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Tom Schwede, bewegt alles, was vier Räder hat Hallo, ich bin Tom — zusammen mit der Auto Blogger Crew mit viel Benzin im Blut blogge ich hier im Auto-Blog für Auto-Natives über Autos. Seit 2007 gibt es in diesem Blog regelmäßig Reportagen, Tests und Meinungen rund ums Auto. Dazu zählen auch Beiträge über Oldtimer oder Youngtimer sowie über Motorsport.

 




Die Möglichkeit, dass Ferrari nach Le Mans zurückkehren könnte, um mit einem Prototypen um den Gesamtsieg zu kämpfen, fasziniert weltweit die Motorsportfans. Bis 1973 gehörten die Sportwagen aus Maranello an der Sarthe regelmäßig zu den Sieganwärtern. Zum möglichen Comeback von Ferrari in Le Mans werfen wir einen Blick zurück auf die lange Ahnenreihe der Italiener im Top-Segment der Sportwagen.

Ferrari 166 LM
Der Ferrari 166 LM, Ferraris erster Le Mans Sieger, kehrte zum 90. Geburtstag des Rennens in diesem Sommer an die Strecke zurück. (Foto: Tom Schwede)

Den Anfang machte 1949 der Ferrari 166MM, der bei der Neuauflage des Rennens nach dem Zweiten Weltkrieg bereits im ersten Versuch für den ersten Ferrari-Sieg beim Langstreckenklassiker in Frankreich sorgte. Luigi Chinetti und Peter Mitchell-Thomson, 2. Baron Selsdon gewannen mit dem offenen Sportwagen des Barons die 24-Stunden von Le Mans.

Nach dem ersten Erfolg 1949 gehörten die Ferrari auch in den folgenden Jahren zu den schnellsten Autos in Le Mans. Mehrmals verlor Ferrari gute Platzierungen, weil die Fahrzeuge nicht über die Distanz kamen. Enzo Ferrari erhöhte den Einsatz, schickte jetzt stets mehrere Werkswagen ins Rennen. Mit Erfolg, denn beim nassen Rennen von 1954 lagen zeitweise gleich drei Ferrari deutlich in Führung.

Doch nur der Ferrari von Maurice Trintignant und José Froilán González hielt bis zum Schluss durch. Beim letzten Boxenstopp sprang der 5,0 Liter große V12 wegen einer nassen Zündung zunächst nicht wieder an. Zwölf endlose Minuten vergingen, bis der Rennwagen endlich wieder lief. Mit Mühe rettete sich der Ferrari ins Ziel und zum ersten Sieg des Werksteams.

Der Motor des Ferrari 375 Plus
Der Motor des Ferrari 375 Plus (Foto: Sfoskett)

Der Sieger Ferrari 375 Plus verfügte über einen vom Formel-1-Triebwerk des Hauses abgeleiteten V12-Motor. Der im Sportwagen fünf Liter große Motor leistete 330 PS, die im Plus erstmals über eine De-Dion-Achse auf die Strasse gebracht wurden.

Beim Unglücksrennen von 1955 trat Ferrari mit dem Sechszylinder-Modell 121LM an. Wieder ein schnelles Fahrzeug, dem die notwendige Zuverlässigkeit für das Rennen fehlte. Nach der Tragödie von 1955 änderte der ACO die Regeln. Der Hubraum der Rennwagen wurde – für ein Jahr – auf 2,5 Liter begrenzt.

Ferrari versuchte sich mit dem Ferrari 625LM Spyder Touring, der von einem 225 PS starken Vierzylinder-Motor angetrieben wurde. Doch mehr als ein dritter Platz von Olivier Gendebien und Maurice Trintignant war 1956 nicht drin. Auch im Folgejahr war die Scuderia mit dem Ferrari 315S chancenlos. Der fünfte Platz hinter vier Jaguar war eine empfindliche Niederlage.

1958 kehrte Ferrari in die Siegerstraße zurück

Schon im Vorfeld war der Ferrari 250TR58 der große Favorit. Bei zehn Testa-Rossa Rennwagen im Feld war eigentlich nur die Frage, welche Mannschaft zum Sieg fahren kann. Am Ende siegten Olivier Gendebien und Phil Hill mit deutlichem Vorsprung.

Ferrari 250 Testa Rossa von 1958
Mit dem Ferrari 250 Testa Rossa von 1958 sicherte sich Ferrari den dritten Erfolg an der Sarthe. (Foto: Sfoskett)

Ein Jahr später sorgte der Wettkampf mit Aston Martin für ein hohes Tempo. Nur drei der insgesamt 31 ins Rennen gegangenen Sportprototypen sahen die Zielflagge. Als letzter Ferrari-Prototyp strichen rund drei Stunden vor dem Ende die Vorjahressieger die Segel. Ein Motorschaden am 250TR59 beendete das Rennen – in Führung liegend. Ferrari hielt sich mit einem Erfolg in der GT-Klasse schadlos. Denn bereits auf Platz drei kam das Ferrari 250 GT LWB Coupe der Belgier Jean Blaton und Leon Dernier als bester GT ins Ziel.

Zum Rennen 1960 zogen sich Jaguar und Aston Martin aus Le Mans zurück. Ferrari ging als Favorit ins Rennen, obwohl Maserati mit dem Tipo 61 sein Comeback feierte. Tatsächlich gelang mit dem 250TR59/60 der Erfolg. Obwohl eine Karosseriemodifikation den Luftwiderstand und damit den Benzinverbrauch erhöhte. Am besten stellten sich Olivier Gendebien und Paul Frère auf die Bedingungen ein. Sie siegten, auch weil Wolfgang von Trips und Ludovico Scarfiotti bereits frühzeitig ohne Benzin auf der Strecke ausrollten.

Trotz des Fauxpas hatte die Ferrari-Ära in Le Mans begonnen

1961 fuhren erneut Olivier Gendebien und Phil Hill zum Sieg. Sie saßen in einem vom Testa Rossa abgeleiteten Ferrari 250TRI, der mit dem Urmodell nur noch wenig gemeinsam hatte. Unter der Karossere hatte eine Einzelradaufhängung Einzug gehalten. Die Leistung des Motors war auf 315 PS angewachsen, was den TRI zum dominierenden Sportwagen dieser Epoche machte.

Ferrari 250 TRI
Ferrari 250 TRI, hier am Nürburgring, gewann auch in Le Mans (Foto: Lothar Spurzem)

Wie sooft in der Geschichte des Langstreckenklassikers versuchte der ACO die Dominanz mit neuen Regeln zu verhindern. Doch Ferrari behielt auch 1962 mit dem Ferrari 330TRI, dem letzten Testa Rossa die Oberhand. Wie im Vorjahr gewannen Olivier Gendebien und Phil Hill mit einem deutlichen Vorsprung das Rennen. Es war der letzte Sieg eines Front-Motor-Ferraris in Le Mans. Denn auch in Maranello hatte mit dem 1961 vorgestellten Ferrari Dino 246SP das Mittelmotor-Konzept Einzug gehalten.

Als der ACO für das Rennen 1963 erneut nach nur einem Jahr die Regeln änderte, kam Ferrari mit dem Ferrari 250P nach Frankreich. Der erste Mittelmotor-Sportwagen des Hauses mit Zwölfzylindermotor war auf Anhieb erfolgreich. Lorenzo Bandini und Ludovico Scarfiotti siegten beim 24-Stunden-Rennen 1963 von Le Mans überlegen. Ein Jahr später wiederholten Nino Vaccarella und Jean Guichet mit dem nur geringfügig modifizierten Ferrari 275P den Erfolg.

Der dritte Mann am Steuer – legal oder egal

Zum vorerst letzten Le Mans Sieg für Ferrari fuhren 1965 Masten Gregory und Jochen Rindt – zumindest offiziell. Damals waren nur zwei Piloten üblich. Doch als der Amerikaner Gregory das Rennen in der Nacht mit Augenproblemen nicht fortsetzen konnte, war Rindt nicht aufzutreiben. Das Steuer übernahm der Amerikaner Ed Hugus, der als Ersatzfahrer vor Ort war. Eigentlich hätte Hugus das Auto nur übernehmen dürfen, wenn das Team den Fahrer vor dem Rennen benannt hätte.

Ferrari 250 LM
Der letzte Ferrari-Sieger in Le Mans: Ferrari 250 LM (Foto: Hmaag)

Ganz wohl war dem Team, offiziell lag der Einsatz in den Händen des North American Racing Teams, bei diesem Fahrerwechsel wohl nicht. Denn Hugus nutzte bei seiner Fahrt dem Helm von Gregory. NART-Teamchef Luigi Chinetti, der das Rennen 1948 selbst für Ferrari als Fahrer gewonnen hatte, behauptete später, den Fahrerwechsel den Verantwortlichen des ACO angezeigt zu haben. Trotzdem nahm Hugus nicht an der Siegerehrung teil und wird in den offiziellen Ergebnislisten bis heute nicht geführt.

Der Erfolg 1965 war der Schlusspunkt der Ferrari-Siege in Le Mans. Ford fuhr in den kommenden Jahren mit dem GT40 in einer eigenen Liga. Die von Ferrari als GT40-Jäger konzipierten Ferrari 330P3 (1966) und 330P4 (1967) hatten gegen die mächtigen Ford keine Chance. Auch weil Ferrari die bis zu sieben Liter großen Motoren der Amerikaner ablehnte. Stattdessen suchte Ferrari sein Glück mit leichten Sportwagen, deren Motoren von den Formel-1-Aggregaten des Hauses abgeleitet wurden.

Der Ferrari 330P4 war ein großartiger Sportwagen

Motortechniker Franco Rocci hatte ursprünglich für den 312F1 gebauten und 360PS starken 3,0 Liter 12-Zylinder-V-Motor für die Langstrecke modifiziert. Mit einer Hubraumerweiterung auf 4,0 Liter und dem von Rocci konstruierten Drei-Ventilkopf stieg die Leistung des Motors im Sportwagen auf 450PS an. Beim 24-Stunden-Rennen von Daytona fuhr Ferrari Anfang 1967 zu einem Dreifach-Triumph. Doch in Le Mans war der Ferrari gegen den Ford GT40 chancenlos. Mit vier Runden Rückstand blieb für Ludovico Scarfiotti und Mike Parkes nur der undankbare zweite Platz.

Ferrari 330P4
Ferrari 330P4 bei einer Ferrari-Veranstaltung 2007 in Fiorano (Foto: Stefano Vecchia)

Als für das wegen der Studentenproteste erst im September 1968 ausgetragene Rennen „plötzlich“ 40 gebaute Exemplare vorzuweisen waren, verzichtete Ferrari offiziell auf die Teilnahme. Kundenteams wie NART und die Scuderia Filipinetti traten mit dem drei Jahre alten Ferrari 250 LM an. Als bester Ferrari kamen David Piper und Richard Attwood auf Platz sieben ins Ziel.

Für die 1969er-Ausgabe des Rennens lies der ACO die Prototypen wieder zu. Ferrari stellte dafür den Ferrari 312P vor. Trotzdem hatte Ferrari mit dem Ausgang des Rennens wenig zu tun. Der 312P von Chris Amon wurde schon in der Startphase aus dem Rennen gerissen, als Amon in den tödlichen Unfall von John Woolfe verwickelt war. Der zweite Ferrari mit David Piper und Pedro Rodríguez fiel später ebenfalls aus.

Ferrari 712 Can Am
Der Ferrari 712 Can Am ist ein umgebauter 512S. (Foto Tom Schwede)

Ab 1970 dominierten die Porsche 917 das Rennen. Ferrari konterte mit dem Ferrari 512S. Möglich wurde dieser Einsatz, da Enzo Ferrari Teile seiner Firma an Fiat verkauft hatte. Erst diese Partnerschaft ermöglichte es Ferrari, die für die Teilnahme notwendigen 25 Exemplare des Fünfliter-Sportwagens auf die Räder zu stellen. Doch das Risiko lohnte sich nicht. Anders als im Spielfilm Le Mans war der Ferrari 512S in der Realität gegen den Porsche 917 völlig chancenlos. Auch 1971 verlor der überarbeitete Ferrari 512M im Ziel mehr als 30 Runden auf den siegreichen Porsche.

Best of the rest, aber für Enzo Ferrari nicht gut genug!

Und auch in der Sportwagen-Weltmeisterschaft wurde die Überlegenheit der Porsche zum Problem. Zur Saison 1972 wurde der Hubraum auf drei Liter reduziert. Ferrari entwickelte den 312PB. Doch der Sportprototyp dominierte die WM, trat aber in Le Mans nicht an. Ferrari befürchtete, dass die fragile Formel 1 Technik des Sportwagens keine 24-Stunden überstehen würde. Wie schon 1968 beschränkte sich Ferrari auf die GT-Klasse, wo der Ferrari 365 GTB/4 prompt zum Klassensieg fuhr.

Zum 50. Geburtstag des 24-Stunden-Rennens von Le Mans 1973 kehrte das Werksteam zum letzen Mal mit einem Prototypen nach Frankreich zurück. Doch das Rennen ging unglücklich gegen Matra verloren. Eine halbe Stunde vor dem Ende gab es am führenden Ferrari 312 PB von Jacky Ickx und Brain Redman einen Motorschaden, der das Team aus dem Rennen warf. Am Ende des Jahres stellte Ferrari das Sportwagenprogramm ein, um sich vollständig auf die Formel 1 zu konzentrieren.

Die Le Mans Einsätze von 1995 bis 1999 mit dem Kundensportwagen Ferrari 333SP blieben eine Randnotiz. Der erste Versuch eines 333SP endete 1995 schon nach sieben Runden, obwohl die Veranstalter das Fahrzeug mit der Startnummer 1 ins Rennen schickten. In den folgenden Jahren versuchten immer wieder Kunden mit dem Ferrari 333SP in Le Mans ihr Glück. Am besten löste die Mannschaft von Giampiero Moretti die Herausforderung. 1997 fuhr „Momo“ mit der Unterstützung der Profis Didier Theys und Massimiliano Papis auf den siebten Platz im Gesamtklassment.

Ferrari 458 Italia GT2
Der Ferrari 458 Italia GT2 von Kamui Kobayashi, Olivier Beretta und Toni Vilander beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2013 (Foto: Tom Schwede)

In den folgenden Jahren nahmen nur noch GT-Fahrzeuge von Ferrari am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Doch nach der Ankündigung von Luca Cordero di Montezemolo besteht Hoffnung, dass die Scuderia Ferrari schon 2016 mit einem Prototypen nach Le Mans zurückkehren könnte. Der neue Sportwagen würde zweifelsfrei in große Fußstapfen treten. Denn Ferrari hat in Le Mans zahlreiche starke Duftmarken hinterlassen.


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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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