Es gibt selbst in einer selbst verordneten Blogpause Gedenktage, die man als Motorsport-Fan nicht völlig ignorieren kann. Der Geburtstag des ehemaligen Porsche-Rennleiters Huschke von Hanstein ist so ein Fall. Der Spross eines alten Adelsgeschlechts wurde heute vor 102 Jahren in Halle an der Saale geboren.

Wie viele Rennfahrer seiner Zeit unternahm auch Fritz Huschke von Hanstein seine ersten Ausflüge in den Motorsport mit dem Motorrad. Als Lehrling in Hamburg bestritt von Hanstein ab 1929 mit dem Motorrad Langstreckenfahrten. Schnell folgte der Wechsel ins Auto und schon 1933/34 war von Hanstein Werksfahrer bei Hanomag. Nach dem Wechsel zu Adler nahm von Hanstein 1937 erstmals an den 24 Stunden von Le Mans teil, fiel jedoch mit einem Motorschaden am Adler Trumpf aus.

Spätestens mit dem Wechsel zu BMW wurde aus dem Nachwuchspiloten ein ernsthafter Rennfahrer, der 1939 am Berg mit dem legendären BMW 328 zu seinem ersten Titel fuhr und ein Jahr später den „Gran Premio de Brescia della Mille Miglia“ gewann. Bei dieser Ersatzveranstaltung für die Mille Miglia, die nach einem schweren Unfall bei einer Stadtdurchfahrt 1938 zeitweilig nicht in der bekannten Form durchgeführt wurde, fuhr von Hanstein gemeinsam mit Walter Bäumer im aerodynamisch verkleideten BMW 328 Touring Coupé zum Sieg. Auch wenn sich die Konkurrenz während des Zweiten Weltkriegs auf Teilnehmer aus den Staaten der Achsenmächte reduzierte, war das ein großer persönlicher Erfolg für von Hanstein.

Nach dem Ende des Nationalsozialismus setzte von Hanstein seine Motorsportkarriere bald auch als Funktionär fort, obwohl von Hanstein als Mitglied der SS durchaus nicht als politisch unbelastet galt. Denn während der Diktatur der NSDAP fuhr von Hanstein zeitweilig privat einen BMW 328 mit dem Kennzeichen „SS-333“, an dessen Seiten die Runen des parteiinternen „Polizeidienstes“ angebracht waren. Nach dem Krieg, als dessen Resultat die Familie von Hanstein den Zugriff auf große Teile ihrer nun in der sowjetischen Besatzungszone liegenden Besitzungen verlor, schlug sich von Hanstein zunächst als Verkäufer für Saatgut durch.

Der Kontakt zur Motorsport-Szene riss nicht ab

Bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestritt von Hanstein wieder Motorrad-Rennen. Im September 1951 nahm er als Fahrer für Porsche an den Weltrekordfahrten in Montlhéry teil. Ein Jahr später wurde von Hanstein bei Porsche Rennleiter und übernahm auch die Verantwortung für die Öffentlichkeitsarbeit der jungen Firma. In dieser Rolle konnte von Hanstein in den kommenden Jahren die Identität und das Image der Marke Porsche maßgeblich gestalten. Rückblickend muss man einfach anerkennen, dass von Hanstein ein Marketinggenie war, der mit bescheidenen Mitteln seinen Job machte. Mit Unterstützung des Grafikers Hanns Lohrer setzte der geborene Verkäufer die Erfolge der Sportwagen in Szene und baute das Prestige der Marke Porsche behutsam auf.

Doch hauptsächlich war von Hanstein auch in dieser Zeit im Motorsport zu Hause. Bei jeder passenden Gelegenheit verpflichtete der Rennleiter von Hanstein auch den Rennfahrer von Hanstein. Ob in Le Mans, bei der Targa Florio oder in der Berg-Europameisterschaft, bei Porsche gehörte der Rennleiter in den 1950er-Jahren meist auch als Fahrer zum Rennteam. Das hatte den Vorteil, dass die Piloten keine Ausreden hatten, schließlich konnte der Chef ihre Aussagen über die Rennwagen meist direkt auf der Strecke überprüfen.

Abseits der Strecke fand der weltläufige Rennleiter oft den richtigen Ton, um Top-Piloten wie Hans Herrmann, Jaroslav Juhan, Joakim Bonnier oder Dan Gurney für Porsche zu verpflichten – obwohl Porsche den Piloten bis weit in die 1960er-Jahre meist nur Fahrzeuge in kleineren Klassen anbieten konnte. Aber das gehörte zur Strategie, Porsche nahm als kleiner aber dafür entsprechend agiler David den Kampf mit den Großen von Maserati, Ferrari, Daimler-Benz oder Ford auf. Eine Strategie, die erst Ferdinand Piech, der als Porsche-Rennleiter Nachfolger des Rennbarons von Hanstein wurde, mit der Entscheidung zum Bau des 917 änderte.

Auch nach dem Ausscheiden bei Porsche blieb von Hanstein Porsche verbunden. Huschke von Hanstein, dessen Spitzname – auch das war Marketing – Huschke in den 1950er-Jahren auch offiziell Bestandteil seines Namens wurde, vertrat bis weit in die 1980er-Jahre hinein seinen ehemaligen Arbeitgeber immer wieder bei Oldtimer-Veranstaltungen und Club-Treffen. Dazu übernahm von Hanstein von 1970 bis 1987 das Amt des AvD-Sportpräsidenten, in dem der Adel ja bis heute eine wichtige Rolle spielt.

Wer mehr über von Hanstein erfahren möchte, der sollte sich das Buch „Huschke von Hanstein. Der Rennbaron von Tobias Aichele zulegen. Auf fast 300 Seiten entstand 1999, drei Jahre nach dem Tod des Rennbarons am 5. März 1996, ein umfangreiches Porträt dieser Motorsport-Legende, das in keinem Bücherregal eines Fans des historischen Motorsports fehlen sollte.


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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Fritz Huschke von Hanstein im Cockpit (Foto: Porsche)

Fritz Huschke von Hanstein im Cockpit (Foto: Porsche)

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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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