Auf dem Genfer Autosalon zeigt Volkswagen in diesen Tagen – neben dem neuen Golf Variant der 7. Generation – auch die Studie Golf Variant Concept R-Line. Dahinter verbirgt sich ein Kombi mit den Extras der R-Line. Wir prüfen, was sich dahinter verbirgt.

Die Geschichte der Kombinationskraftwagen hat in den vergangenen 25 Jahren eine erstaunliche Entwicklung genommen. Lange galten Kombis als Autos für Handwerker. Sie nutzten die Ladefläche zum Transport ihres Handwerkszeugs. Manchmal entschieden sich auch kinderreiche Familien die Transporter. Hersteller wie Peugeot oder Mercedes-Benz boten ihre Kombis deshalb meist mit einer dritten Sitzreihe an.

Doch im Kern blieben Kombis Lastesel, die meist klaglos halbe Handballmannschaften oder ebenso viele Farbeimer transportierten. So blieb es, bis BMW im September 1987 mit dem BMW 3er Touring den ersten richtigen Lifestyle-Kombi präsentierte. Denn auf einmal fuhren auch Leute einen Kombi, die man bisher eher für Coupé-Kunden gehalten hätte. Wo zuvor die Ladeflächen allenfalls mit Plastik abgedeckt wurden, wurde vornehmer Teppich Standard. Statt Farbeimern wurden nun hauptsächlich Golf- oder Tennistaschen eingeladen.

Damit entstand auch das Verlangen, mehr Leistung unter der Haube zu haben. Und ausgerechnet Trendsetter BMW verweigerte sich dem Trend. In München entstand zwar eine Studie, die dokumentiert wie ein BMW 3er Touring der Baureihe E46 ausgesehen hätte, doch am Ende überlies es BMW den Wettbewerber von Audi und Mercedes, mit leistungsstarken Kombis zu glänzen.

R oder R-Line? Jedem das Seine!

Wie passend, dass Volkswagen seit 2010 mit der Volkswagen R GmbH ein Kompetenzzentrum für sportliche und exklusive Automobile betreibt. Unter dem Label der R-Modelle bietet Volkswagen so viele seiner Fahrzeuge mit Extraleistung an. Wobei die Fahrzeuge dabei mit nur einfach ein Leistungsupdate erhalten, sondern in der Regel auch optisch stark von ihren Serienbrüdern abgegrenzt werden.

Golf Variant Concept R-Line
Golf Variant Concept R-Line (Foto: Volkswagen)

Dies gibt dann Spielraum für die Kunden, die ihre Fahrzeuge zwar optisch ebenfalls von den Serienfahrzeugen abgrenzen möchte, ohne dabei jedoch die Leistungsdaten zu verändern. Denn sie werden von der Volkswagen R GmbH mit der „R-Line“ bedient.

Die Studie Golf Variant Concept R-Line

Womit wir endlich den Bogen zur Studie Golf Variant Concept R-Line geschlagen hätten, die Volkswagen zurzeit auf dem Autosalon in Genf zeigt. Der Name „Golf“ steht bei Volkswagen längst für eine ganze Auto-Familie. Denn Volkswagen bietet als Golf neben dem bekannten Kompaktmodell längst auch ein Cabrio ohne festes Dach, einen Plus mit erhöhtem Dach sowie einen Variant genannten Kombi an.

Als Volkswagen im vergangenen Jahr den neuen Golf vorstellte, wurde deutlich, dass die Wolfsburger den unterschiedlichen Karosserievarianten mehr Eigenständigkeit als bisher üblich zugestehen. Damit folgt Volkswagen dem Trend zu einer gewissen Individualität, soweit das bei einem Massenseller wie dem Golf überhaupt möglich ist.

Mit der in Genf jetzt gezeigten Studie Golf Variant Concept R-Line treibt Volkswagen dieses Spiel noch etwas weiter. Die Studie setzt dazu auf eine modifizierte Front- und Heckpartie. Neu ist auch eine durchgängig schwarze Schwellerleiste, die sich in der Trendfarbe Hochglanzschwarz fast um das ganze Fahrzeug zieht. Dazu rollt die Studie auf 18-Zoll-Felgen mit Reifen der Dimension 225/40.

Auch den Innenraum der Studie haben die Entwickler der Volkswagen R GmbH neu eingerichtet. Die umfangreiche Lederausstattung ist zweifarbig. Neben Schwarz kommt ein „Space Blue“ genannter Farbton zum Einsatz. Wobei sich die Bezeichnung „Space“ vermutlich hauptsächlich davon ableitet, dass der Extremsportler Felix Baumgartner als Volkswagen-Markenbotschafter die Studie Golf Variant Concept R-Line in Genf dem Publikum vorstellte.

Fazit: leben und leben lassen

Ich erwarte von einem Golf wahrlich kein Lifestyle-Produkt. Auch wenn der Golf scheinbar genau dies inzwischen zu sein scheint. Für mich bleibt auch die Verbindung von Kombi und Styling ein Widerspruch. Insofern würde ich, wenn ich ein neues Auto bestellte, vielleicht einen Golf Variant auswählen. Aber die R-Line Pakete „Exterieur“ und „Interieur“, wie sie bei anderen Volkswagen-Modellen schon verfügbar sind, würde ich wohl eher nicht bestellen.

Aber ich kann jeden verstehen, der es doch macht.

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