Auch wenn es heute in Deutschland fast überall schneit, es gibt Hoffnung. Irgendwann wird auch dieser Winter vermutlich zu Ende gehen. Doch bis zur Schneeschmelze bleibt noch etwas Zeit, die man zum Beispiel nutzen kann, um sich einmal den vielleicht besten Motorsport-Film der Filmgeschichte anzusehen: Grand Prix von John Frankenheimer.

Denn packende Rennszenen, mit speziellen Kamerarennwagen während der Formel 1 Saison 1966 aus dem Cockpit heraus gefilmt, machen diesen Film bis heute einzigartig. Mit beeindruckenden Bildern und einer unglaublichen Akustik entstand ein Gesamtkunstwerk, das den rasenden Zigarren der 1960er-Jahre ein filmisches Denkmal setzt.

Denn der Anblick der fragilen Fahrzeuge, mit viel Benzin an Bord, ohne Spoiler und ohne elektronische Fahrhilfen, ohne Knautschzonen und Sicherheitsgurte, führt den Betrachter zurück in das Mittelalter des Motorsports, als noch Motoren aus Feuerwehrspritzen Grand-Prix-Sieger befeuerten.

Die wichtigsten Punkte der Handlung sind schnell erzählt:

Frankenheimer begleitet vier Rennfahrer durch die fiktive Formel-1-Saison. Jean-Pierre Sarti, gespielt vom großen Yves Montand steht als mehrmaliger Weltmeister kurz vor dem Ende seiner Karriere. Scott Stoddard (Brian Bedford) möchte mit seinem erfolgreichen großen Bruder gleichziehen und sich endlich ebenfalls als Formel-1-Weltmeister feiern lassen.Und der von James Garner gespielte Pete Aron möchte – nach einer Durststrecke – einfach zurück an die Spitze. Vervollständigt wird das rasende Kleeblatt vom talentierten Neueinsteiger Nino Barlini (Antonio Sabato).

Formel-1-Fan Frankenheimer, der auch für das Drehbuch des 1967 mit drei Oscars ausgezeichneten Films wesentlich mit verantwortlich war, orientierte sich bei der Anlage der Figuren an echten Personen, um Bilder der echten Rennen mit nachgedrehten Szenen kombinieren zu können. Filmheld Jean-Pierre Sarti fährt, wie der reale John Surtees, mit einem weißblauen Helm. Barlinis Helm entspricht dem von Lorenzo Bandini, Stoddards dem vom Jackie Stewart und Pete Aron fährt den gleichen Kopfschutz wie Chris Amon.

Feinfühlig erzählt der Film, wie die Protagonisten um Siege und Erfolge kämpfen. Wie die Piloten dem WM-Titel entgegenstreben. Doch trotz der im Vergleich zu anderen Motorsport-Filmen umfangreichen Rahmenhandlung steht der Sport konsequent im Mittelpunkt des Films. Alle Handlungen und Dialoge sind nur Staffage für die zahlreichen Renn-Szenen, liefern allenfalls noch Erklärungsversuche, warum sich ein Pilot auf der Strecke in einer bestimmten Art und Weise verhält.

John Frankenheimer, bei Drehbeginn gerade 36 Jahre alt, lebte mit dem Projekt „Grand Prix“ seine Vorliebe für schnelle Autos aus. Gleichzeitig widerstand der Regisseur der Versuchung, die Rennszenen durch Tricks zu überhöhen. Ich glaube sogar, dass es gerade dieser Realismus ist, den Frankenheimer übrigens auch in den Meisterwerken „Ronin“ und „Der Zug“ pflegte, der Grand Prix so großartig macht.

Schreib einen Kommentar