In Deutschland trägt die Formel 1 in diesem Jahr kein Rennen aus. Der Schock sitzt bei vielen Rennsportfans auch einige Wochen nach der Entscheidung, kein Rennen am Nürburgring auszutragen, tief. Doch bei genauerem Hinsehen wird deutlich, es gab in der Königsklasse des Motorsports schon immer ein Kommen und Gehen. Dabei blieben auch andere Traditionsrennen auf der Strecke.

Das ist auch deshalb verständlich, weil ein Grand Prix der Formel 1 eine teure Angelegenheit ist. Bernie Ecclestone hält – natürlich nur im Sinne der Teams – kräftig die Hand auf, um den schnellen Zirkus in einem Land gastieren zu lassen. Gleichzeitig haben neureiche Staaten ein Interesse daran, sich mit einem Grand Prix zu schmücken. Für Ecclestone ist das eine komfortable Position. Frei nach dem Motto: Wenn Du das nicht bezahlst, dann fahren wir woanders.

Das Ausscheiden Deutschlands aus der Reihe der Länder mit Grand Prix bestätigte zudem, Bernie Ecclestone macht nur absolut notwendige Kompromisse. Unter eine bestimmte Antrittsgage geht der Brite nicht, selbst wenn am Ende nur ein vergleichsweise geringer Betrag fehlt. Die Verantwortlichen am Nürburgring haben – im Vertrauen auf ihre Tradition – gepokert und verloren.

Immerhin gibt es noch die Hoffnung, dass das Rennen im Autoland Deutschland im nächsten Jahr in den Kreis der Veranstalter zurückkehrt. Denn in Hockenheim gibt es einen gültigen Vertrag für 2016. In Frankreich, den Niederlanden oder Argentinien warten die Fans darauf bisher vergeblich. Auch in der Schweiz oder Südafrika wird schon länger nicht mehr gefahren. All diese Rennen sind bisher nicht auf die Landkarte der Formel 1 zurückgekehrt. Teilweise ist auch nicht absehbar, wann das passieren könnte.

Großer Preis der Schweiz: 1950 bis 1982 insgesamt sieben Rennen

Der Große Preis der Schweiz gehörte bereits 1950 beim Debüt zur Formel 1 Weltmeisterschaft zum Programm. Doch seit der Katastrophe von Le Mans sind Rundstreckenrennen in der Schweiz verboten. Deshalb wurde 1976 und 1982 im französischen Dijon um den Großen Preis der Schweiz gefahren.

Hier rannte in den 1950er-Jahren die Formel 1: Bremgarten Rennstrecke (Foto: Travus, CC3.0)
Hier rannte in den 1950er-Jahren die Formel 1: Bremgarten Rennstrecke (Foto: Travus, CC3.0)

Zurzeit kämpft eine Bürgerinitiative gegen das Rennstreckenverbot. Doch in den Wald von Bremgarten wird die Formel 1 sicherlich selbst dann nicht zurückkehren, wenn das angestrebte Volksbegehren tatsächlich Erfolg haben sollte.

Großer Preis von Schweden: 1973 bis 1978, sechs Rennen

Der beste Weg, um ein Land aus dem motorsportlichen Nichts zu führen, ist ein erfolgreicher Fahrer. Ein typisches Beispiel dafür ist die Geschichte des Grand Prix von Schweden. Schweden rückte nämlich erst mit Ronnie Peterson in den Blickpunkt der Formel 1. Doch der Lotus-Pilot verunglückte 1978 in Monza tödlich. Schon 1979 gab es kein Rennen in Schweden mehr. Und Paydriver Marcus Ericsson wird kaum für ein Comeback sorgen.

Großer Preis von Portugal: 1958 bis 1996, 16 Rennen

Auch in Portugal fuhr die Formel 1 bereits Ende der 1950er-Jahre zum ersten Mal. Anschließend pausierte die Formel 1 bis 1984, um schließlich bis 1996 zum festen Programm der Formel 1 Weltmeisterschaft zu gehören. Danach drehten sich die Räder der Königsklasse in Estoril nur noch bei Testfahrten. Ein Comeback des Großen Preis von Portugal erscheint ebenfalls unwahrscheinlich.

Großer Preis von Argentinien: 1953 bis 1998, 20 Rennen

Juan Manuel Fangio holte mit seinen Erfolgen Anfang der 1950er-Jahre auch seine Heimat Argentinien auf die motorsportliche Weltkarte. Von 1953 bis 1998 fanden immerhin 20 Grand Prix in Buenos Aires statt. Doch die schwere Wirtschaftskrise machte es dem Land anschließend unmöglich, einen Formel 1 Grand Prix auszutragen. Inzwischen hat sich die Wirtschaft erholt. Trotzdem ist auch ein Comeback von Argentinien im Moment unwahrscheinlich.

Großer Preis von Südafrika: 1962 bis 1993, 23 Rennen

Mit einem Rennen in Südafrika wurde die Formel 1 in den 1960er-Jahren langsam tatsächlich zu einer Weltmeisterschaft. Doch während der Apartheid war Motorsport vorrangig ein Sport der Weißen. Nach dem politischen und gesellschaftlichen Wandel in Südafrika waren andere Themen wichtiger.

Kyalami war auch wegen der Kyalami Lounge  legendär. In dem Club wohnten die Grand Prix Piloten  direkt an der Rennstrecke. (Foto: NJR ZA, CC3.0)
Kyalami war auch wegen der Kyalami Lounge legendär. In dem Club wohnten die Grand Prix Piloten direkt an der Rennstrecke. Heute sind weitere Wohngebiete an die Strecke herangerückt. (Foto: NJR ZA, CC3.0)

Die Strecke von Kyalami liegt seitdem weitestgehend brach. Rennen finden auf der inzwischen umgebauten Strecke kaum noch statt. Auch weil die Strecke inzwischen fast vollständig von Wohngebieten umschlossen ist. Doch es gibt trotzdem etwas Hoffnung. Denn nach der Pleite der Strecke erwarb Porsche Südafrika die Strecke von einem Jahr.

Großer Preis der Niederlande: 1952 bis 1985, 30 Rennen

Immerhin 30 Formel 1 Grand Prix fanden bisher in den Niederlanden statt. Bereits 1952 war der Dünenkurs von Zandvoort Bestandteil der Formel 1 Weltmeisterschaft. 1985 trug sich Niki Lauda sich im McLaren als letzter Sieger in die Siegerlisten des Rennens ein. Im Badeort Zandvoort ist die Rennstrecke nur noch geduldet. Die Verantwortlichen müssen mit einem sehr beschränkten Lärmkontingent haushalten. Höhepunkt der Motorsportsaison in den Niederlanden ist deshalb die DTM.

Großer Preis von Frankreich: 1950 bis 2008, 59 Rennen

Kaum ein Rennen hat so viel Tradition wie der Große Preis von Frankreich. Bereits 1906 wurde um diesen Titel gefahren. Zuletzt 2008 in Magny-Cours. Dazwischen waren auch Paul Richard, Dijon, Clermont-Ferrand, Rouen, Le Mans und Reims Austragungsort des Rennens. Wer in die Zeit vor Einführung der Formel 1 Weltmeisterschaft zurückblickt, der findet auch Grand Prix in Lyon, Linas-Montlhéry, Pau, Comminges, Miramas, Tours, Straßburg und Dieppe.

Die Anlage von Magny-Cours entstand durch politische Förderung der Region. (Foto: Cjp24, CC3.0)
Die Anlage von Magny-Cours entstand durch politische Förderung der Region. (Foto: Cjp24, CC3.0)

Die wahre Tradition der Franzosen scheint die Unzufriedenheit mit der Strecke zu sein. Bei Magny-Cours störte die Lage im Nirgendwo des Landes. Deshalb gilt ein Comeback in Magny-Cours als ausgeschlossen. Ein Rennen in den Straßen von Paris oder im Disneyland Resort Paris lies sich bisher nicht realisieren.

Wer hat sonst Hoffnung auf eine Rückkehr?

Auch in Indien, Marokko. Mexiko und der Türkei trat die Formel 1 bereits an. Immerhin Mexiko feiert in diesem Jahr sein Comeback. Der Große Preis von Mexiko wurde von 1962 bis 1992 in unregelmäßigen Abständen 15-mal ausgetragen. Jetzt machen die Millionen von Carlos Slim das Comeback möglich. Das Beispiel zeigt, dass eine Rückkehr möglich ist. Wenn die Kohle stimmt. Vielleicht hätte der Nürburgring mal Dietmar Hopp fragen sollen.

1 Kommentar

  1. Abgesehen von Schweden sind das wirklich Traditionsrennen. Aber mir ist schon klar warum Du Schweden berücksichtigst Alter Schwede 😉

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