Seit dem Unfall im Frühjahr, als ein Zuschauer seine Liebe zum Motorsport mit dem Leben bezahlte, ist auch der Umbau der Nordschleife ein Thema. Es gibt Stimmen, die nur mit dieser Maßnahme einen sicheren Rennbetrieb für möglich halten. Ich bin anderer Meinung.

Nach dem Unfall bei einem Lauf der VLN setzte hektischer Aktionismus ein. Mit einem Tempolimit auf der Strecke reagierten die Verantwortlichen sofort. Dazu setzen sie Arbeitsgruppen ein, die die Ursachen erforschen und damit langfristige Lösungen erarbeiten sollen. Inzwischen sickerte auch ein möglicher Unfallhergang durch.

Danach war Nissan beim VLN-Rennen mit sehr wenig Federweg unterwegs. Auf dem Weg zum Flugplatz setzte der Nissan GT-R daher auf einer Bodenwelle auf. Das Aufsetzen verhindert, dass die Stoßdämpfern und Federn die auf das Fahrzeug einwirkende Energie aufnehmen. Stattdessen stauchten sich die Vorderreifen mehr als üblich zusammen.

Beim Ausfedern – als das Auto auf dem Weg zur Kuppe immer „leichter“ wurde – kam es dann zur Katastrophe. Die Reifen „federten“ katapultartig aus, das hob die Fahrzeugfront. Gleichzeitig gab der Pilot wohl weiter Vollgas. Unterluft strömte unter das Fahrzeug, das schließlich kurz vor der Kuppe vollständig abhob. Ein Phänomen, das auf der Nordschleife nicht das erste Mal auftrat.

1980 hebt Manfred Winkelhock ab

1980 hob Manfred Winkelhock bei einem Formel-2-Rennen auf der Nordschleife ebenfalls bei der Anfahrt zum Flugplatz spektakulär ab. Wegen eines defekten Frontflügels strömte zu viel Luft unter seinen March. Damals sah in dem Unfall übrigens niemand einen Grund, die Strecke umzubauen oder ein Tempolimit zu verhängen.

Stattdessen arbeiten die Verantwortlichen daran, für die Formel-Fahrzeuge einen Neubau als Alternative bereitzustellen. 1983 traten sowohl die Formel 2 als auch die Sportwagen-Weltmeisterschaft der Gruppe-C-Boliden letztmals auf der Nordschleife an. Ab 1984 fuhren sie auf der damals neugebauten Grand-Prix-Strecke.

Auf das Wettrüsten folgt das Abrüsten

Die Nordschleife wurde zur Spielwiese der Tourenwagen und Touristenfahrer. Seitdem erleben wir alle paar Jahre das gleiche „Spiel“. Der Wettbewerb der Hersteller lässt die Zeiten purzeln. Soweit, bis die Autos zu schnell für die Strecke werden. Typisch dafür die Entwicklung der Deutschen-Tourenwagen-Meisterschaft, die von 1988 bis 1993 auf der Nordschleife antrat.

Zu Beginn war die DTM mit den Tourenwagen der Gruppe A unterwegs. Sie erreichten auf der Nordschleife eine Durchschnittsgeschwindigkeit von circa 155 Kilometern pro Stunde. Die Boliden der Klasse 1, die wie die heutigen DTM-Fahrzeuge mehr Prototypen als Tourenwagen waren, erreichten dann schon Durchschnittsgeschwindigkeiten von 170 Kilometern pro Stunde. Erst 1999 lies der DMSB mit dem damaligen GT2-Fahrzeugen wieder ähnlich schnelle Fahrzeuge auf der Strecke zu.

Gleichzeitig entstand ein Wettkampf zwischen den GT2 und den „Nürburgring-Specials“. 2005 fegte Uwe Alzen im legendären „Turbinchen“ mit Durchschnittsgeschwindigkeiten jenseits der 180 Kilometer pro Stunde um den Ring. Als der stark modifizierte Porsche 996 Turbo 2003 erstmals am Ring auftauchte, da war der Ladedruck noch freigestellt. 2004 durften es nur noch 1,1 bar sein. Ein Jahr später musste Alzen den Ladedruck auf 0,95 bar reduzieren. Das Beispiel zeigt, das Auto musste sich der Strecke anpassen.

2009: Die GT3 feiern ihr Debüt

Auch mit der Zulassung der FIA-GT3-Rennwagen für die 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring wollten die Verantwortlichen das Wettrüsten beenden. Der Fahrzeugwechsel passt zunächst nahtlos in die Reihe der Versuche, die Fahrzeuge langsamer zu machen. Trotzdem gibt es einen Unterschied. Der GT3-Sport ist inzwischen ein Sport der Werke. Entsprechend geht es in der Klasse zu.

Schließlich lassen sich GT3-Rennwagen in zahlreichen Serien weltweit einsetzen. Das ist für die Hersteller lukrativ. Besonders Porsche hat es vorgemacht, wie sich damit Geld verdienen lässt. Auch Audi, Mercedes, BMW und die anderen GT3-Hersteller erzielen mit dem Verkauf der GT3-Rennwagen teilweise ordentliche Umsätze, die zur Refinanzierung der Sportabteilungen beitragen.

Bitte nicht vergessen, dass keine der anderen Strecken mit dem Nürburgring vergleichbar ist. Selbst Spa ist heute im Vergleich zur Nordschleife topfeben. Schließlich tritt dort immer noch die Formel 1 an. Audi und BMW haben sich laut auto-motor-und-sport.de bisher gegen Fahrzeugänderungen ausgesprochen. Sie sprechen offen davon, dass ein spezielles Nordschleifen-Aero-Paket die Teams Geld kosten würde.

Frei übersetzt heißt das für mich, dass sie dafür keinen ausreichend großen Markt sehen. Und daher soll sich die Strecke anpassen. Sicherlich spielen dabei auch die Modellwechsel eine Rolle. Denn bei Audi löst gerade ein GT3-Rennwagen auf Basis des neuen R8 – den ich nächste Woche fahren werde – seinen Vorgänger ab. BMW will im kommenden Jahr mit dem 6er-Coupe den bisherigen BMW Z4 GT3 ersetzen. Zusätzliche Preisdiskussionen können beide vermutlich gerade nicht gebrauchen.

Daher schlagen Sie neue Schikanen auf der Döttinger Höhe sowie im Bereich Hatzenbach vor. Das ist in der langen Geschichte des Rings nicht ohne Beispiel. 1967 entstand die Hohenrain-Schikane aus ähnlichen Überlegungen. Damals hatten die Verantwortlichen Angst vor einem Unfall an Start- und Ziel. Und so reduziert seitdem vorher eine Schikane die Geschwindigkeiten.

Kein Umbau der Nordschleife bitte!

Ich glaube, dass ein Umbau der Nordschleife nicht die richtige Lösung ist! Denn für mich definiert die bestehende Strecke „nur“ die Aufgabe. Sie zu verändern, ist nicht die Lösung. Denn sonst bauen wir alle paar Jahre die Strecke um. Und damit rauben wir der Nordschleife langsam aber sicher ihre Einzigartigkeit. Irgendwann sind dann alle Randstreifen asphaltiert und zahlreiche Schikanen unterbrechen den Fluss der Strecke.

Besser wäre ein Bann der GT3 von der Nordschleife. Dennsie haben mit ihrer ausgetüftelten Aerodynamik die natürliche Grenze der Nordschleife hinter sich gelassen. Mit der GT4-Klasse steht längst eine Alternative in den Startlöchern – bis auch diese Fahrzeugklasse in ein paar Jahren der Nordschleife entwächst. Ich halte das für den natürlichen Lauf der Dinge. In diesem Sinne, Finger weg von der Nordschleife.

4 Kommentare

  1. Ja, früher war alles besser! Und die Piloten sind regelmäßig gestorben. Du merkst den Wiederspruch hoffentlich selbst. Die Strecke ist gemeingefährlich und ein umbau längst überfällig, sonst musste da ein Museum drausmachen. Das will auch keiner. Also erstmal nachdenken und dann schreiben. Nur mit eine umbau geht das weiter.

    • Aber sonst gehts gut? In Autobahnen werden doch auch keine Schikanen eingebaut um sie sicherer zu machen.

  2. Thomas Waebs Reply

    Vielen Dank für diese objektive Top-Argumentation !
    Das ist unglaublich hilfreich für uns mit unseren Initiativen
    „Wir sind Nürburgring“, „Save the Ring“, und unserem Verein
    um Otto Flimm – „Ja zum Nürburgring“, die den Kampf um einen
    Nürburgring ohne Filz, Klüngel, und völliger Inkompetenz
    noch nicht aufgegeben haben !

  3. Mario Eisenbach Reply

    Hallo,

    super Beitrag! 😀

    Und für die wo es immer noch nicht kapieren,

    Unfälle und Tote wird es immer geben, auch auf einer kastrierten NS.

    Lasst die Strecke so wie sie ist!

    Passt die Fahrzeuge eventuell an, Flügelchen hier, Gewicht da..

    Tempolimit auf ner RENNstrecke, gehts noch???

    Wer sich dem Risiko nicht bewusst ist, darf weder Rennsport machen, noch sie an gefährlichen Stellen aufsuchen!

    Traurig das sowas geschehen ist, aber das wirds immer wieder geben, egal wie „sicher“ die Strecke gemacht wird…

    My 50 Cents

    PRO NORDSCHLEIFE, Save The Ring!!!

    Cheers,

    M.

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