Meinung und Kommentar

Für Auto-Bild ist die Formel 1 am Nürburgring-Desaster Schuld

Ja, richtig gelesen! Am 31.03. erschien auf der Online-Plattform von Auto-Bild der Artikel „Ring-Investor: Formel 1 muss wirtschaftlich Sinn machen“. Dort heißt es: „Durch die hohen Kosten der Königsklasse fuhren die Veranstalter Jahr für Jahr Verlust ein – mit der Folge, dass … die Rennstrecke in der Eifel 2012 Insolvenz anmelden musste.“

Ich habe das erst für einen verfrühten Aprilscherz gehalten. Wer auch nur im Ansatz das Geschehen am Nürburgring verfolgt hat, weiß, dass die Insolvenz das Ergebnis falscher unternehmerischer Entscheidungen war. Die Rückkehr der Formel 1 gehört nicht dazu. Vielmehr entstanden mit einer Veranstaltungshalle, einer Achterbahn und einer Großraumdisko Angebote, die am Ring nicht auf die erhoffte Nachfrage gestoßen sind. Sie entstanden unter dem Druck der Politik, die das öffentliche Unternehmen Nürburgring (Anteilseigner waren das Land Rheinland-Pfalz und der Kreis Ahrweiler) trotz seiner privatrechtlichen Struktur (GmbH) faktisch gelenkt haben.

Obwohl private Investoren nicht bereit waren, die Finanzierung zu übernehmen, wurde an den Bauvorhaben festgehalten. Besonders der Landesregierung von „Landesvater“ Kurt Beck, den wir Steuerzahler heute mit einer knackigen Pension alimentieren, war das Vorhaben auch gegen den Willen der Bürger, die sie vertreten soll, wichtig. Denn die Betroffenen, die am Ring tätigen Sportler sowie die Anwohner, waren von Anfang an mit einer deutlichen Mehrheit gegen die Bauten.

Insofern ist die Formulierung in der Auto-Bild zumindest grenzenlos naiv. Sie hat etwas von Geschichtsfälschung oder mindestens etwas von Geschichtsklitterung. Vielleicht kann die Gruppe, die sich „Freunde des Nürburgrings“ nennt und die der Auto-Bild schon bei ihrem großartigen Artikel am Montag geholfen hat, ja helfen. Denn der Blödsinn – anders ist die Aussage zur Verantwortung der Formel 1 an der Nürburgring-Pleite nicht zu bewerten – lässt sich ja noch steigern.

Mir würde spontan ein „Interview“ mit Kurt Beck einfallen. Darin würde ich – natürlich frei erfunden – den „Bären des Nürburgrings“ unter Tränen betonen lassen, wie Bernie Ecclestone ihn bei den Verhandlungen ausgenutzt hat. Das wäre dann zwar tatsächlich eher ein Artikel für den 1. April – aber das hat die (Auto)-Bild ja noch nie gestört.

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Als Kind der 1970er-Jahre hatte Tom das große Vergnügen, in einem ausgesprochen automobilen Umfeld aufzuwachsen. Das war der optimale Nährboden, um heute über Autos zu schreiben und regelmäßig am Mikrofon über Autos zu sprechen. Denn Tom Schwede moderiert seit 2010 bei großen Oldtimer- und Klassik-Veranstaltungen in Deutschland. So ist Tom unter anderem bei den Classic Days auf Schloß Dyck oder dem 1.000 Kilometer-Rennen am Nürburgring zu hören.