Der Porsche 935 ist eine Legende auf vier Rädern. Zu einer Zeit, als Rennwagen keine Grenzen kannten, gewann die Gruppe-5-Version des Porsche 930 zwei DRM-Titel, holte 1979 – als Kundenfahrzeug – den Gesamtsieg in Le Mans und zahlreiche weitere regionale Rennserien. Jetzt greift Porsche für eine 700 PS starke Clubsport-Variante des aktuellen Porsche 911 GT2 RS auf den Namen 935 zurück. Mit dem Original hat da wenig zu tun. Trotzdem ist neue Porsche 935 ein interessantes Sportgerät.

Im Rahmen der Porsche Rennsport Reunion auf dem Laguna Sera Raceway stellt Porsche an diesem Wochenende den neuen Porsche 935 vor. Das Festival des historischen Motorsports in den USA ist ein guter Ort für diese Premiere. Denn die Karosserie des 700 PS starken Rennwagens erinnert an den Porsche 935/78. Sportfreunde kennen das Original unter den Namen „Moby Dick“. Für die Markenweltmeisterschaft 1978 nutzte Porsche das Reglement der Gruppe 5 voll aus.

Wie bei Original 1978 ergänzten die Porsche Techniker auch bei der Neuauflage die Karosserie des 911 mit Anbauteilen aus Kohlefaser-Verbundwerkstoff. Markantes Zeichen – damals wie heute – das stromlinienförmige Heck. Bei der Neuauflage läuft das Heck mit einem 1.909 Millimeter breiten und 400 Millimeter tiefen Heckflügel aus, der für die aerodynamische Balance des Rennwagens sorgt.

Zitatesammlung auf vier Rädern!

Zudem verfügen beide Fahrzeuge über markante Radhausentlüftungen auf den vorderen Kotflügeln, die den Abtrieb an der Vorderachse erhöhen. Doch nicht nur diese beiden Details sind Anleihen beim Original, das zu den erfolgreichsten Rennsport-Fahrzeugen von Porsche gehört. Auch die aerodynamisch verkleideten Felgen und die Lackierung erinnern an den Porsche 935/78 des Werks.

Die LED-Rückleuchten in den Endplatten des Heckspoilers erinnern an den Porsche 919 Hybrid. Der aus Titan gefertigte Auspuff ist dem Porsche 908 aus dem Jahr 1968 nachempfunden. Die Außenspiegel stammen vom aktuellen Le-Mans-Sieger 911 RSR. Der Knauf der Gangschaltung ist in Schichtholz-Optik gestaltet und erinnert an Rennmodelle wie den ebenfalls legendären Porsche 917.

Den Antrieb des neuen Porsche 935 übernimmt ein 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Biturboaufladung. Der Motor ist weitgehend identisch mit dem Serienaggregat des straßenzugelassenen 911 GT2 RS. Wie der straßenzugelassene 911 GT2 RS verfügt auch der 1.380 Kilogramm leichte neue 935 über das Fahrstabilitätssystem PSM (Porsche Stability Management) inklusive Traktionskontrolle sowie ein Antiblockiersystem (ABS).

77 Exemplare des nicht homologierten Rennwagens sollen entstehen. Dabei dürfen die Kunden zwischen zwei Lackierungen wählen. Denn den neuen Porsche 935 gibt es neben dem klassischen Martini-Kleid, das wir auf unseren Bildern zeigen, auch im einer achatgrauen Lackierung . Der Preis dieser rollenden Zitatesammlung liegt bei 701.948 Euro zuzüglich länderspezifischer Mehrwertsteuer. Porsche liefert den neuen 935 ab Juni 2019 im Rahmen exklusiver Events aus.

Der Porsche 935 macht nachdenklich!

Je mehr ich über den neuen Porsche 935 grüble, um so nachdenklicher werde ich. Denn das Original war zunächst ein Sportgerät. Doch der Öl-Millionär und Formel-1-Teamchef Walter Wolf reiste mit seinem heute legendären 935 mit Straßenzulassung gern zu den europäischen Formel-1-Rennen. Der neue 935 kann beides nicht, denn der heutige 935 verfügt weder über eine Straßenzulassung noch über eine Rennsport-Homologation. Ihm bleibt also nur, seine Inhaber als Sammlerstück oder Trackday-Tool zu erfreuen. Das mag für Porsche ein lukratives Geschäft sein. Doch ist das der Sinn so eines Autos?

Technische Daten Porsche 935 (Typ 991, Gen 2)

  • Einsitziges seriennahes, nicht homologiertes Rennfahrzeug auf Basis des Porsche 911 GT2 RS (991.2)

Gewicht/Maße:

  • Gewicht: ca. 1.380 kg
  • Länge: 4.865 mm, Breite: 2.034 mm (inkl. Seitenspiegel)
  • Gesamthöhe: 1.359 mm, Radstand: 2.457 mm

Motor:

  • Wassergekühlter 6-Zylinder-Aluminium-Biturbo-Boxermotor in Hecklage und starrer Aufhängung; 3.800 ccm; Hub 77,5 mm; Bohrung 102 mm; ca. 515 kW (700 PS)
  • 4-Ventil-Technik mit Nockenwellenverstellung und Ventilhubabschaltung Vario-Cam Plus
  • Elektronisches Motormanagement (Continental SDI 9)
  • 100-Zellen Metallkatalysator nach DMSB
  • Endschalldämpfer mit Doppelendrohr in mittiger Anordnung im Heritage-
    Design

Kraftübertragung:

  • 7-Gang PDK-Getriebe mit starrer Aufhängung und kurzen Schaltwegen
  • Zweimassenschwungrad
  • Interne Druckölschmierung mit aktiver Ölkühlung
  • Rennsport-optimierte Differentialsperre

Karosserie:

  • Gewichtsoptimierte Rohkarosse in Aluminium-Stahl-Verbundbauweise mit CfK Anbauteilen zur Verbesserung der Aerodynamik sowie der Stabilität
  • Heckflügel mit in Sideplates integriertem Leuchtenkonzept
  • Vergrößerte Lufteinlässe mit integrierten LED-Hauptscheinwerfern im 4-Punkt-Design
  • eingeschweißter Sicherheitskäfig, abnehmbare Dachluke gemäß FIA Art. 275a
  • aerodynamik-optimierte Außenspiegel
  • 115 Liter FT3 Sicherheitstank mit „Fuel-Cut-Off“ Sicherheitsventil gemäß FIA Art. 253 im Vorderwagen, optional mit Schnellbetankungskupplung
  • Rennschalensitz Recaro mit Längsverstellung und Padding System gemäß FIA Standard 8862/2009
  • 6-Punkt Sicherheitsgurt
  • Drei-Stempel Lufthebeanlage
  • Feuerlöschanlage mit elektronischer Auslöseeinheit

Fahrwerk:

  • Vorderachse: McPherson-Federbein; Steifigkeitsoptimierter Schmiedelenker
    mit Hochleistungsgelenklager Rad-Zentralverschluss; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Elektromechanische Servolenkung mit variabler Lenkübersetzung; Schwertstabilisator
  • Hinterachse: Leichtbau-Mehrlenkerachse mit Unibal-Gelenken; Rennsport 3-Wege-Stoßdämpfer, Verstärkte Spurstange; Schwertstabilisator
  • Zwei getrennte Bremskreise für Vorder- und Hinterachse; Waagebalken-Balance-Regulierung.
  • Vorderachse: Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 380 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung
  • Hinterachse: Vierkolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssättel mit „Anti-Knock-Back“ Kolbenfedern; Stahlbremsscheiben, innenbelüftet mit 355 mm Durchmesser; Rennbremsbeläge; optimierte Bremsluftführung

Elektrik:

  • Kombiinstrument bestehend aus COSWORTH ICD mit integriertem Datenlogger, Sport-Chrono-Uhr und Ladedruckanzeige in historischem Look
  • CfK-Multifunktions-Lenkrad mit Pit Speed Limiter und Schnelltrennkupplung

Felgen/Bereifung:

  • Vorderachse: Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen
    11,5J x 18 ET 15,3 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 29/65-R18
  • Hinterachse: Einteilige Leichtmetall-Schmiedefelgen
    13J x 18 ET -10 mit Zentralverschluss; Michelin Transportbereifung 31/71-R18

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Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Neuauflage des Porsche 935 im Studio

Foto: Porsche

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Author

Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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