Mit Frontmotor und Frontantrieb fuhren zuletzt die Adlerwerke 1938 in Le Mans unter die ersten zehn. Trotzdem wollte Nissan mit dem Nissan GT-R LM Nismo und diesem Konzept um den Gesamtsieg kämpfen. Nach großen Ankündigungen entpuppte sich das Projekt am Ende als Flop.

Schon im Mai 2014 kündigte Nissan seine Rückkehr nach Le Mans an. Im Februar 2015 offenbarten die Japaner dann Details. Der Grundsatz „Achse, Fahrer, Motor, Achse“ galt plötzlich nicht mehr. Stattdessen wählte Nissan einen Frontmotor, der die Vorderachse antreibt. Dazu sollten Elektromotoren die Hinterachse des ungewöhnlichen Rennwagens boosten.

Nissan GT-R LM Nismo #23 - Le Mans 2015 (Foto: Karla Schwede)
Nissan GT-R LM Nismo #23 – Le Mans 2015 (Foto: Karla Schwede)
Irgendwo war beim Nissan GT-R LM Nismo von Anfang an der Wurm drin. Zunächst verpasste Nissan die ersten beiden Saisonrennen der WEC. Das Team hatte den Crashtest nicht bestanden. Ok, das ist auch schon anderen passiert. Da wird nachgebessert und dann klappt es meistens. So auch bei Nissan. Doch Nissan hatte dazu Probleme mit dem Hybridantrieb, der nie wie gewünscht lief. Und das trotz eines Vorlaufs von mehr als einem Jahr!

In Le Mans feierte der Sportwagen dann sein Debüt. Doch die drei gemeldeten Fahrzeuge waren ohne Unterstützung des Hybridantriebs von der ersten Streckenminute an chancenlos. Der Auftritt bei den 24 Stunden von Le Mans 2015 war für Nissan allenfalls eine bessere Testsession. Auf der Strecke konnte der LMP1 Nissan GT-R LM Nismo nicht einmal das Tempo der LMP2 gehen.

Am Ende der 24 Stunden von Le Mans wurde keiner drei eingesetzten Rennwagen gewertet. Prompt zog sich Nissan zurück, um das Konzept zu überarbeiten. Auf einen Start bei den restlichen Saisonläufen der WEC verzichtenden die Verantwortlichen. Im Herbst ordnete der Autobauer aus Japan die Verantwortung im Projekt Le Mans, um das Auto fit für weitere Einsätze zu machen.

Le Mans 2015: Nissan GT-R LM Nismo #21
Le Mans 2015: Nissan GT-R LM Nismo #21 – es bleibt bei diesem einmaligen Auftritt
Trotzdem kam kurz vor Weihnachten die Kapitulation. Nissan gab das Ende des Programms bekannt. Natürlich ist Motorsport teuer und muss sich – über den Werbewert – für einen Hersteller rechnen. Diese Rechnung könnte 2015 für Nissan sogar aufgegangen sein. Denn das ungewöhnliche Auto hatte in diesem Jahr den Bonus des Neueinsteigers. Entsprechend viel Raum nahm das Fahrzeug in der Berichterstattung ein.

Offensichtlich sahen die Verantwortlichen bei Nissan für ihr Batmobil aber keine echte Zukunft mehr. Sie wissen, dass es am Ende nicht reichen wird, wenn der Nissan GT-R LM Nismo ein paar LMP2 hinter sich lässt. Diesen Kredit hat Nissan mit den vollmundigen Ankündigungen bei Debüt verspielt. Besonders der inzwischen ehemalige Nissan-Motorsportchef Darren Cox fiel dabei negativ auf.

Sportlich mag das Ziehen des Steckers am Ende nur konsequent sein. Aber es bezeugt eben auch, dass das Geschäft für Hersteller im Motorsport wichtiger als der Sport ist. Und das ist immer eine Enttäuschung. Auch wenn das Scheitern auf Weltniveau, das Nissan mit dem Nissan GT-R LM Nismo zelebrierte, ja durchaus eine komische Note hatte.

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