Die Nachricht kam unerwartet. Gestern stand plötzlich auf der Webseite des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring „Porsche #911 nachträglich disqualifiziert“. Damit ändert sich fast 14 Tage nach dem Ende des Rennens das Gesamtergebnis. Ich frage mich, ob hinter dem Fehler am Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey ein System steckt.

Eigentlich dachten wir, dass wir seit gut zwei Wochen das Ergebnis des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring kennen. Der Phoenix-Audi gewann das Rennen. Der lange führende Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey belegte Platz zwei. Die Strafe von 5:32 Minuten wog zu schwer, um das Rennen zu gewinnen. Obwohl der grün-gelbe Porsche von Manthey während des Rennens drückend überlegen war, gewann Audi so das Rennen.

Die Unachtsamkeit von Laurens Vanthoor, der gelbe Flaggen übersah, warf den Porsche zurück. Doch nach dem Rennen nahmen die technischen Kommissare die ersten drei des Rennens nochmal genau unter die Lupe. Dazu gehörte auch, die Rennwagen auf einen Leistungs-Prüfstand zu stellen. Dabei überschritt der Porsche die Leistung, die ihm im Rahmen der „Balance of Performance“ vor dem Rennen zustanden.

Zu viel Motor-Leistung führt zur nachträglichen Disqualifikation!

494 PS standen die Regelhüter dem Sportwagen inklusive einer Toleranz von vier Prozent zu. Der Prüfstand im Fahrerlager dokumentierte mehr Leistung. Das Team verlangte anschließend, wie es in solchen Fällen üblich ist, eine Kontrollmessung. Diese Messung fand in der Zwischenzeit statt. Sie bestätigte das Ergebnis der ersten Messung. Daher disqualifizierten die Sportkommissare das Fahrzeug nachträglich.

Der Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey verliert damit den zweiten Platz. Das Mercedes-AMG Team Black Falcon mit Maxi Buhk, Hubert Haupt, Thomas Jäger und Luca Stolz erbt den zweiten Platz. Der Audi R8 LMS vom Audi Sport Team Car Collection rückte ebenfalls auf. Markus Winkelhock, Christopher Haase, Marcel Fässler und René Rast stehen fortan als Dritte in den Ergebnislisten.

Der Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey fuhr beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in einer eigenen Liga. (Foto: Porsche)
Der Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey fuhr beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in einer eigenen Liga. Inzwischen wissen wir, warum der Porsche so überlegen war. (Foto: Porsche)

Wobei sich das Team Manthey noch gegen den Ausschluss wehren kann. Denn das Team hat nach Zustellung des Urteils über die Disqualifikation 96 Stunden Zeit für eine Berufung. Wobei ich denke, dass das Team nach zwei Messungen keine Berufung einlegt. Trotzdem überrascht, dass einem Werksteam so ein Fehler passiert. Insbesondere, weil alle Teilnehmern wissen, welche Kontrollen nach dem Rennen anstehen. Deshalb kann niemand davon ausgehen, dass das Fahren mit zu viel Leistung unentdeckt bleibt.

Tarnen, Täuschen und Betrügen hat im Motorsport eine lange Tradition!

Teams und Konstrukteure waren schon immer besonders einfallsreich, wenn darum ging, Regeln zu überwinden. Es sind oft die Kleinigkeiten, die „eigentlich bombensichere Tricks“ auffliegen lassen. Zu den schönsten Geschichten, an die mich kürzlich ein Freund erinnerte, gehört die „Bodenabstands-Verriegelung“. Sie geht auf Gustav Brunner zurück. Der Österreicher arbeitete Anfang der 1980er-Jahre beim Formel-2-Team Maurer Motorsport.

Das war die Zeit, als die Konstrukteure entdeckten, über den Unterboden einen Saugeffekt zu erzielen. Nach einigen schweren Unfällen verboten die Regelhüter diese Technik. Die damalige Sportkommission FISA schrieb einen Mindestabstand für den Fahrzeugboden vor. Dieser war damals jedoch nur an den Boxen zu messen. Deshalb fanden die Teams schnell Wege, um weiter mit weniger Bodenabstand zu fahren.

Denn nur so konnte der Unterboden weiterhin seine Saugwirkung entfalten. Gustav Brunner setzte dabei darauf, dass sich das Auto auf der Geraden durch den Fahrwind absenkte. Das war völlig normal und wurde über die Federraten reguliert. Nicht normal war, dass der Bolide von Mauer einen Hebel hatte. Mit diesem konnte der Pilot seinen Rennwagen„unten halten“. So konnte der Unterboden auch in mittelschnellen Passagen seine Saugwirkung entfalten.

Eje Elgh 1980 im Maurer-BMW MM80 (Foto: BMW)
Eje Elgh 1980 im Maurer-BMW MM80 (Foto: BMW)

Der Trick war, dass der Hebel nur funktionierte, wenn das Auto unten war. Nur dann lies sich die Arretierung vornehmen und auch lösen! An den Boxen war der Hebel wirkungslos. Das bemerkte lange niemand. Erst als einer der Piloten den Hebel auf der Strecke nicht lösen konnte, flog das Team auf. Jetzt fragen Sie sich bestimmt, was das alles mit der Disqualifikation des Porsche vom Team Manthey zu tun hat.

Die Überlegenheit des Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey war eindrucksvoll. Irgendwie erinnert mich das Durchfallen des Teams bei der Nachkontrolle an die „Bodenabstands-Verriegelung“. Denn heutige Rennmotoren sind auch digitale Meisterwerke. Wer weiß eigentlich, mit welcher Software zur Motorsteuerung die Teams auf der Strecke unterwegs sind? Kontrollieren lässt sich das erst nach dem Rennen.

Ging ein „Predictive-Maintenance“ schief?

Insofern frage ich mich, ob beim Porsche 911 GT3 R vom Team Manthey am Ende „nur“ ein digitaler Hebel klemmte. Informatiker kennen den Begriff der „Selbstheilenden Software“. Dieser Begriff umschreibt, wenn Software ihr Update selbst „schreibt“. Das Ziel dabei ist im Regelfall, Software zuverlässiger zu bekommen. Besonders im Zusammenhang mit dem Thema des autonomen Fahrens kam dieser Begriff in den letzten Jahren in Mode.

Im Dieselskandal hörten wir von der Existenz von Prüfstandserkennungen. Auch dies ist – entfernt – eine Art „Selbstheilender Software“. Womit wir wieder beim Thema der Disqualifikation sind. Die drückende Überlegenheit des Porsche auf der Strecke war genauso auffällig, wie der Leistungsabfall kurz vor dem Ende des Rennens. Lief der Rennwagen da möglicherweise schon im Prüfstandsmodus?

Nein, diese Überlegungen sind natürlich nur ein Gedankenspiel!

Wahrscheinlich werden wir in ein paar Tagen eine offizielle Erklärung vom Team hören. Da steht dann üblicherweise etwas von einem bedauerlichen Fehler, der einem Mitarbeiter passiert ist. Vielleicht vertauschte das Team auch nur die Steuergeräte. Schließlich ist GT3 heute nicht gleich GT3 – da ist der Überblick machmal schwierig. Trotzdem passt das Drama dieser Disqualifikation zum Gesamtbild! Und es stellt sich natürlich die Frage, ob der Verstoß gegen die BoP-Einstufung ein Einzelfall ist.

Schreib einen Kommentar