Ford stellte am letzten Wochenende beim Goodwood Festival of Speed einen weiterentwickelten Ford GT Mk II vor. Bei dieser Version des Sportwagens gab es keine Rücksicht auf Motorsport-Reglements und Zulassungsvorgaben. Denn das Ziel war, das volle Leistungspotenzial des Ford GT auszuschöpfen.

Sportler wissen, es geht nicht ohne Regeln. Denn Regeln garantieren einen fairen Wettbewerb. Im Motorsport sorgen sie auch für Sicherheit beim gefährlichen Treiben. Zudem versuchen die Regelhüter vielerorts, über spezielle Regeln die Spannung der Zuschauer zu maximieren. „Balance of Performance“ (BoP) heißt der Versuch, die Leistung unterschiedlicher Fahrzeuge anzugleichen – oft ein schwieriges Unterfangen.

Besonders bei den GT3-Fahrzeugen begleiten die Diskussionen über die BoP inzwischen fast jedes Rennen. Es ist schwer nachvollziehbar, wenn der Bessere seine Motorleistung reduzieren muß, weil Wettbewerber mit der Aerodynamik einer Kathedrale antreten. Wenn dann noch das Endergebnis – wie kürzlich am Ring – erst nach zwei Wochen feststeht, dann wird es noch schwieriger.

Frei von allen Regeln!

Die Frage, wer tatsächlich am Schnellsten fahren kann, bleibt dabei auf der Strecke. Gewinner ist der, der sich am Besten mit den Regeln arrangiert. Doch es tut sich etwas! Porsche befreite den Porsche 919 hybrid nach dem Abschied aus der Sportwagen-Weltmeisterschaft von den Bremsen des Reglements. Anschließend zeigte der Langstrecken-Prototyp in Spa-Franchorchamps und auf der Nürburgring-Nordschleife beeindruckende Leistungen.

Volkswagen ging mit seinem VW ID.R einen ähnlichen Weg. Der Elektro-Prototyp trat zunächst beim ohnehin freizügigen Bergrennen am Pikes Peak an. Anschließend fuhr der ID.R ebenfalls ohne Konkurrenz auf der Nordschleife und trat in Goodwood an. Ferrari bietet schon länger Hypercars wie den Ferrari FXX-K Evo an, die sich nur auf Rennstrecken bewegen lassen. Porsche begeisterte kürzlich mit einer „Neuauflage“ des legendären Porsche 935 Moby Dick.

Ford befreit den Ford GT Mk II

Offensichtlich entdeckte die Industrie, welchen Charme es hat, das technisch Machbare zu demonstrieren. Zumal, wie Porsche und Ferrari zeigen, mit solchen Sammlerstücken und Fahrmaschinen lässt sich gutes Geld verdienen. Das motivierte jetzt auch Ford. Denn der US-Autobauer folgt jetzt den Trend zum „befreiten“ Rennwagen. In Zusammenarbeit mit Multimatic Motorsport stellte Ford am Wochenende in Goodwood ein besonders heißen Ford GT Mk II vor.

Innenraum des Ford GT Mk II von Multimatic Motorsport
Innenraum des Ford GT Mk II von Multimatic Motorsport (Foto: Ford)

Denn dieser Ford GT Mk II nimmt auf Reglements und Zulassungsvorgaben keine Rücksicht. Das fängt beim Motor an. Weshalb der 3,5 Liter große V6-Motor jetzt 700 PS leistet. Damit lässt der Biturbo des Sportwagens die Rennversion um gut 200 PS hinter sich. Die „normale“ Serienversion übertrumpft die Extremsport-Variante ebenfalls deutlich. Der Kraft des Motors stellt sich eine überarbeitete Carbon-Keramik-Bremsanlage entgegen.

Das klingt nach einer guten Entscheidung, da die ultimative Ausbaustufe des Sportlers auch bei der Aerodynamik die Rennversion deutlich übertrifft. Im Innenraum verzichten die Entwickler auf alles, war in der Serie für Komfort sorgt. Der Pilot sitzt in einem maßgeschneiderten Rennsitz von Sparco mit 6-Punkt-Renngurt. Optional liefert Ford auch einen Beifahrersitz.

45 Exemplare entstehen

„Der GT Mk II setzt das volle Leistungspotenzial des Ford GT frei, ohne dass die Rennbehörden künstliche Leistungseinschränkungen vorschreiben“, sagte Hau Thai-Tang, Ford Chief Product Development and Purchasing Officer zum überarbeiteten Spaßgerät. Den Bau der Sonderserie übernimmt Multimatic Motorsport im kanadischen Markham. Nach dem Rohbau im Ford GT-Hauptwerk übernimmt der Rennwagen-Bauer die Fahrzeuge.

Heckflügel des Ford GT Mk II von Multimatic Motorsport
Heckflügel des Ford GT Mk II von Multimatic Motorsport (Foto: Ford)

In der Werkstatt von Multimatic bekommen die Fahrzeuge der Sonderserie ihr spezielles Fahrwerk mit 5-fach verstellbaren DSSV-Stoßdämpfern. Zudem überarbeitet Multimatic den Motor und montiert die geänderten Aerodynamik-Teile. Larry Holt, Chief Technical Officer bei Multimatic sagt dazu: „Der Mk II zeigt nun, wie sich das Auto ohne jegliche Einschränkungen verhalten würde – seine Fahreigenschaften sind entsprechend spektakulär und faszinierend.“

Wer einen der Extremsportler sein Eigen nennen will, benötigt eine dicke Brieftasche. Denn der Preis des Supersportwagens liegt bei 1,2 Millionen US-Dollar. Damit kostet der befreite Ford GT gut das Doppelte der „zahmen“ Serienversion.

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