Die Vorstellung eines neuen Ford GT für echte Auto-Natives immer ein ganz besonders Ereignis. Denn alle Ford GT müssen sich unweigerlich am Klassiker Ford GT40 messen lassen. Und während die zweite von 2004 bis 2006 gebaute Generation des Ford GT auf der Retrowelle ritt, soll der neue Ford GT diesmal auch wieder in Le Mans antreten. Und obwohl Ford mit einem GT diesmal nicht um den Gesamtsieg wird kämpfen können, klingt es großartig, dass die Amerikaner nach Le Mans zurückkehren. Denn der erste GT von Ford entstand eigentlich nur für das 24-Stunden-Rennen im Herzen Frankreichs.

In den 1960er-Jahren plante Henry Ford II mit seinem Unternehmen in den internationalen Motorsport zurückkehren. Besonders die 24 Stunden von Le Mans hatten es dem Enkel des Firmengründers angetan. Um möglichst schnell Erfolge zu feiern, wollte Ford zum Comeback ursprünglich Ferrari kaufen. Enzo Ferrari sah sich zeitweise schon als Rennleiter eines Weltkonzerns. Doch spätestens bei der Frage des Teamnamens kam es zum Bruch. Für den Commendatore war klar, dass sein Name vorne stehen müsste. Doch die Bezeichnung Ferrari-Ford war für Henry Ford nicht tragbar. Als Enzo Ferrari im Mai 1963 über diesen Streit erklärte, dass seine Firma nicht mehr zum Verkauf stünde, strebte der Amerikaner nach Rache.

Mit einem ehrgeizigen Sportprogramm wollte Henry Ford in Le Mans Ferrari schlagen. Die 24 Stunden von Le Mans waren zu dieser Zeit fest in den Händen von Ferrari. Nach Erfolgen 1949, 1954 und 1958 war Ferrari seit 1960 beim wichtigsten Langstreckenrennen der Welt ungeschlagen. Daran änderte auch der 1964 vorgestellte Ford GT40 zunächst nichts. Bei der Entwicklung sicherte sich Ford der Schützenhilfe von Eric Broadley. Der Lola-Gründer hatte bereits mit dem Lola Mk6 GT einen Mittelmotorsportwagen auf die Räder gestellt. Dieser Prototyp wurde zusammen mit Ford weiterentwickelt. Auf Seite von Ford übernahm Harley Copp die Projektleitung.

Am Ende der Entwicklung stand der Ford GT40. Die Zahl 40 steht dabei für die Höhe des Sportwagens in Zoll (rd. 102 cm). Zunächst konnte der GT40 Ferrari in Le Mans noch nicht das Wasser reichen. 1964 und 1965 behielt Ferrari die Oberhand. Doch 1966 beendete Ford die Siegesserie der Italiener. Bruce McLaren und Chris Amon fuhren endlich mit dem GT40 in Le Mans zum Erfolg. Bis 1969 siegte der Ford GT40 in Le Mans. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ford die Produktion des GT40 bereits eingestellt. Insgesamt 134 Fahrzeugen waren von 1964 bis 1968 entstanden.

Im Vergleich dazu ist der 2004er-Ford GT schon ein echtes Volumenmodell. Denn von der zweiten Generation des Sportwagens, der jetzt nur noch Ford GT hieß, bauten die Amerikaner in zwei Jahren immerhin 4.038 Stück. Wovon offiziell nur 101 Exemplare für den europäischen Markt bestimmt waren. Vorausgegangen waren mehrere Studien, die Ford seit 1995 auf Automessen ausstellte. Und auch diesmal ist es ähnlich. Denn der zurzeit in Detroit gezeigte neue Ford GT ist eine Studie. Erst im kommenden Jahr liefert Ford die ersten Fahrzeuge an die Kunden aus – passend zum 50. Jubiläum des ersten Ford-Siegs in Le Mans.

Bei dem neuen Ford GT handelt es sich – wie bei seinen Vorgängern – um einen rassigen Mittelmotorsportwagen. Die Karosserie besteht aus Kohlefaser und Aluminium. Im Motorraum kommt ein 3,5-Liter V6 mit Doppel-Turbolader zum Einsatz. Motorsportfreunde kennen das Aggregat aus der United SportsCar Championship (USCC). Dort ist das Triebwerk seit 2014 in den Daytona-Prototypen im Einsatz. Im neuen GT40 bringt der 600 PS starke Motor seine Kraft über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und die Hinterräder auf die Straße.

Anders als beim Honda NSX verzichtet Ford beim GT bisher auf zusätzliche Elektromotoren. Stattdessen bringen die Amerikaner mit dem neuen Ford GT zahlreiche Rennsport-Features auf die Strasse. So sind die beiden Sitzschalen direkt in das Kohlefaser-Monocoque des Sportwagens integriert. Um trotzdem das Cockpit an unterschiedlich große Fahrer anpassen zu können, sind wie im Rennwagen das Lenkrad und die Pedalerie einstellbar. Und auch die Aerodynamik des Serienmodells wurde bereits in Hinblick auf eine Homologation der GT-Klasse in Le Mans entwickelt. Dort soll der neue Ford GT ab 2016 gegen Ferrari und Porsche antreten. Fast könnte man meinen, Geschichte wiederholt sich.

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