Eigentlich hatte ich für den Januar einen anderen Rennwagen für unsere Rubik „Rennwagen des Monats“ vorgesehen, wollte die Reihe historischer Kleinwagen fortsetzen. Doch die Rubik hat immer auch einen aktuellen Bezug. Da diese Ausgabe am 45. Geburtstag des erfolgreichsten Formel-1-Piloten der Geschichte erscheint, fiel die Wahl schließlich auf die Formel König. Denn in diesem Rennwagen startete der Kart-Pilot Michael Schumacher mit 19 Jahren in seine einzigartige Autokarriere.

Schumacher wählte die Fahrzeugklasse, weil sie zu ihrer Zeit die günstigste Möglichkeit war, um in den Autosport einzusteigen. Ein Aspekt, den der Sitzhersteller Richard König genauso beabsichtigt haben dürfte. Denn auch in den 1980er-Jahren war Motorsport eine teure Angelegenheit. Nach den tödlichen Unfällen von Manfred Winkelhock und Stefan Bellof fehlten im Autoland Deutschland auch Piloten, die in der Königsklasse erfolgreich mitstreiten konnten. Christian Danner, trotz seines Titels 1985 in der Internationalen Formel 3000 Meisterschaft oft unterschätzt, und Bernd Schneider quälten sich mit schlechten Fahrzeugen in der Formel 1 ab.

Nachwuchsförderung war dringend notwendig – Die Formel König die Antwort

Und tatsächlich ging ein Ruck durch die Szene. Die ONS rief in der Formel 3 ein Nachwuchsteam ins Leben. BMW, Ford und Mercedes finanzierten Nachwuchspiloten die nächsten Schritte auf der Karriereleiter, indem sie ihnen DTM-Einsätze so vergüteten, dass die Piloten den Aufstieg in höhere Formel-Klassen finanzieren konnten. Doch das richtete sich alles an Piloten, die die ersten Schritte im Autosport bereits erfolgreich bewältigt hatten. Nach dem Auslaufen der Formel V fehlte seit 1977 im deutschen Formelsport eine günstige Einstiegsmöglichkeit.

Diese Lücke wollte Richard König schließen. In Italien, wo bereits die Formel Junior und die Formel Monza 875 entstanden waren, fand König die Formel Panda. Die Nutzung des Motors und des Getriebes der flotten Kiste ermöglichte – wie einst in der Formel V – in Verbindung mit einem Gitterrohrrahmen den Bau günstiger Rennwagen. König brachte die Idee nach Deutschland. Lies die Karosserie des Fahrzeugs vom Hersteller Tatuus anpassen, um ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.

Mit Unterstützung des AvD schrieb König 1988 die erste Meisterschaft seiner Serie in Deutschland aus. Das rennfertige Fahrzeug kostete circa 27.000 DM. Wer das Fahrzeug selbst montierte, konnte rund 9.000 DM sparen. Womit der Einstieg in die Rennserie für rund 16.000 DM möglich war. Auch Michael Schumacher fand einen Unterstützer, der ihm diesen Bausatz finanzierte. Schumacher, der zu dieser Zeit eine Lehre im VW/Audi-Betrieb von Willy Bergmeister, selbst 1980 Tourenwagen-Europameisters, absolvierte, brachte dominierte die Auftaktsaison. Der Kerpener gewann neun der zehn ausgetragenen Rennen.

Der Rest ist Geschichte

Es sollte der Auftakt in eine großartige Motorsport-Karriere sein. Michael Schumacher war übrigens nicht der einzige Pilot, der es von der Formel König bis zum Profi-Rennfahrer brachte. Nachdem sich Sitzhersteller Richard König nach vier Jahren aus der Serie zurückzog, übernahm der AvD die Regie. Später folgten die Dekra und der DMV. Bis zur Einstellung Ende 2004 fuhren in der Formel König zahlreiche heute erfolgreiche Piloten Titeln und Siegen. In den Ergebnislisten finden sich neben Schumacher auch Jörg und Tim Bergmeister, Markus Winkelhock und DTM-Meister Mike Rockenfeller.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Später Formel König mit VW-Motor.

Später Formel König mit VW-Motor.

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

3 Comments

  1. Supper anton Reply

    Echt Super Formel König Bild !
    Ist seit 2012 Dez. in unseren Besitz.
    MfG Supper Racing Team

    • Tom Schwede Reply

      Danke für das Lob! Gebe ich mal so an die Fotografin weiter 🙂

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