Vor zwei Wochen fragten wir, wie Sie früher zur Schule gekommen sind. Heute fragen wir: Wie kam man in den 1960er-Jahren zur Arbeit? Richtig, mit dem Käfer. Denn wer es sich damals leisten konnte, mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, der fuhr meistens Käfer. Und so manch Käfer-Freund nutzt heute noch das Kultmobil aus Wolfsburg für den Arbeitsweg – selbst wenn dieser 11.000 Kilometer beträgt.

Das glauben Sie nicht? Dann sollten Sie das Buch „5 Käfer auf großer Fahrt“ von Richard Hausmann und Clauspeter Becker lesen. Hausmann ist mit einem Brezelkäfer von 1949 zur Arbeit gefahren. Schon
das Alter des Fahrzeugs mag ungewöhnlich erscheinen. Doch das Highlight
ist der Weg. Denn Hausmann wohnt in Erlangen. Sein Arbeitsplatz lag in
Peking, wo der Physiker von 2005 bis 2010 als Präsident und CEO von
Siemens Ltd. China tätig war. Und so schildern die Autoren in diesen Bildband (128 Seiten, 127 Fotos) eine Reise der besonderen Art.

Es liegt auf der Hand, dass man für diesen Arbeitsweg etwas mehr Zeit als üblich einplanen sollte. 31 Tage hat die Tour schließlich gedauert. Insgesamt fünf Käfern bis Baujahr 1956, jeweils von zwei abenteuerlustigen Herren – vom Studenten bis zum Rentner – gelenkt, legten die 11.000 Kilometer lange Strecke als Fahrgemeinschaft zurück. Mit der Unterstützung von zwei Servicefahrzeugen führte die Reise der Oldtimer durch Polen, Litauen, Lettland, Russland und die Mongolei bis schließlich nach China.

Wie sich die Entfernungsverhältnisse dieser Reise gestaltet haben, wird besonders dadurch deutlich, dass der Tross bereits nach fünf Tagen in Moskau war, die mongolischen Grenze inklusive eines Abstechers an den Baikal-See jedoch erst 20 Tage später passiert wurde. Für die Schlussetappe durch die Wüste Gobi bis nach Peking benötigten die Teilnehmer dann nochmals weitere sechs Tage. Unterwegs auf Straßen, die allmählich schlechter und schließlich zu Schotterwegen und Wüstenpisten wurden. Das geht – selbst im Käfer – nicht ohne Pannen ab. Käfer sind zwar robust und meist leicht reparierbar, aber ein Riss des Kupplungsseils mitten in der Taiga ist dann doch eine Herausforderung.

Abseits der Wegstrecke lernten die Käfer-Fahrer zahlreiche freundliche, neugierige und hilfsbereite Menschen kennen. Spannend wurde es an den Grenzübergängen. Für Bewohner eines vereinten Europas unterscheidet sich eine Autofahrt von Stuttgart nach Madrid kaum noch von einer Fahrt von Hamburg nach Bremen. Ländergrenzen haben sich auf ein Hinweis-Schild reduziert. Richard Hausmann und Clauspeter Becker erinnern – köstlich unterhaltend – daran, dass sich ein Grenzübertritt auch anders gestalten kann. Denn es genügt ja nicht, aus Russland herauszukommen. Man muss ja auch in die Mongolei hineinkommen.

„5 Käfer auf großer Fahrt“
Die Vintage Volkswagen Challenge von Erlangen nach Peking
1. Auflage, 128 Seiten, 127 Fotos (farbig), Format 21 x 24,5 cm, gebunden
€ 19,90 (D) / € 20,50 (A) / sFr 31,90 (CH)
ISBN 978-3-7688-3230-4
Delius Klasing Verlag, Bielefeld

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