Meinung und Kommentar

Sind Oldtimer Geldanlage oder Fahrspaß?

Immer öfter schreiben Oldtimer-Zeitschriften und Oldtimer-Magazine in jüngster Vergangenheit die Preise gepflegter Klassiker in den Himmel. Oldtimer sind, so heißt es, eine ganz heiße Geldanlage. Doch stimmt das eigentlich? Sind Oldtimer oder Youngtimer wirklich ein guter Anlagetipp? Oder zeigt der Markt bereits erste Anzeichen einer Überhitzung?

Einige der aktuellen Marktberichte klingen einfach. Die Autoren empfehlen ihren Lesern, einfach einen oder zwei Oldtimer als Wertanlage zu kaufen. Denn damit könnten sich die Leser beruhigt zurücklegen und bequem dabei zusehen, wie die neue Anlage jedes Jahr im Wert steigt. Ich will den Verfassern nicht vorwerfen, dass sie „Front Running“ betreiben. Genauso will ich nicht annehmen, dass die Verfasser diese Berichte als Unterstützungsmaßnahme ihrer Anzeigenkunden verstehen.

Aber auch ohne diese Hintergedanken sorgt der eine oder andere Bericht bei mir für einen schalen Beigeschmack. Denn die Artikel befeuern die Preistreiberei weiter. Das erinnert mich an andere Märkte, auf denen in Vergangenheit bereits steigende Preise in ähnlicher Art und Weise herbeigeschrieben wurden. Fragen sie mal den Kurator einer größeren Kunstsammlung, was der Ihnen zur Preisentwicklung bei Werken der „Neuen Leipziger Schule“ und der begleitenden Berichterstattung in einschlägigen Kunst-Magazinen erzählen kann.

Es wird Ihnen einiges bekannt vorkommen!

Beängstigend ist für mich auch, dass inzwischen Finanzjongleure die Oldtimer-Szene für ihre Geschäfte entdeckt haben. Mit dem Kauf entsprechender Zertifikate als Geldanlage kann nun auch der Oldtimer-Freund am aktuellen Hype teilhaben, der sich selbst den Kauf eines Fahrzeugs als Wertanlage nicht zutraut. Die bunten Anlageprospekte der Geldhäuser locken mit einer Rendite von 15%.

Aus einer Anlage von 60.000 Euro sollen so innerhalb ganz kurzer Zeit ganz einfach 75.000 Euro oder mehr werden. Sicherlich sind solche Renditen im Einzelfall möglich. Doch nicht jeder Fondsmanager findet in der Garage der Erbtante eines Bekannten einen echten Bugatti, den diese in den 1950er Jahren nicht verkaufen konnte. Deshalb stellte die gute Frau den Bugatti damals für immer ab. Bis ihn der Fondsmanager entdeckte und für dreieinhalb Millionen Euro bei einer Auktion verkaufte. Solche Meldungen stellen keine seriöse Grundlage für eine sinnvolle Einschätzung des Marktpotenzials dar!

Der ADAC wies kürzlich daraufhin, dass der realistische Preis für einen entsprechenden Bugatti mit Zustandsnote „4“ allenfalls bei rund einem Zehntel der bei der Auktion erzielten Summe liegt. Gerade bei Auktionen führen Bietergefechte immer wieder zu völlig unrealistischen Preisen. Zudem sind einzelne Auktionspreise auch kein geeignetes Mittel, um Marktpreise realistisch zu beschreiben. Dafür ist der für automobile Klassiker zum Teil viel zu klein.

Was nützt es zu wissen, dass die aktuell für 50.000€ angebotene Pagode (Zustand „2“) vor 10 Jahren noch 35.000€ gekostet hat? Was nützt es zu wissen, dass der Fiat Dino Spider dank seines Ferrari-Herzens in dieser Zeit seinen Preis verdoppelt hat? Eine Fortschreibung dieser Entwicklung ist nicht vorhersehbar! Die Beispiele belegen zunächst nur, dass die Oldtimer-Käufer profitieren konnten, die vor zehn oder noch besser zwanzig Jahren das Potenzial für ein bestimmtes Modell richtig eingeschätzten.

Neben diesen Glanzlichtern gibt es eine ganze Reihe von Modellen, die sich in den vergangenen zehn Jahren preislich kaum bewegt haben. Sehen Sie sich dazu einfach mal die tatsächlich erzielten Preise von Modellen wie dem Opel GT, dem BMW Z1 oder dem Fiat 124 Spider an. Selbst der NSU Ro 80, eine der Design-Ikonen der 1960er/70er Jahre, blieb in dieser Zeit allenfalls wertstabil – was, wenn man den Kaufkraftverlust mit einbezieht, alles andere als lukrativ ist.

Finger weg von Oldtimern als Geldanlage!

Kaufen Sie sich Ihren Klassiker, weil er Ihnen gefällt. Drehen Sie ab und zu eine Runde mit Ihrem Schmuckstück. Genießen Sie dabei, dass der Spaßfaktor dieser „Investition“ jede Bank-Anlage locker abhängt. Denn mit dieser Einstellung wird es Sie dann kaum berühren, wenn die „Marktblase“ der Oldtimer-Preise eines Tages platzen wird.

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