Irgendwo habe ich gelesen, dass der Saisonauftakt der Formel 1 langweilig war. Reduziert man Spannung auf den Kampf um die Spitze, ist das nicht falsch. Denn nur ein Führungswechsel fand auf der Strecke statt. Sonst wechselte die Spitze, wenn sich der Führende zum Reifenwechsel in die Box verabschiedete.

Selbst als Kimi Räikkönen die Führung auf der Strecke übernahm, spielten die Reifen eine große Rolle. Denn Adrian Sutil konnte das Tempo des heranstürmenden Kimi Räikkönen nicht mehr mitgehen. Der Finne ging kampflos an dem deutschen Wiedereinsteiger vorbei. Trotzdem, ich habe kein langweiliges Rennen gesehen.

Denn wer hätte vor dem Rennen darauf getippt, dass der Schweiger aus Espoo beim Saisonauftakt mit dem Lotus-Renault gewinnen kann? Wer hätte gedacht, dass Adrian Sutil mit dem Force India rundenlang die Führung behaupten kann. Wobei sich ein Trend der Vorjahre bestätigte. Der Force India ist geradeaus unfassbar schnell.

Eindrucksvoll war, als im Mittelteil des Rennens weder Sebastian Vettel noch die beiden Ferrari-Piloten Sutil überholen konnten. Der Deutsche fuhr mit dem Force India seinen Angreifern immer wieder weg. Obwohl die ihre Heckflügel öffnen konnten. Eigentlich ein Vorteil, den der Vordermann nicht wettmachen kann.

So kann die Formel 1 Saison gerne weitergehen!

Auch wenn Melbourne in den vergangenen Jahren kein Gradmesser für die restliche Saison war. Zu kalt und nass ist die Seeluft in der zweitgrößten Stadt des australischen Kontinents. Dazu kommt, dass die Rennstrecke im Albert Park keine permanente Rennstrecke ist. Das sorgt, bei der Abstimmung der Rennwagen, für eigene Regeln. Trotzdem hat das Rennen in meinen Augen vier interessante Erkenntnisse geliefert, die eine spannende Saison ankündigen.

Denn wann war Ferrari zuletzt beim Saisonauftakt so konkurrenzfähig? Auffällig war, wie wacker Felipe Massa in der Anfangsphase des Rennens seinen zweiten Platz gegen seinen Teamkollegen verteidigte. Hätte Fernando Alonso seinen Ferrari hier in Front bringen können, das Rennen hätte einen anderen Verlauf genommen.

Kimi Räikkönen im Lotus F1
Der Sieger des GP Australien, Kimi Räikkönen im Lotus -Renault (Foto: Renault)

Interessant war die Situation bei Red Bull. Eigentlich war an diesem Rennsonntag Sebastian Vettel das Team. Mark Webber war, trotz eines zweiten Platzes in der Qualifikation, nirgends. Platz sechs im Ziel für den Australier ist, gemessen an den Ansprüchen des Teams, zu wenig.

Enttäuscht haben mich McLaren, Williams und Caterham. Alle drei Teams blieben hinter den Erwartungen zurück. Platz neun für Jenson Button und Platz elf für Sergio Pérez, das ist nicht McLaren.

Bei Williams zeigte Pastor Maldonado erneut, wie dicht bei ihm Genie und Unvermögen zusammenliegen. Nach einem Fahrfehler war das Rennen des Südamerikaners frühzeitig beendet. Grand Prix Neuling Valtteri Bottas fuhr ein unauffälliges Rennen. Überhaupt erinnert der Auftritt des Teams an Tyrell in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre. Wie lange kann das Team überleben, wenn so wenige Sponsoren das Auto?

Catheram zahlt den Preis für den Einsatz der Pay-Driver Giedo van der Garde und Charles Pic. Der Franzose Pic verfehlte die 107-Prozent-Zeit. Damit hätte Pic eigentlich nicht starten dürfen. Weil die Formel 1 jedes Auto braucht, gab es trotzdem die Starterlaubnis. Teamkollege van der Garde feuerte das Auto im Training mehrmals in die Botanik. Im Rennen wurde der Niederländer als Letzter, der ins Ziel gekommenen Piloten, klassifiziert.

Gefallen hat mir Kimi Räikkönen

Genauso wie Adrian Sutil stoppte auch der Finne nur zweimal an den Boxen, um neue Reifen aufzuschnappen. Die meisten anderen Gran Prix Piloten wechselten dreimal die Reifen. Nebenbei sorgten die Reifen für viel Kritik. Denn wie Sutil am Ende kampflos mehrere Plätze herschenken musste, hatte mit Motorsport wenig zu tun – führen Kritiker nun an.

Denn die Reifen am Force India waren nicht mehr geeignet, das Tempo der Wettbewerber zu gehen. Innerhalb weniger Runden fiel Sutil vom ersten auf den siebten Platz zurück. Doch es ging auch anders.  Kimi Räikkönen konnte zwei Runden vor dem Ende sogar noch die schnellste Runde des Tages drehen.

Egal wie man jetzt über die Reifen schimpft, die Bedingungen und die Aufgabe war für alle Piloten gleich. Wenn Niki Lauda, der als Aufsichtsratsvorsitzende des Mercedes-Teams in der Formel 1 nicht ohne Einfluss ist, jetzt über die Reifen jammert, lenkt das von der Leistung des eigenen Teams ab.

Dabei haben Lotus-Renault und Kimi Räikkönen bewiesen, wie das geht. Das Rennen in Australien war eines der besten Rennen des Finnen überhaupt. Beeindruckend, wie Kimi von Startplatz sieben zum Sieg fuhr. Teamkollege Romain Grosjean ging einen Platz hinter dem Ex-Weltmeister ins Rennen. Kam am Ende jedoch auf Platz zehn ins Ziel.

In der Welt der Formel 1 ist das, was der Finne dem Franzosen damit verpasste, eine heftige Ohrfeige. Und zeigte klar, wer im Team Lotus-Renault die Nummer 1 ist. Da muss man auch nicht über die Reifen jammern.

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