stellte das Unternehmen mit dem Hansa 1500 die erste deutsche Neuentwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg vor. Eine Benzindirekteinspritzung, heute Standard, gab es in Bremen schon in ab 1951.

Borgward war 1961 Pleite

1961 musste das Unternehmen Konkurs anmelden. Rund um das Ende ranken sich bis heute zahlreiche Verschwörungstheorien. Denn das Unternehmen war vermutlich gar nicht überschuldet. Schließlich reichte am Ende die Konkursmasse, um die Gläubiger vollständig zu befriedigen. Das ist selten und wirft rückblickend die Frage auf, warum der Bremer Senat eine im Winter vom Autobauer benötigte Zwischenfinanzierung verweigerte.

Lange deckte sich über Borgward nur der Staub der Geschichte. Das Unternehmen war halt nur einer der zahlreichen gescheiterten Autobauer. Bis Christian Borgward, ein Enkel von Carl F. W. Borgward und der Schweizer Unternehmer Karlheinz L. Knöss sich der Sache annahmen. 2008 gründeten sie die neue Borgward AG und streben seither das Comeback der Marke an.

Borgward auf der IAA 2015
Seit 1919? Nicht wirklich! 1961 war das Unternehmen pleite. Die heutige AG wurde 2008 gegründet. 2017 soll ein Fahrzeug der Marke in Europa zu kaufen sein.

Das klang von Anfang an immer etwas nach Utopia und Schlaraffenland. Denn es war lange völlig unklar, wie der neue Autobauer mit dem alten Namen den Markteintritt finanzieren will. Doch die Initiatoren fanden mit dem chinesischen Lkw-Hersteller Beiqi Foton Motor einen finanzstarken Partner. Gut möglich, das Foton das Projekt inzwischen sogar vollständig übernommen hat. An dieser Stelle ist die neue Borgward AG recht schweigsam.

Aber das ist am Ende gar nicht wichtig. Denn die kommunizierten Pläne klingen weiterhin – sagen wir es mal zurückhaltend – ambitioniert. Bis zum Ende der Dekade wolle man 800.000 Autos pro Jahr produzieren. Ich bin nicht der Einzige, dem der Glaube an der Umsetzbarkeit fehlt. Der geschätzte Kollege „Tom Grünweg“ sprach vor ein paar Tagen bei Spiegel Online sogar vom Projekt Größenwahn.

Und liegt damit vermutlich richtig

Denn bis zum Jahresbeginn 2015 gab es rund um das Comeback nur Ankündigungen. In Genf „glänzte“ das Unternehmen mit einem Messestand ohne aktuelles Produkt. Stattdessen stand dort eine wunderschöne Borgward Isabella. Wohlgemerkt, auf einer der wichtigsten Automessen des Jahres stellten die Verantwortlichen ein 1956 entwickeltes Coupé. Und präsentierten anschließend auf der IAA in Frankfurt einen SUV. Das hat Züge einer Realsatire!

Borgward Isabella auf dem Autosalon in Genf 2015
Borgward Isabella in Genf – Mehr gab es auf dem Genfer Autosalon nicht zu sehen. (Foto: Tom Schwede)

Entwickelt wurde dieser Borgward BX7 angeblich in Stuttgart. Doch das ist wohl nur eine Legende. Tatsächlich handelt es bei dem SUV wohl um ein Produkt aus China. Denn inzwischen gibt es Hinweise, dass der Borgward BX7 ein Senova X65 ist. Unter der Marke Senova baut die Foton-Mutter BAIC (Bejing Automotive Corperation) Autos. Er erwarb dazu die Rechte an den Konstruktionen von Saab. Was für ein Zufall, dass das Design der Ex-Saab-Designer Einar J. Hareide übernahm.

Screenshot der Borgward-Webseite vom 27.12.2015
Screenshot der Borgward-Webseite vom 27.12.2015

Wobei das mit dem Design so eine Sache ist!

Denn beim Aussehen orientieren sich der BX7 und der Senova X65 stark am Audi Q5. Dazu gibt es noch einen Schuss Porsche und im Fall des BX7 an der Front noch etwas Jaguar oder Skoda. Wenn das die angekündigte eigene Note ist, dann muss niemand Angst vor diesem Borgward haben. Im Prinzip erinnert die „Rückkehr“ des Namens nur an andere Marken der Wirtschaftswunderzeit. Auch Namen wie Grundig oder Nordmende sind heute nur noch Labels, die Billigprodukte aus China schmücken.

Das ist wohl auch der Weg, den Borgward bestreiten muss, wenn das Produkt BX7 in der „alten Heimat“ funktionieren soll. Für die Webseite hat man zwar ein paar Testimonials (66, 74 und 69 Jahre alt) gefunden, die mit dem Namen noch etwas anfangen können. Doch allzu viele Autos wird diese Generation vermutlich nicht mehr kaufen. Ob es bei kommenden Autokäufer-Generationen cool ist, wenn die Vorfahren mal so ein Auto aus Bremen hatten, darf bezweifelt werden.

Da es zudem mit dem eigenständigen Design offensichtlich nicht geklappt hat, bleibt beim Markteintritt eigentlich nur der Weg über den Preis. Gut informierte Kreise berichten davon, dass der Borgward BX7 in der Version mit Frontantrieb zu einem Preis von 26.000 Euro angeboten werden soll. Es wird sich zeigen, ob sich damit ab 2017 in Europa Kunden finden lassen. Denn egal wie man das Blatt auch dreht, der BX7 hat außer dem Namen nichts mit der alten Marke Borgward gemeinsam.

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