Gestern fand in Australien der Saisonstart der Formel-1-Saison 2015 statt. Das Rennen ging klar an Mercedes und Lewis Hamilton. Trotzdem wird der Formel 1 Saisonauftakt 2015 auch wegen anderer Punkte in Erinnerung bleiben.

Ich verfolge die Formel 1 bereits im vierten Jahrzehnt. Was einmal „nur“ ein Sport war, ist längst auch ein Teil des Unterhaltungsgeschäfts. Leider gestern nicht so richtig auf der Strecke. Denn dort gingen gestern nur 15 Autos ins Rennen. Drei der genannten Fahrzeuge fielen schon vor dem Start aus. Zwei verpassten die Qualifikation. Dann drehte sich bereits in der ersten Kurvenkombination Pastor Maldonado mit seinem Lotus ins Aus. Da war sicherlich nicht nur ich bald beim Zählreim von den „Zehn kleinen Ottifanten“.

Elf Autos kamen schließlich ins Ziel. Herzerfrischend unterhaltsam war immerhin der Kampf um Platz zehn. Rundenlang lieferten sich Sergio Pérez und Jenson Button einen sehenswerten Zweikampf um den letzten Platz, der einen WM-Punkt bedeutet. Am Ende zog der Brite den Kürzeren, freute sich jedoch trotzdem über die Zielankunft. So lange wie Button gestern war im zurückliegenden Winter noch kein McLaren-Honda auf der Strecke unterwegs. Wer weiß, ob McLaren diesem entgangenen Punkt nicht noch einmal nachtrauert.

Denn seit der Marussia-Pleite wissen wir, dass Punkte in der Formel 1 Millionen wert sein können. 45 Millionen soll die Platzierung des Teams in der Konstrukteurswertung 2014 wert sein. Vorausgesetzt das Team nimmt auch in diesem Jahr an der WM teil. Findige Kenner des Reglements wollen wissen, dass die Teilnahme nur eine Abnahme des Rennwagens voraussetzt. Das hat Manor, der Lizenzhalter des ehemals Marussia genannten Teams, in Australien geschafft.

Die zwei Rennwagen des Teams passierten die Abnahme. Trotzdem sind sie keinen Meter gefahren. Die Zeit nach dem Abbruch der Versteigerung des Materials habe nicht gereicht, um die Autos rollen zu lassen. In Malaysia werde es wohl gelingen, heißt es vom Team. Doch es mehren sich die Stimmen, die das „Projekt“ für einen Bluff halten. Das Team werde solange an der Strecke auftauchen, bis das in der Vorsaison verdiente Geld überwiesen sei. Unmöglich ist das nicht. Es wäre ein Beleg dafür, dass die Formel 1 auch Glücksritter anzieht.

Ansonsten war das Rennen sportlich mau – und Red Bull jammert.

Die jahrelangen Seriensieger von Red Bull fuhren beim Formel 1 Saisonauftakt hinterher. Wobei Daniil Kvyat schon in der Einführungsrunde mit Getriebeschaden ausfiel. Daniel Ricciardo wurde als zweiter Red Bull Pilot überrundet Sechster. Sogar Sauber-Pilot Felipe Nasr zeigte dem Australier bei seinem Heimrennen den Auspuff. Williams, Ferrari und Mercedes waren für Red Bull gestern endgültig schon in einer anderen Liga unterwegs.

Prompt setzt das Wehklagen in Österreich ein. Man werde, so Red Bull Motorsportchef Helmut Marko im Sommer eine Kosten-Nutzen-Rechnung durchführen. Fällt diese negativ aus, dann sei auch ein Ausstieg aus der Formel 1 möglich. Nebenbei bekam Motorenpartner Renault eine ordentliche Abreibung. Der habe, so Dr. Marko, ein Problem, seine Prüfstand-Versuche auf die Strecke zu übertragen. Daher werde das Team jetzt sein Auto und dessen Motor auf einem unabhängigen Prüfstand testen.

Nur zur Erinnerung, da jammert der Vertreter eines Teams, das von 2010 bis 2013 acht WM-Titel gewann. Viermal fuhr Sebastian Vettel zum Titel des Fahrerweltmeisters, viermal siegte das Team in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft. Doch beim Wechsel auf die neuen Turbo-Motoren verlor das Team offensichtlich den Anschluss. Zumindest in Australien hatte es den Eindruck, dass Red Bull und Renault im Winter noch mehr als zuvor in Rückstand geraten sind. Schlecht für das Brauseimperium, dass Ferrari und Williams sich gleichzeitig über den Winter verbessern konnten.

Der Kurs in Melbourne gilt als speziell und ist meist nicht der Gradmesser für die restliche Saison. Vor zwölf Monaten fuhr McLaren in Australien auf das Podest. Das gelang anschließend das ganze Jahr nicht. Insofern klingt das Gejammer von Red Bull nach nur einem Rennen total unsportlich und peinlich. Es wird offensichtlich, dass das Engagement in der Österreicher Marketing ist. Verlieren gehört da – als Team – nicht ins Konzept.

Gleichzeitig werden Red Bull Gelüste nachgesagt, seine Teams zu verkaufen und die gesamte Formel 1 zu vermarkten. Die Formel 1 würde dann quasi die automobile Variante des Marketing-Overkills „Red Bull Air Race“. Nach dem Auftritt von Helmut Marko bin ich mir nicht sicher, dass das gut für den Sport wäre. Schließlich würde die Formel 1 damit endgültig Teil des Unterhaltungsgeschäfts.

Einen Vorgeschmack, was das heißt, gab es schon gestern beim Formel 1 Saisonauftakt in Australien. Denn nach dem Rennen tauchte plötzlich Arnold Schwarzenegger auf dem Siegerpodest auf. Der Ex-Bodybuilder, Ex-Filmstar und Ex-Politiker führte auf dem Podium die Interviews mit dem Sieger und den Platzierten. Das machte Arnie zwar gar nicht schlecht. Doch was bzw. wer kommt als Nächstes? Was machen eigentlich Angelina Jolie und Brad Pitt in zwei Wochen?


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Arnold Schwarzenegger und Lewis Hamilton bei der Siegerehrung zum Großen Preis von Australien 2015 (Foto: Mercedes)

Arnold Schwarzenegger und Lewis Hamilton bei der Siegerehrung zum Großen Preis von Australien 2015 (Foto: Mercedes)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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