In der ansonsten so „perfekten Welt“ der Formel 1 sind Fehler selten geworden. Trotzdem passieren natürlich Fehler. Schließlich ist keiner perfekt, wie das Red Bull Team am vergangenen Wochenende eindrucksvoll demonstrierte. Hier mal meine ganz persönliche Liste der schlechtesten Boxenstopps der letzten 20 Jahre.

Minardi – Esteban Tuero, Argentinien 1998

Minardi galt lange als die Ausbildungsabteilung der Formel 1. 1998 sah das Team im Argentinier Esteban Tuero den kommenden Superstar. Ausgerechnet bei dessen Heimrennen fand das Team beim Boxenstopp zunächst nur drei Reifen. 42 Sekunden verlor der 19 Jährige in den Boxen, bis am Minardi endlich wieder vier Reifen montiert waren. Das war zu viel für das Nervenkostüm des Argentiniers. Kurz nach den Stopp verlor Tuero die Kontrolle über seinen Miniardi und fiel nach einem Dreher aus. Wobei natürlich offen ist, ob das am Boxenstopp lag.

Ferrari – Eddie Irvine, Europa 1999

1999 beim Rennen am Nürburgring herrschten schwierige Wetterbedingungen. Eddie Irvine, auf dem nach dem Beinbruch von Michael Schumacher in Silverstone die Hoffnungen im WM-Kampf lagen, kam etwas früher als geplant an die Box. Sicher kein Fehler des Teams, doch das war so überfordert, dass es in der Hektik nur drei Reifen fand. Es dauerte gute 30 Sekunden, bis der fehlende rechte Hinterreifen im Dunkel der Box gefunden war. Irvine fiel durch diesen Fehler des Teams weit zurück, wurde am Ende nur Neunter und verlor dadurch wertvolle Meisterschaftspunkter. Denn am Jahresende lag der Nordire nur zwei Punkte hinter Weltmeister Mikka Häkkinen. Gut möglich, dass dieser Boxenstopp daran nicht ganz unschuldig war.

Ferrari – Rubens Barrichello, Malysia 2001

Zwei Jahre später überbot sich Ferrari in dieser Hitliste des Versagens. Denn diesmal hatten die Mechaniker gar keine Reifen bereitgelegt, als Rubens Barrichello zum Boxenstopp hereinkam. Vorausgegangen war ein Regenschauer. Das Team entschied, beide Piloten gleichzeitig in die Box zu rufen, legte aber nur für Michael Schumacher Reifen bereit. Barrichello stellte sich also zunächst hinter dem Deutschen an, um dann auch noch zusätzlich auf seine Reifen zu warten. Mehr als eine Minute verbrachte der Brasilianer an der Box und fiel weit zurück. Nur gut, dass die ewige Nummer 2 auch mit Reifen an diesem Tag nicht zum WM-Titel gefahren wäre.

Super Aguri – Anthony Davidson, Canada 2007

Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Wenn die Boxenmannschaft nicht alle Reifen bereitlegt? Oder, wenn sie gar nicht erscheint, wenn der Pilot plötzlich vor der Box parkt? Egal, denn am Ende ist das Ergebnis das Gleiche. Der Pilot verliert jede Menge Zeit. Anthony Davidson zum Beispiel. Der kleine Brite demolierte beim Großen Preis von Canada 2007 sein Auto. Das ist auf der Strecke in Montreal schnell passiert und wurde von den TV-Kameras auch eingefangen.

Genauso, wie die Mechaniker bei Super Aguri. Die saßen nämlich wie üblich an der Box und verfolgten das Rennen im Fernsehen. Gnadenlos fingen die Kameras ihre Reaktionen auf den Unfall ein: Sie blieben einfach sitzen! Als Anthony Davidson plötzlich mit dem defekten Super Aguri vor der Box stand, waren sie offensichtlich sogar überrascht und brauchten etwas Zeit, bis sie sich um das Auto ihres Piloten kümmern konnten.

Ferrari – Felipe Massa, Singapur 2008

Der Große Preis von Singapur 2008 ging als „Unfallgate“ in die Geschichte der Formel 1 ein. Nelson Piquet Junior warf auf Anweisung seines Teamchefs den Renault in die Betonmauern, um eine Saftey-Car-Phase auszulösen. Die nutzte sein Team, um Fernando Alonso an die Spitze des Feldes zu bringen. Bei Ferrari lief es nicht so gut, denn Felipe Massa verlor in diesem Moment die Führung – auch dank kräftiger Mithilfe von Ferrari.

Denn damals durften die Rennwagen der Formel 1 beim Boxenstopp noch Benzin nachfassen. Den Piloten signalisierte eine Ampel, wenn der Service erledigt war. Unglücklicherweise gab das Ferrari-Team an diesem Tag Felipe Massa den Weg frei – bevor der Tankvorgang abgeschlossen war. Also gab der unglückliche Massa, bis zu diesem Zeitpunkt immerhin der Spitzenreiter des Rennens, Gas und zog prompt die Tankanlage hinter dem Ferrari her.

Red Bull Racing – Daniel Ricciardo, Monaco 2016

Am vergangenen Wochenende blamierte sich Red Bull Racing beim Großen Preis von Monaco. Als Daniel Ricciardo während des Rennens zum Boxenstopp einkehrte, fehlten der Boxenmannschaft die Reifen. Aufgeregt verschwanden die Mechaniker im Inneren der Box, um die fehlenden Reifen zu holen. Währenddessen stand der Pilot mit dem aufgebockten Rennwagen draußen vor der Tür.

Endlose Sekunden vergingen, bis Reifen da, diese montiert und Daniel Ricciardo wieder auf die Strecke gehen konnte. Dort musste sich der Australier hinter dem Lewis Hamilton einreihen und fand in den engen Gassen des Fürstentums auch keinen Weg am späteren Renngewinner vorbei. Durch den Fehler des Teams verlor Daniel Ricciardo das Rennen.

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