In Australien startet morgen der erste Grand Prix der Formel-1-Saison 2015. Wie immer vor dem Start ins neue Rennjahr beschäftigen die Fans zahlreiche Fragen. Wer wird Weltmeister? Wer wird die größte Überraschung? Und wer leistet sich den Flop des Jahres? Meine Tipps zur Formel 1 Saison 2015 gibt es in diesem Blogbeitrag.

Nach der großartigen Performance in der Saison 2014 liegt die Favoritenrolle auch in diesem Jahr eindeutig wieder bei Mercedes. Bei den Testfahrten vor der Saison wirkte das Auto der Stuttgarter bereits überlegen. In Melbourne bestätigte das Team seine Frühform und fuhr mit Leichtigkeit mit beiden Autos in die erste Startreihe: Doppel-Pole. Die Pole-Position sicherte sich überlegen Lewis Hamilton. Der Weltmeister benötigte für eine Runde im Park von Melbourne 1:26,327 Minuten. Eine Zeit, die für Nico Rosberg unerreichbar blieb. Der Vizeweltmeister verlor mit 1:26,921 Minuten fast 0,6 Sekunden auf seinen Teamkollegen.

Tipp: Lewis Hamilton wird Fahrerweltmeister

Das ist eine deutliche „Ohrfeige“ für Rosberg. Ein ein Fingerzeig, dass der Deutsche Lewis Hamilton auch in diesem Jahr nur bei einzelnen Rennen wird schlagen können. Offensichtlich zieht Lewis Hamilton aus dem Gewinn seines zweiten WM-Titels viel Selbstvertrauen. Der Brite wirkt nicht, als ob sein Hunger auf Erfolg schon gesättigt sei. Zwar heißt es aus dem Umfeld von Nico Rosberg, dass der Vizeweltmeister aus der Niederlage der vergangenen Saison seine Lehren gezogen habe. 2015 werde Rosberg mit neuem Elan angreifen. Mich erinnerte das bereits den ganzen Winter an das berühmte Pfeifen im Wald.

Mein WM-Tipp: Lewis Hamilton im Training zum Großen Preis von Australien 2015
Mein WM-Tipp: Lewis Hamilton im Training zum Großen Preis von Australien 2015 (FOTO: STUDIO COLOMBO X / PIRELLI MEDIA)

Nur damit wir uns richtig verstehen. Ich mag Nico Rosberg. Nur wenige Formel-1-Piloten wirken bei ihren Interviews so sympathisch wie der Sohn von Rennsport-Legende Keke Rosberg. Trotzdem geht Lewis Hamilton einfach mit der Gewissheit ins neue Jahr, Rosberg besiegen zu können. Jetzt besättigt das Ergebnis des Trainings dieses Gefühl. Daher glaube ich: Lewis Hamilton verteidigt seinen Titel als Fahrerweltmeister. Vermutlich fährt der Brite sogar eher und einfacher zum Titel als in der vergangenen Saison. Natürlich kann ich mich täuschen, aber mein in fast 40 Jahren Beobachtung der Formel-1 gereiftes Gespür sagt mir aber, dass es (leider) so laufen wird.

Tipp: Mercedes verteidigt seinen Konstrukteurs-Titel

Mercedes ist auch 2015 den Konkurrenten (mehr als nur) eine Nasenspitze voraus. Die Strecke in Melbourne weist einige Besonderheiten auf und die Ergebnisse in Australien sind oft sehr speziell. Trotzdem, Lewis Hamilton war 1,4 Sekunden schneller als Felipe Massa im Williams (1:27,718 Minuten) auf dem dritten Platz. Dieses Ergebnis zeigt, wie überlegen der Mercedes F1 W06 Hybrid auf eine Runde ist. Und die Long-Runs im Training von Melbourne deuten darauf hin, dass Mercedes seinen Vorsprung auch im Rennen über den Winter halten konnte. Auch wenn die Verfolger einen Teil der Lücke offensichtlich schließen konnten, Mercedes hat im Moment das schnellste Auto. Daran wird sich während der Saison nicht dramatisch ändern. Daher wird Mercedes sich vermutlich auch in diesem Jahr den Sieg in der Konstrukteurswertung sichern.

Offensichtlich ist der Mercedes-Motor weiter das Maß der Dinge. Er definiert auch 2015 den Klassenstandard in der Formel 1. Darauf deutet auch die Wiederauferstehung von Lotus hin. Die Briten aus Enstone galten vor zwei Jahren regelmäßig als Kandidat für das Siegertreppchen. Im vergangenen Jahr fiel das Team ins hintere Drittel des Felds zurück. Eine Ursache war der schwachbrünstige Renault-Motor. In diesem Jahr tritt auch Lotus mit Motoren von Mercedes am. Prompt kehrte das Team in Melbourne mit zwei Fahrzeugen ins Top-10-Qualifying zurück. Mit Williams brachte ein weiterer Mercedes-Kunde zwei Autos in den letzten Abschnitt der Qualifikation.

60% der Autos, die – zumindest theoretisch – heute früh um den besten Startplatz kämpften, treibt ein Mercedes Aggregat an. Ein deutlicher Fingerzeig für die Überlegenheit des Mercedes-Antriebs. Gleichzeitig hat das Werksteam im Wettstreit mit seinen Kunden die Nase vorne. Der Mercedes AMG F1 W06 Hybrid ist vermutlich zurzeit der perfekte Rennwagen für das aktuelle Regelwerk. Die britisch-deutsche Truppe hat „ihren“ Motor perfekt in das Konzept des Rennwagens integriert. Wo es bei den Kunden den einen oder anderen Kompromiss gibt, geht das Werksteam den gerade Weg. Aus der Summe der vielen kleinen Vorteile leitet sich am Ende der große Vorsprung des Teams ab. Klingt einfach, ist aber das Ergebnis von ganz viel Arbeit.

Williams ist im Moment die dritte Kraft (FOTO: STUDIO COLOMBO X / PIRELLI MEDIA)
Williams ist im Moment die dritte Kraft (FOTO: STUDIO COLOMBO X / PIRELLI MEDIA)

Hinter Mercedes sieht es nach Spannung aus. Denn in Melbourne sind Williams und Ferrari auf einem Niveau. Spannend auch der Kampf bei Red Bull. Denn die Toro Rosso liegen etwas auf dem gleichen Niveau des Hauptteams. Das ist besonders beeindruckend, weil am Steuer des ehemaligen Minardi-Teams mit Carlos Sainz Jr. und Max Verstappen zwei Newcomer sitzen. Das erste Trainingsduell ging klar an den Spanier. Möglicherweise auch das Ergebnis der größeren Erfahrung. Denn Sainz fährt seit fünf Jahren im Automobilsport. Verstauen kann nach dem Umstieg aus dem Kart „nur“ ein Jahr Erfahrung im Auto nachweisen.

Eng ist auch der Kampf zwischen Lotus, Force India und Sauber. Sie kämpfen wohl an guten Tagen zumindest um Punkte. Spannend bleibt, wann McLaren-Honda die Kurve bekommt. In Melbourne geht die britisch-japanische Allianz mit ihren Rennwagen aus der letzten Reihe ins Rennen. Kevin Magnussen, der in Australien für den verletzten Fernando Alonso im McLaren sitzt, übersprang die 107-Prozent-Hürde gerade einmal um 0,3 Sekunden. Bis zur Spitze fehlen sechs Sekunden. Das sind Welten und ist in der laufenden Saison kaum aufzuholen.

Überraschung oder Flop?

So eng, wie im Moment, lagen in der langen Geschichte der Formel 1 die größte Überraschung und der größte Flop wohl selten zusammen. Denn es ist schon eine Überraschung, welche unseriösen Geschäftsgebaren sich rund um das Sauber Team offenbaren. Bisher galt das Schweizer Team als bodenständig und sympathisch. Doch dieses Bild wackelt. Denn eigentlich hatte Giedo van der Garde für diese Saison einen Vertrag als Sauber-Fahrer. Der niederländische Pay-Driver sollte einen der Sauber C34 steuern.

Viel Wirbel um Sauber (FOTO: STUDIO COLOMBO X / PIRELLI MEDIA)
Viel Wirbel um Sauber (FOTO: STUDIO COLOMBO X / PIRELLI MEDIA)

Im Herbst gab das Team bekannt, die Saison 2015 mit den Piloten Marcus Ericsson und Felipe Nasr zu bestreiten. Wirtschaftliche Zwänge haben diesen Sinneswandel herbeigeführt. Das ist etwas so, als ob der Bäcker ihnen ihre Brötchen wieder aus der Hand reißt, weil ich mehr bezahle. Giedo van der Garde zog vor Gericht und bekam in mehreren Prozessen den Platz im Sauber zugesprochen. Zunächst in der Schweiz und anschließend auch von einem Gericht in Australien. Gestern fertigte Sauber dann – halbherzig – einen Sitz für den Niederländer an. Doch schließlich einigten sich die Parteien darauf, dass sie das Problem nach dem Rennen lösen werden. Giedo van der Garde verzichtet – im Sinne des Rennsports – für das Rennen in Australien auf seinen Platz am Lenkrad des Sauber.

Es erfordert nicht viel Phantasie, bei dieser Posse an den Film „Days of Thunder“ zu denken. Dort gibt es eine Szene, wo zwei Piloten bei den Verantwortlichen der NASCAR antreten müssen. Vermutlich hat es ein ähnliches Gespräch im Fahrerlager von Melbourne gegeben. Es wäre keine Überraschung, wenn Sauber und van der Garde demnächst eine Vertragsaufhebung verkünden – natürlich in beiderseitigem Einvernehmen. Trotzdem hat das Team mit diesem Gebaren viel Kredit verspielt. Im Fahrerlager mehren sich die Stimmen, die einige Fahrerwechsel der Schweizer inzwischen in einem anderen Licht sehen.

Insofern haben wir für mich den Flop des Jahres bereits vor dem ersten Rennen gesehen. Hoffentlich folgen im Laufe der Saison wenigsten noch ein paar positive sportliche Überraschungen. Schön wäre es!

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