Heute gehört die Benzin-Direkteinspritzung zum Standard aller Motorenbauer. Doch wer vertraute eigentlich als Erster auf das Konzept, den Kraftstoff direkt in den Brennraum zu spritzen?

In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Benzin-Direkteinspritzung von der Nischentechnik zum Mainstream entwickelt. Fast alle Hersteller vertrauen inzwischen auf die Technik, die in den 1930 Jahren zunächst für Flugmotoren entwickelt wurde. Denn die Flugzeugbauer suchten an einem Motor, der einen möglichst Lage unabhängigen Betrieb ermöglichte. Denn das versprach – im Vor-Düsenzeitalter – Vorteile im Luftkampf.

Mitte der 1990er-Jahre war Mitsubishi der Trendsetter, der die Benzin-Direkteinspritzung ins Bewusstsein der Auto-Freunde rückte. Auf der Suche nach Möglichkeiten zum Kraftstoffsparen erinnerten sich die Japaner an das Prinzip. Es war auch im Auto ein Comeback. Denn schon 1953/54 rannten die Rennwagen von Mercedes-Benz mit einer Benzin-Direkteinspritzung.

Goliath Zweitakter mit Benzin-Direkteinspritzung

Doch die Stuttgarter waren nicht die Ersten, die auf die Benzin-Direkteinspritzung vertrauten. Denn schon auf der IAA 1951 stand mit dem Goliath Sportcoupé ein Auto, dessen Motor über eine Benzin-Direkteinspritzung verfügte. Goliath-Hersteller Borgward wollte damit den Spritverbrauch des Zweitakters reduzieren. Die Idee ging zurück auf August Momberger. Der Zweitaktexperte wechselte 1950 von der Auto Union zu Borgward und brachte die Idee der Direkteinspritzung mit nach Bremen.

Denn gerade beim Zweitakter versprach das Prinzip Vorteile. Schließlich treiben seine sogenannten Spülverluste den Durst nach oben. Mit der Direkteinspritzung konnten die Techniker den Kraftstoff erst nach dem Gaswechsel im Brennraum zerstäuben. Theoretisch sollte das den Kraftstoffverbrauch des Zweitakters um bis zu 30 Prozent senken. Zusammen mit Bosch nahm sich Borgward der Sache an.

Das Ergebnis war der im Goliath GP 700 E Sportcoupé präsentierte neue Zweitakter. Das 688 cm³ große und 29 PS starke Aggregat war ab 1952 auch in der Limousine Goliath GP 700 E verfügbar. Dazu entwickelten die Techniker einen 845 cm³ und 36 PS starken Ableger des Motors für das Goliath Sportcoupé mit einer sehr schnittigen Karosserie aus dem Hause Rometsch. Doch die Technik der Benzin-Direkteinspritzung erwies sich schwierig – trotz der unbestrittenen Vorteile.

Schließlich lag der Verbrauch rund ein Drittel unten dem vergleichbarer Motoren. Dazu begrüßten die Einspritzer-Besitzer die Schubabschaltung und den ruhigeren Leerlauf. Im Alltag gab es jedoch auch Probleme. Teilweise rüsteten die Goliath-Werkstätten und Boschdienste die Einspitzmotoren sogar auf Vergaser um, um die Kunden zu beruhigen. Und auch Borgward wandte sich von der Idee ab. Beim ab 1957 angebotenen Goliath GP 1100 vertraute auch Borgward auf den Viertakter.

Mercedes-Benz wechselte zur Saugrohreinspritzung

Nachdem die Mercedes-Benz 300 SLR in der Formel 1 alles in Grund und Boden fuhren, wagte Mercedes den Einsatz auch in der Serie. Der Flügeltürer 300 SL von 1954 sowie der von 1955 bis 1958 gebaute Mercedes-Benz 300 S verfügten über eine Benzin-Direkteinspritzung. Doch Mercedes hatte immer wieder Probleme mit den Einspritzpumpen. Daher stellte Mercedes seine Motoren ab 1957 auf eine Saugrohreinspritzung um.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Goliath GP 700 E Sportcoupé

Das Goliath GP 700 E Sportcoupé war das erste Serienfahrzeug mit Benzin-Direkteinspritzung. Die schnittiger Karosserie des Zweisitzers stammte aus dem Hause Rometsch. 1951 stand des Goliath Sportcoupé auf der IAA. (Foto: obs/© BORGWARD Group AG)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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