Ford feiert in diesen Tagen ein rundes Produktionsjubiläum seines Sportwagens Mustang. 10.000.000 Ford Mustang entstanden seit 1964. Typisch Mustang ist die Kombination aus langer Motorhaube und kurzem Heck. Wir blicken zurück, wie Ford dieses Design entwickelte.

Es gibt nicht viele Autos, die den Namen ihrer Fahrzeugklasse prägten. Der Golf von Volkswagen ist seit Jahrzehnten Marktführer in der Kompaktklasse. Deshalb sind seine Wettbewerber automatisch Mitglieder der Golf-Klasse. Auch der Mustang prägte seine Fahrzeugklasse. Wegen seines Namens und des galoppierenden Pferds im Kühlergrill heißt die Gattung vergleichbarer Fahrzeuge heute „Pony-Cars“.

Wobei die Frage, wie Ford auf den Namen Mustang kam, heute übrigens durchaus umstritten ist. In Presseunterlagen bezieht sich der US-Autobauer heute meist auf ein Kampfflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. John Najjar, der die Prototypen des Sportwagens zusammen mit seinem Kollegen Philip T. Clark in Form brachte, war Fan der P-51 Mustang des Flugzeugbauers North American. Die P-51 gilt bis heute als eines der besten Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkriegs.

In der alternativen Geschichtsschreibung gilt Ford Marketing Manager Robert J. Eggert als Namensgeber. Eggert züchtete in seiner Freizeit Pferde und setzte daher den Namen Mustang auf die Vorschlagsliste. Gut möglich, dass diese Darstellung entstand, um mit dem Bezug auf die wild lebenden Pferde Nordamerikas den Namen Mustang vom martialischen Klang eines Kriegsgeräts zu lösen. Was auch immer stimmt, der Ford Mustang war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte.

Der Mustang war von Anfang an ein Erfolg!

Denn als Ford im April 1964 den Verkauf startete, rannten die Kunden den Händlern die Bude ein. Schon am ersten Tag verkaufte Ford gut 22.000 Exemplare. Im ersten Modelljahr fanden 680.000 Mustang einen Kunden. Das waren deutlich mehr Fahrzeuge, als die Produktionsplaner beim Start annahmen. Denn sie gingen selbst bei einer optimistischen Planung „nur“ von 240.000 Exemplaren im ersten Jahr aus.

Dieser Erfolg war auch das Ergebnis eines geschickten Marketings. Denn Ford machte seine Kunden über Jahre auf den neuen Sportwagen heiß. Früh publizierte Ford Zeichnungen von Studien mit den Namen Avventura und Avanti, um das Interesse des Publikums zu testen. 1961 folgte die Studie Allegro Concept. Sie nahm viel von dem vorweg, was später den Mustang auszeichnen sollte. Denn die lange Motorhaube und das kurze Heck der Studie gingen als „long hood, short deck“ des Ford Mustang in die Autogeschichte ein.

Dazu verabschiedeten sich die Designer sich auf dem Weg von der Skizze Avventura zur Studie Allegro Concept von der Sitzanordnung der Skizze. Sie erkannten, dass die Insassen im Auto nicht Rücken an Rücken sitzen wollen. Diese Dos-à-dos („Rücken an Rücken“) genannte Anordnung der Sitze stammt aus dem Zeitalter der Kutschen und war in den Anfangstagen des Automobils durchaus verbreitet. 1957 rückte der Zündapp Janus diese Sitz-Anordnung wieder ins Bewusstsein der Designer. Doch das Rollermobil aus Nürnberg war ein Flop.

Die Studie Mustang I war ein zweisitziger Mittelmotor-Sportwagen

Und so kam der Mustang 1964 mit einer konventionellen Anordnung der Sitze auf den Markt. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg. Gut zwei Jahre vor dem Serienstart war der Mustang noch ein zweisitziger Mittelmotor-Sportwagen. Doch von diesem Entwurf blieb nur der Name. Es ist auch nicht davon auszugehen, dass Ford jemals plante, von dieser Studie ein Serienmodell abzuleiten. Wenn überhaupt, dann flossen Erkenntnisse der Studie Mustang I in das Projekt des GT40 MK I ein. Wobei bei diesem Rennwagen wohl mehr der Lola Mk6 Pate stand.

Ernst wurde es im Spätsommer 1963, als Ford die Studie Mustang II präsentierte. Diese Studie ist schon ziemlich dicht am späteren Serienmodell. Entsprechend begeistert fielen die Reaktionen aus, als Ford den Sportwagen beim Grand-Prix der USA in Watkins Glen im Oktober einer breiten Öffentlichkeit vorstellte. Spätestens jetzt war die Lunte gelegt. Als dann ein halbes Jahr später der Mustang endlich zu kaufen war, gab es kein Halten mehr.

Jetzt war klar, dass der Mustang ein „Gamechanger“ war, der die Auto-Welt veränderte. Filmeinsätze machten den Mustang zusätzlich populär. Die Konkurrenz kopierte das Prinzip des Sportwagens schnell. Womit die Klasse der „Pony-Cars“ entstand. Doch während die Wettbewerber Chevrolet Camaro und Dodge Challenger erst Ende des letzten Jahrzehnts auf den Markt zurückkehrten, bliebt Ford dem Mustang immer treu. Nach 54 Jahren und sechs Mustang-Generationen feiert Ford daher jetzt 10.000.000 Mustang.

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