Inzwischen liegt die Essen Motor Show hinter uns und wir können in Ruhe auf ausgewählte Exponate zurückblicken. Die „rote Sau“, mit der die damals junge Firma AMG ins Licht der Öffentlichkeit trat, ist so ein Fall.

Für das 24-Stunden-Rennen von Spa 1971 hatte AMG einen roten 300 SEL mit dem 6,8 Liter großen V8 zum Rennwagen umgebaut. Auf den ersten Blick sicherlich nicht das optimale Renngerät. Denn während die Konkurrenz von Ford oder BMW unter 1.000 Kilo auf die Waage brachten, musste der AMG-Mercedes circa 1.600 Kilo über die Strecken schleppen.

Auf die Dauer hilft nur Power

Doch das Gesichtshandicap machte AMG mit Kraft bis zum Abwinken wett. Während Fords 2,9 Liter großer 6-Zylinder mit rund 280 PS Leistung aufwarten konnte, stemmte der 8-Zylinder des Mercedes mehr als 450 PS auf seine Kurbelwelle.

Für einen Tourenwagen der frühen 1970er-Jahre war das gigantisch. Damit war der Mercedes auf Anhieb so konkurrenzfähig, dass die Piloten Clemens Schickentanz und Hans Heyer mit diesem außergewöhnlichen Renngerät in Spa (fast) für eine Überraschung sorgen konnten.

AMG 300 SEL 6.3 auf der Essen Motor Show
Heckansicht – AMG 300 SEL 6.3 auf der Essen Motor Show 2012

Mit nur drei Runden Rückstand auf die Sieger Dieter Glemser und Alex Soler-Roig wurden die Deutschen nach der Hatz rund um die Uhr Zweite. Dabei war das Rennen für den Mercedes zu kurz, denn im letzten Viertel des Rennens litt der Motor im Ford Capri RS der Sieger unter heftigen Zündaussetzern. Das Deutsch-Spanische Duo am Steuer des Ford rettete den weidwunden Capri mit Mühe ins Ziel.

AMG brachte den 6.3 später nochmal zum Rennen in Paul Richard, konnte jedoch nicht an den Erfolg von Spa anknüpfen. Weil sich das Projekt rechnen musste, verkaufte AMG den Rennwagen nach Frankreich. Dort wurde die „rote Sau“ genutzt, um Flugzeugreifen für den Airbus zu testen. Irgendwann verliert sich die Spur. Das Original ist verschollen. Zum 40. Jubiläum baute man diese Replik.

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