Nachdem die Reifen endlich kein Thema mehr sind, weil sie einfach funktionieren, gibt es in der Formel 1 eigentlich nur noch ein Thema. Wer beerbt Mark Webber? In Ungarn wurde mit Fernando Alonso ein neuer Kandidat ein heißes Thema.

Mark Webber wechselt zu Porsche, um Langstreckenrennen zu bestreiten. Sein bisheriger Arbeitgeber Red Bull will das freiwerdende Cockpit mit einem möglichst starken Piloten besetzten. Red Bull möchte 2014, auch angesichts das vielen neuen Regeln, mit zwei Piloten um den Fahrer- und den Team-Titel kämpfen. Mit der anstehenden Einführung der Turbomotoren wird im nächsten Jahr die Defekthexe in die Formel 1 zurückkehren. Nur auf einen Piloten zu setzen, wie es Ferrari in diesem Jahr macht oder zu Zeiten von Michael Schumacher getan hat, ist keine sinnvolle Strategie mehr.

Eigentlich galt die Besetzung des Cockpits neben Sebastian Vettel als einfache Geschichte. Zwei Möglichkeiten werden seit einigen Wochen von den Fans und den Medien angeregt diskutiert. Entweder Red Bull befördert seinen Nachwuchsfahrer Daniel Ricciardo vom B-Team Toro Rosso ins Hauptteam. Oder Red Bull verpflichtet Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen. Für beide Varianten gibt es einige Punkte, die dafür sprechen.

Daniel Ricciardo ist die Risikovariante, Kimi Räikkönen die Sicherheitsvariante

Mit der Beförderung von Daniel Ricciardo würde Red Bull, wie schon bei Sebastian Vettel, konsequent auf den Aufbau eines „eigenen“ Stars setzen. Dem Australier, der im Toro Rosso immer wieder Glanzlichter setzt, ist zuzutrauen, sich an der Spitze der Formel 1 zu behaupten. Weil dies niemand garantieren kann, ist die Beförderung von Daniel Ricciardo die Risikovariante.

An der extremen Grundschnelligkeit von Kimi Räikkönen gibt es keine Zweifel. Seit seinem Comeback zeigt der Iceman wieder regelmäßig, dass er zu den besten Fahrern im Feld gehört. Der Finne kann – anders als beispielsweise Mark Webber – nicht nur Rennen gewinnen. Räikkönen weiß, wie es sich anfühlt, um den Titel zu kämpfen.

Kimi Räikkönen im Lotus
Kimi Räikkönen bisher bei Lotus galt als Favorit für das Cockpit bei Red Bull (Foto: Renault)

Damit ist der Iceman die Sicherheitsvariante, auch wenn sein Engagement bei Ferrari unrühmlich endete. Nach dem Gewinn des Fahrertitels 2007 wirkte der Finne oft unwillig. Bei vielen Grand Prix Rennen spulte Räikkönen das Wochenendprogramm – von außen betrachtet – eher gelangweilt ab. Genervt flüchtete Räikkönen zwei Jahre in die Rallye-Weltmeisterschaft. Seit 2012 ist Kimi Räikkönen zurück in der Formel 1. Zwei Rennen konnte der Finne seit seiner Rückkehr bereits gewinnen.

Zudem fuhr sich Kimi mit einem coolen Spruch endgültig in die Herzen der Fans. Nach einem dritten Platz im WM-Schlussklassement 2012 liegt Räikkönen zurzeit in der Zwischenwertung auf dem zweiten Platz – hinter Sebastian Vettel. Im heutigen Rennen behielt der Finne in der spannenden Schlussphase einen kühlen Kopf und den Lotus auf der Strecke vor dem Red Bull. Damit konnte Räikkönen vor der anstehenden Sommerpause seinen Rückstand auf Vettel sogar etwas verkürzen. Es wäre zweifelslos eine tolle Geschichte, die beiden Piloten im nächsten Jahr in einem Team zu erleben.

Will Kimi Räikkönen das überhaupt?

Denn zu der Arbeit bei Red Bull gehören immer auch zahlreiche Marketingauftritte. Sebastian Vettel zeigte erst vor einigen Tagen bei einem Seifenkistenrennen Flagge. Kimi Räikkönen hat an solchen PR-Auftritten bekanntermaßen keinen Spaß. Als Red Bull 2006 Adrian Newey verpflichtete, gelang dies auch, weil das Team dem Star-Designer Zeit für einen Start in Le Mans einräumte.

Gut denkbar, dass Red Bull bei Kimi Räikkönen zu ähnlichen Eingeständnissen bereit wäre. Allerdings gab es zum Briten keine Alternative. Alle Top-Teams wollen Adrian Newey verpflichten. Die Freistellung für Le Mans war da wohl kalkuliert. Doch Kimi Räikkönen ist nicht alternativlos.

Fernando Alonso ist eine Alternative

Nicht nur Daniel Ricciardo würde gern im Red Bull sitzen. Auch Fernando Alonso hat – inzwischen wiederholt – sein Interesse bekundet. Schon vor zwei Wochen erklärte Alonso, gern mit Adrian Newey zusammenarbeiten zu wollen. In Ungarn wurde öffentlich, dass Red Bull tatsächlich mit dem Management von Alonso verhandelt. Solche Erklärungen sind in der Formel 1 selten Zufall!

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Felipe Massa und Fernando Alonso bei einem PR-Termin für Ferrari. (Foto: Fiat)

Zur Not würde sich Fernando Alonso sogar aus seinem Ferrari-Vertrag freikaufen, um verfügbar zu sein. Das könnte ein teures Vergnügen werden. Denn der Spanier hat seinen Vertrag mit Ferrari erst im Mai vorzeitig bis Ende 2016 verlängert, dabei aber möglicherweise eine Hintertür eingebaut. Der Schlüssel zum vorzeitigen Wechsel liegt dabei – wie so oft – in der Konstrukteurswertung.

Radio Fahrerlager meldet, dass Ferrari unter den ersten drei der Team-WM ins Ziel kommen muss, damit der Vertrag mit Alonso gilt. Zurzeit ist das der Fall, doch von hinten drückt Lotus. Dort hat man neue Geldgeber gefunden. Zudem fährt – neben Kimi Räikkönen – inzwischen auch Romain Grosjean regelmäßig in Podestnähe. Gleichzeitig zeigt bei Ferrari Felipe Massa Schwächen und kommt nur auf den hinteren Punkträngen ins Ziel.

Mit den öffentlichen Abwanderungsgedanken destabilisiert Fernando Alonso das eigene Team zusätzlich. Dass der Spanier auch ein Meister des Psychokriegs ist, bewies Alonso nicht nur in seinem Jahr bei McLaren. Auch im Vorjahr versuchte Fernando Alonso, Sebastian Vettel mit Sticheleien – in Form eines Lobs für Adrian Newey – aus dem Konzept zu bringen.

Der Formel 1 steht offensichtlich eine heiße Sommerpause bevor. Wenn Ferrari in den nächsten Tagen Felipe Massa durch Nico Hülkenberg ersetzt, ist das kein Schritt zur Rettung des Sauber-Teams. Auch wenn die Ablösesummer für Hülkenberg den klammen Schweizern bei der Sanierung helfen würde.

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