Rennsport-Geschichten

Rennwagen des Monats: Opel Calibra V6 4×4

Beim ADAC Eifelrennen um Jan-Wellem-Pokal rückte vor einigen Tagen auch dieser Opel Calibra V6 4×4 aus. Der Rennwagen der „Klasse 1“ erinnerte an die „International Touring Car Championship“ (ITC). Als Erweiterung der DTM gestartet, erwies sich die ITC und ihre Rennwagen der „Klasse 1“ schnell als Irrweg.

Tourenwagen haben in Deutschland eine lange Tradition. Die Deutsche Rennsport-Meisterschaft (DRM) startete ursprünglich mit seriennahen FIA-Gruppe 2-Tourenwagen. Erst ab 1977 lies die damalige „Oberste Nationale Sportkommission für den Automobilsport in Deutschland“ (ONS) auch die grenzenlosen Rennwagen der FIA-Gruppe 5 zu.

Aus 2 wird 5, C und A

Als die FIA 1982 das Regelsystem veränderte, setzte die ONS in der DRM auf die Sportwagen der FIA-Gruppe C. Doch das konnte auf Dauer niemand bezahlen. Die ONS entschied daher, ab 1984 anstelle der DRM eine Deutsche Produktionswagen-Meisterschaft (DRM) ins Leben zu rufen. Statt der Prototypen rannten in der DPM Rennwagen auf Grundlage der ebenfalls 1982 eingeführten seriennahen Gruppe A.

Opel Omega 3000 24V Evo500
Opel Omega 3000 24V Evo500 – Opels Fahrzeug in der DTM 1991 und 1992

Anders als in der Tourenwagen-Europameisterschaft versuchte sich die ONS an einer Angleichung der Fahrzeug-Leistungen. In der EM gab es drei Hubraumklassen mit jeweils eigener Punktevergabe. Dadurch konnte jemand mit Klassenerfolgen die Meisterschaft gewinnen, ohne auf der Strecke um den Gesamtsieg gekämpft zu haben. Über Anpassungen bei Fahrzeuggewichten und Reifenbreiten baute die ONS an einer „klassenlosen Gesellschaft“. Die Zuschauer sollten an der Strecke sehen, wer tatsächlich gesiegt hatte. In der DPM gab es daher nur eine Punktwertung. Das Konzept funktionierte.

Aus der DPM wurde nach zwei Jahren die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM). Während in der DPM überwiegend Tuner und Privatfahrer an den Start gingen, lockte die DTM die Werke an. Das führte zu einer Kostenexplosion und schrumpfenden Feldern. 1988 wurden regelmäßig fast 50 Tourenwagen zu den Veranstaltungen gemeldet. Vier Jahre später hatte sich die Teilnehmerzahlen fast halbiert. Als Audi nach einem Streit über das Reglement Mitte 1992 sofort aus der DTM ausstieg, war klar, dass die Zeit der seriennahen Gruppe-A-Rennwagen abgelaufen war.

Auf die Gruppe A folgt die Klasse 1

Die Hersteller gründeten eine Arbeitsgruppe, um ein neues Reglement zu erarbeiten. Unter Beteiligung von Alfa Romeo, Audi, BMW, Mercedes-Benz und Opel entstand das sehr freizügige Regelwerk der „Klasse 1“. Sie ermöglichte Tourenwagen, die nicht mehr viel mit dem Serienmodell gemeinsam hatten. So konnten beispielsweise die Blechkarossen der Serienfahrzeuge durch ein Kohlefaserchassis ersetzt werden. Als Motoren kamen aufwendige V6-Motoren mit 2.500 ccm zum Einsatz, die ebenfalls wenig mit der Serie gemeinsam hatten.

Opel Calibra V6 4x4
Opel Calibra V6 4×4 beim ADAC Eifelrennen um den Jan-Wellem-Pokal

Nach Verabschiedung des Reglements zogen sich Audi und BMW – trotz entwickelter Fahrzeuge – aus der DTM zurück. Opel zögerte ebenfalls. Und so nahm die „Klasse 1“ ihren Rennbetrieb 1993 mit Fahrzeugen von Mercedes und Alfa-Romeo auf. Erst beim Saisonfinale 1993 stieg Opel mit einem Calibra V6 4×4 in die DTM ein. Neben Manuel Reuter verpflichtete Opel Ex-F1-Weltmeister Keke Rosberg als Fahrer.

In den ersten beiden Jahren kam Opel mit dem Calibra jedoch nicht über Achtungserfolge hinaus. Hinter Alfa-Romeo und Mercedes war Opel die klare Nummer drei im Feld. Alle Hersteller versuchten, mit immer mehr High-Tech ihre Fahrzeuge zu verbessern. Die Kosten explodierten, waren für eine nationale Meisterschaft wie die DTM schließlich nicht mehr tragbar. Die Verantwortlichen der ITR suchten ihr Heil in einer internationalen Expansion. Aus der DTM wurde die „International Touring Car Championship“ (ITC). Zunächst als Ergänzung gestartet, trat die ITC 1996 ganz an die Stelle der DTM.

Doch die Party dauerte nur einen Sommer

Im Ausland funktionierte die ITC nicht. Anders als bisher in der DTM strömten die Zuschauer nicht in Massen an die Strecken. Auch in Deutschland wurden die Tribünen zunehmend leerer. Und das bei weiter steigenden Kosten. Gespräche über die Abrüstung der Rennwagen scheiterten. Im September erklärten Alfa-Romeo und Opel in einem gemeinsamen Schreiben den Ausstieg aus der ITC. Wie ihre Vorgänger DRM und DTM war damit auch die ITC in eine Kostenfalle geraten, die die Serie scheitern lies.

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days (früher Schloß Dyck, heute in Düsseldorf) oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören. Wenn Sie also einen Moderator oder Streckensprecher für Ihre Oldtimer-Rallye oder Ihr Oldtimer-Treffen suchen, dann sind Sie bei Tom definitiv richtig!