Beim Stichwort „Goodwood“ denken Oldtimer-Freunde meist sofort an das „Festival of Speed“, das jedes Jahr in Juli fester Bestandteil vieler Reiseplanungen ist. Doch die Sunday Times hat diese Veranstaltung zu Recht einmal treffend als „Kreuzung zwischen dem Großen Preis von Monaco und Royal Ascot“ beschrieben. Daher fahren Freunde des historischen Rennsports meist zum „Goodwood Revival“, das in diesem Jahr vom 19. bis 21. September auf dem 1998 wiederbelebten Goodwood Circuit stattfindet.

Das „Goodwood Revival“, quasi die kleine Schwester des „Festivals of Speed“, hat sich seit der ersten Veranstaltung vor zehn Jahren prächtig entwickelt und gehört inzwischen zu den größten Oldtimer-Rennveranstaltungen der Welt. Gefahren wird auf dem 3,8 Kilometer langen „Goodwood Circuit“, der sich auf dem Gelände von „Goodwood House“ in der Nähe von Chichester in der Grafschaft West Sussex, England befindet.

Die Geschichte des Goodwood Circuits

Ende der 1930er Jahre requirierte das britische Luftfahrtministerium Teile des Geländes der Schlossanlage von „Goodwood House“, um einen Ausweichlandeplatz für den RAF-Flugplatz Tangmere zu bauen. Rund um die Landebahnen wurde eine Ringstraße gebaut, die nach dem Ende des Kriegs die Grundlage für die Rennstrecke, den „Goodwood Circuit“ bilden sollte.

Schnell wurden auf dem „Goodwood Circuit“ zahlreiche Rennen bis hin zur Formel 1 gefahren. In den 1960er Jahren genügte die sehr schnelle Strecke jedoch nicht mehr den gestiegenen Sicherheitsanforderungen. Am 23. April 1962 hatte Stirling Moss, der bereits 1948 beim Eröffnungsmeeting in Goodwood am Start war, auf dem „Goodwood Circuit“ einen schweren Unfall, in Folge dessen er seine Karriere beendete.

Pläne für einen Umbau wurden erstellt. Doch Frederick Charles Gordon-Lennox, der Besitzer der Anlage, wollte das Layout der Strecke nicht durch Schikanen „zerstören". Daher wurde der offizielle Rennbetrieb schließlich im Sommer 1966 aus Sicherheitsgründen eingestellt.

Der „Goodwood Circuit“ wurde jedoch weiterhin als Teststrecke verwendet. So auch am 2. Juni 1970 als Bruce McLaren am Steuer eines von ihm konstruierten CanAm-Rennwagen in Goodwood tödlich verunglückte. Im Anschluss verfiel Goodwood Circuit in eine Art „Dornröschenschlaf“.

Nach dem großen Erfolg des „Festival of Speed“, bei dem auch ein Bergrennen im Schlosspark zum Programm gehört, wurde der Goodwood Circuit inklusive der Tribünen, der Boxenanlage sowie dem Rennleitergebäude umfangreich restauriert. Charles Gordon-Lennox, Earl of March und Kinrara, besser bekannt als Lord March, der Enkel des Streckengründers, legte dabei Wert auf einen möglichst originalgetreuen Wiederaufbau.

1998 feierte der „Goodwood Circuit“ mit dem ersten „Goodwood Revival“ seine Wiederbelebung. Zahlreiche zeitgenössisch gekleidete Zuschauer und feine Starterfelder seitdem ermöglichen eine Zeitreise, die bei anderen Oldtimerveranstaltungen so nicht möglich ist. Bei britischen Oldtimerfans gelten der „Goodwood Circuit“ und das „Goodwood Revival“ inzwischen als Herz des historischen Motorsports in England.

Der Motorsport beim „Goodwood Revival“ 

Geboten wird hochkarätiger Sport mit zahlreichen interessanten Fahrzeugen. Im Rahmen der „Earl of March Trophy“ gehen Rennwagen der Formel 3 im Reglement der Jahre 1948 bis 1959 an den Start. In diesen kleinen Einbäumen mit ihren 500ccm-Motorrad-Motoren von JAP, Norton oder BMW haben zahlreiche Motorsport-Legenden wie Stirling Moss, Ken Tyrrell und John Cooper ihre ersten Motorsporterfahrungen gesammelt.

Formel 3 im Reglement der Jahre 1948 bis 1959 beim Goodwood Revival, Foto: Goodwood Estate Co. Ltd
Formel 3 (Reglement 1948 bis 1959) beim Goodwood Revival, Foto: Goodwood Estate Co. Ltd

Außerdem werden die Boliden der 1,5 Liter Formel 1, die von 1961 bis 1965 die Königsklasse des Motorsports bildeten, beim „Goodwood Revival“ ausgeführt. Dabei streiten Fahrzeuge von ATS, Brabham, BRM, Cooper, Lola, Lotus und Scirocco um die „Glover Trophy“. Sowohl die 1,5 Liter Formel 1, als auch die Formel 3 der Jahre 1948 bis 1959 kann bei anderen historischen Veranstaltungen nicht bewundert werden. Ihre Starterfelder gehören damit zu den absoluten Highlights des „Goodwood Revivals“.

Sonntags gehört das Hauptrennen den GT-Rennwagen

Auch im Bereich der GT- und Sportwagen hat das „Goodwood Revival“ selbstverständlich eine Menge zu bieten. Im Rennen um die „Freddie March Memorial Trophy“fahren Sportwagen vom Schlage eines Aston Martin DB2 oder DB3S gegen zahlreiche Ferrari, Frazer Nash, HWM, Jaguar C-Type oder Maserati A6GCS. Das Starterfeld erinnert damit an das von 1952 bis 1955 auf dem „Goodwood Circuit“ durchgeführte „9 Stunden Rennen“.

Im Hauptrennen des Sonntags, dem „Royal Automobile Club TT Celebration Race“treten geschlossene GT-Rennwagen der Jahre 1960 bis 1964 an. Sie erinnern an die Tourist Trophy, einem „9 Stunden Rennen“, das zum festen Bestandteil des Rennkalenders auf dem „Goodwood Circuit“ gehört hat. Der Wert des Starterfelds, das sich u.a. aus zahlreichen Ferrari der Typen 250GT SWBs, 250GTOs sowie 330LMBs, einigen Jaguar E-Type oder AC Cobras und Shelby Daytonas sowie Aston Martin DB4GT Zagatos und Sunbeam Lister Tigers zusammensetzt, wird auf 30 Millionen britische Pfund geschätzt.

In den Starterfeldern und an der Strecke tummeln sich beim „Goodwood Revival“ zahlreiche Prominente. So tritt zum Beispiel Rowan Atkinson mit einem Jaguar Mk VII in der „St Mary's Trophy“an. Dabei trifft „Mr. Bean“auf Stirling Moss sowie den fünfmaligen Le Mans Sieger Derek Bell, die ebenfalls einen Jaguar steuern. Ex-Formel-1-Fahrer und Sportwagen-Legende Arturo Merzario tritt in diesem Rennen mit einem Fiat Abarth 600 an, der langjährige Arrows-Formel-1-Teamchef Jackie Oliver mit seinem Austin A35.

Daten und Fakten zum „Goodwood Revival“

Das „Goodwood Revival“ findet vom 19. bis 21. September 2008 statt. Zum Programm gehören neben den Rennen für Autos und Motorräder zudem eine Flugschau mit historischen Flugzeugen sowie eine Parade historischer Wohnwagengespanne. Eintrittskarten können nur im Vorverkauf erworben werden. Tageskarten kosten £47. Das Wochenendticket kostet £99. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Goodwood Estate Co. Ltd, der wir für die Bereitstellung des Fotomaterials danken.

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