Meinung und Kommentar

Über den Genuss beim Oldtimer-Fahrer

Oldtimer gefallen mir, weil man ihre Technik, wenn man von technisch ausgefallenen Exemplaren wie der Citroën DS mit ihrer aufwendigen und komplizierten hydropneumatischen Federung absieht, zur Not auch mit einfachen Werkzeugen in den Griff bekommen kann. Außerdem mag ich das unverfälschte Fahren.

Auch wenn das einen gewissen Preis hat

Denn das Fahrverhalten vieler Oldtimer ist, an modernen Autos gemessen, manchmal etwas eigen. Dies kann, wenn der Grenzbereich tatsächlich eine Grenze definiert, durchaus auch Stress verursachen. Man muss dann angemessen reagieren, um das Auto auf der Straße zu halten. Es gibt kein Backup, das von zahlreichen Rechnern gesteuert, den Wagen wie von Geisterhand auf dem richtigen Weg hält.

Dies ist, und das ist auch gut so, bei einem Oldtimer anders. Eine Lektion, die ich bereits als Fahranfänger gelernt habe. Im leichten Regen wollte ich einst in Rendsburg mit meinem rund zehn Jahre alten Golf I einem damals noch taufrischen Audi 90 quattro folgen. Der Audi nahm die Spindel, die hinter dem Kanaltunnel, in Richtung der Autobahn 210 führt, völlig selbstverständlich mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit.

Die Kurve hat es in sich, weil sie ihren Radius zweimal ändert. Nach einem eher weiten Kurveneingang, macht die Kurve zunächst zu, um dann gegen Ende ihrer 270 Grad Krümmung langsam wieder zu öffnen. Der Golf hing treu am Gas und schob zum Außenrand der Kurve. Meine Geschwindigkeit war definitiv zu hoch. Ich fühlte, wie der Golf das Bein hob und erschrak über dieses damals neue Erlebnis.

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Panisch nahm ich den Fuß vom Gas

Ein echter Anfängerfehler, den der Golf mit dem sofortigen Ausschwenken des Hecks beantworte. Nach einem Dreher kam ich zum Stillstand. Zu allem Überfluss hatte ich auch noch den Motor abgewürgt. Aber zum Glück war ich nirgendwo eingeschlagen. Dafür hatte ich eine Menge über das Fahrverhalten von Fronttrieblern gelernt. Zudem hatte ich natürlich verstanden, dass es Grenzen gibt, die man im Straßenverkehr nicht überschreiten sollte.

Denn nicht nur der Fehler des plötzlichen Gaswegnehmens war Schuld an meinem Dreher, auch die unangepasste Geschwindigkeit des jugendlichen Bloggers trug ihren Teil zu diesem Erlebnis bei. Die Geschwindigkeit muss halt immer zu den Fähigkeiten von Fahrer UND Fahrzeug passen. Der quattro meisterte die Kurve dank seines Technikvorteils Allradantriebs, wo mein Golf scheiterte.

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Heute wäre das Manöver wohl kein Problem

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Sicherheitstrainings in Spa-Francorchamps die Situation des plötzlichen Gaswegnehmens mit einem modernen Fahrzeug nachgestellt. Beim Einlenken in die Kurve „Les Combes“ am Wendepunkt der schönen Strecke habe ich zum Test ähnlich wie vor fast 25 Jahren den Fuß plötzlich vom Gas genommen. Doch der moderne Fronttriebler mit elektronischem Fahrstabilitätsprogramm (ESP) und Antriebsschlupfregelung (ASR) hielt dabei ohne Probleme die Spur und wurde einfach nur wie „gewünscht“ langsamer.

Das ist ein Sicherheitsgewinn, den ich im Alltagsauto natürlich schätze. Zudem macht die Technik hier das Autofahren zweifelsfrei fehlertoleranter. Trotzdem würde ich nie auf die Idee kommen, meinen Oldtimer nachträglich mit technischen „Doping-Mitteln“ zu Leibe zu rücken, um den Oldtimer sicherer oder komfortabler zu machen. Da fahre ich lieber etwas langsamer und empfinde den Dialog mit meinem Oldtimer als Genuss und einen ausnahmsweise einmal positiven Stress.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Zeche Zollverein in Essen (Foto: Karla Schwede)

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