Eigentlich heißt es ja, zwei Kranke in einem Bett ergeben keinen Gesunden. Wenn man in diesen Tagen die Wirtschaftspresse verfolgt, kann man (fast) einen anderen Eindruck bekommen. Denn Fiat lies jüngst verlauten, dass man Ende 2011 die Ziele des abgelaufenen Geschäftsjahrs deutlich übertroffen haben. Mit Umsatzerlösen in Höhe von 59,6 Milliarden Euro erzielte man einen Überschuss von freundlichen 2,4 Milliarden Euro. Zu dem Ergebnis trug auch die Konzernmarke Chrysler bei, die erstmals seit einigen Jahren wieder einen Unternehmensgewinn erzielen konnte.

Und so fragt man sich, ob Fiat jetzt gelingt, was Daimler nicht gelungen ist. Denn bevor die Italiener 2009 bei Chrysler einstiegen, gehörte das US-Unternehmen neun Jahre zur Daimler AG. Die Deutschen hatten sich bereits ab 1995 intensiv um eine Kooperation mit Chrysler bemüht. Im September 1998 schlossen
sich Daimler-Benz und Chrysler schließlich zur DaimlerChrysler AG zusammen. Doch die zunächst als „Fusion unter Gleichen“ (merger of equals) getarnte Übernahme ging gründlich in die Hose.

Trotz Unterstützung aus Stuttgart schrieb die Marke Chrysler jahrelang rote Zahlen. Daimler unternahm kräftige Anstrengungen, um die Firma zu sanieren. Doch letztlich ohne großen Erfolg. Obwohl Chrysler Mitte 2005 als saniert galt, kostete der US-Ableger den Weltkonzern schon im Geschäftsjahr 2006 wieder mindestens 1,1 Milliarden Euro. Als sich 2007 keine Besserung abzeichnete, beendeten die Deutschen das Abenteuer. Für 5,5 Milliarden Euro verkauften Sie Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus Capital Management.

Schlechter Zeitpunkt für einen Neustart

Die Verbraucher in den USA leiden ab 2007 kräftig unter der Finanzkrise. Und wer die Raten für sein Haus nicht bezahlen kann, der hat erst recht kein Geld für einen mehr als 300 PS starken Geländewagen wie den Dodge RAM. Der ohnehin schwache Umsatz von Chrysler bricht 2008 um 30% gegenüber dem Vorjahr ein, so stark wie bei keinem anderen Automobilhersteller in den Vereinigten Staaten. Chrysler erweist sich als nicht wettbewerbsfähig.

Zudem belasten das Unternehmen vergleichsweise teure Haus-Tarifverträge und großzügige Pensionszusagen für die Belegschaft. Im Frühjahr 2009 belasten zudem inzwischen fast sieben Milliarden US-Dollar Schulden das Unternehmen. Die US-Regierung unter Führung von Barack Obama macht Kreditgarantien davon abhängig, dass das Unternehmen seine Lohnkosten auf das Niveau der anderen in den USA fertigenden Hersteller senken kann und eine Umschuldung auf die Beine stellen kann.

Als dies nicht gelingt, sucht man Schutz des Insolvenzrechts. Unter dem Schutz des „Chapter 11“ kann das Unternehmen seine Schulden reduzieren, geht dafür jedoch im Gegenzug in das Eigentum der Gläubiger über, deren Forderungen gestrichen wurden. Dadurch wird der Pensionsfonds der Chrysler-Mitarbeiter zum größten Anteilseigner. Weitere Anteile übernehmen die USA und Kanada.

Doch es droht weiter das Aus, Fiat gibt den Retter

Denn ohne Partner kann Chrysler nicht weiter überleben. Schon im Januar 2009 hatten Chrysler und Fiat die Absichtserklärung unterzeichnetet, eine Allianz eingehen zu wollen. Mit der Insolvenz schlägt nun die Stunde der Italiener. Denn im Gegenzug für einen Technologietransfer erwirbt Fiat einen Aktienanteil von 20% und übernimmt die operative Führung des Unternehmens. Seit Juli 2011 ist der italienische Konzern mit einem 58,5% großen Anteil Mehrheitsaktionär, da man inzwischen auch die Anteile Kanada und den USA übernommen hat.

Durch diese „Übernahme“ kann Fiat die Ergebnisse von Chrysler inzwischen in einer Gesamtbilanz mit den eigenen Ergebnissen zusammenführen, was sich gar nicht schlecht macht. Denn im „gemeinsamen“ Geschäftsjahr 2011 hat man insgesamt vier Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Besonders im zweiten Halbjahr 2011, als der Fiat-Absatz in Europa an Dynamik verlor, konnte Chrysler überdurchschnittlich von den boomenden Autoverkäufen in den USA profitieren.

Kein Wunder, dass sich die Italiener inzwischen gern mit der neuen Konzerntochter zeigen und diese sogar mit Ferrari, ihrem Nr. 1 Imageträger in Verbindung bringen. Denn die beiden Formel 1 Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa „durften“ jetzt die ersten neuen Jeep Grand Cherokee SRT8 auf europäischem Boden in Empfang nehmen. Im Vorgriff auf die im Mai anstehende europäische Markt-Einführung des stärksten Jeeps aller Zeiten übergab die Chrysler-Marke Jeep jetzt zwei Spezialanfertigungen in der exklusiven Lackierung „Rosso Corsa“, mit rotem Leder-Interieur und anderen Ferrari-Elementen an die Scuderia Ferrari.

Und die Zukunft?

In seiner Geschichte hat das Unternehmen bereits mehrfach nur knapp eine Pleite abwenden können. Auch Daimler glaubte mehrfach daran, das Unternehmen erfolgreich einem Turnaround geschafft zu haben. Bisher traten bei Chrysler immer wieder neue Probleme hervor. Bis heute betreibt das Unternehmen stattliche 23 Werke. Die Produkte haben meist schon einige Jahre auf dem Buckel und werden hauptsächlich noch von typisch amerikanischen Motoren angetrieben. Im Chrysler-Programm dominieren die durstigen V6 und V8 Motoren.

Der Trend zum „Downsizing“ liegt definitiv noch vor dem Unternehmen. Immerhin können die „Kleinwagenkönige“ von Fiat in diesem Bereich einiges an Know-how in die „Partnerschaft“ einbringen. Trotzdem darf man gespannt sein, ob Chrysler den positiven Trend der jüngsten Vergangenheit fortsetzen kann. Dadurch, dass das Unternehmen mit der Insolvenz 2009 einen großen Teil seiner Pensionsverpflichtungen eliminieren konnte, stehen die Chancen sicherlich besser als in der Vergangenheit. Es Fiat wirklich zu wünschen, dass der Deal gelingt. Doch es bleibt Chrysler!

1 Kommentar

  1. So sehe ich das auch! Chrysler wurde schon so oft saniert und ist dann doch immer wieder in die Scheisse gerannt. Aber so richtig mit Schwung! Und dazu wurde der Laden immer schön von den Gewerkschaften an der Hecke langgezogen. Das ist fast wie bei Alfa. Insofern passt die Ehe ja!!!

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