Von Zeit zu Zeit stellen wir hier Bücher vor, die im Bücherschrank des Motorsport-Freunds einfach nicht fehlen dürfen. Bisher haben wir dabei meist Neuerscheinungen vorgestellt. Doch was ein richtiger Sammler ist, der interessiert sich auch für Bücher, die vielleicht nicht mehr ganz neu sind. Denn echte Perlen sind oft erstaunlich zeitlos. „Grand Prix Piloten – Ihr Weg nach oben“ von Helmut Zwickl ist so ein Fall.

Cover: Helmut Zwickl - Grand Prix Piloten - Ihr Weg nach oben
Cover: Helmut Zwickl – Grand Prix Piloten – Ihr Weg nach oben

Auf 138 Seiten stellt hier 1972 einer der besten deutschsprachigen Motorsportjournalisten aller Zeiten 19 Formel 1 Fahrer vor. Von Chris Amon und Mario Andretti, über Mike Hailwood und Graham Hill bis zu Jackie Stewart, Rolf Stommelen und John Surtees stellt Zwickl, der seit 2005 über eine lebenslange Akkreditierung für die Formel 1 verfügt, wichtige Piloten dieser Zeit vor. Flüssig und gut geschrieben erfährt der Leser Hintergrundinformationen zu den Piloten und ihren Werdegängen.

Helmut Zwickl beweist dabei Nähe zu den Piloten, ohne die Distanz zu verlieren. Ein Stil, der den Österreicher bis heute auszeichnet. Zu François Cevert, dessen tödlicher Unfall sich in diesem Jahr zum 40-mal jährt, erfährt der Leser Details der Karriere, die heute gern vergessen werden. Denn der Franzose hätte vielleicht schon einige Jahre früher den internationalen Motorsport aufmischen können, wenn sein einflussreicher Vater, ein Pariser Juwelier, nicht die Nominierung in den Nachwuchskader des vornehmen Pariser Argosy-Clubs verhindert hätte.

Radio Europa und Ford Frankreich verteilte 1964 an interessierte französische Klubs 20 Lotus Seven, die damit Nachwuchspiloten zu Rennen schicken sollten. Der Pariser Klub wollte, wie wir von Helmut Zwickl erfahren, abwechselnd Henri Pescarolo und François Cevert die Rennen bestreiten lassen. Doch irgendwie bekam Ceverts Vater Charles Goldenberg von der Sache Wind und verhinderte den Start. So stieg Cevert erst zwei Jahre später – nach dem Ende seines im deutschen Weingarten abgeleisteten – Wehrdiensts in den Motorsport ein.

Wer den Bericht über Jean-Pierre Beltoise liest, erkennt heute, dass sich Geschichte manchmal wiederholt. Denn ähnlich wie Robert Kubica zog sich der Franzose bei einem Unfall schwere Verletzungen an einem Arm und einem Bein zu. Der Franzose, der übrigens mit der älteren Schwester von François Cevert zwei Söhne hat, leidet bis heute unter Einschränkungen, die er sich 1964 am Steuer eines 1,3 Liter Coupé von René Bonnet beim 12-Stunden-Rennen für Sportwagen in Reims zuzog.

Genauso wie heute Kubica arbeitete einst auch Beltoise lange und beharrlich für sein Comeback und schaffte es schließlich trotz seiner Behinderung bis in die Formel 1. Kubica testete in dieser Woche einen Mercedes-Benz aus der DTM und kann sich – vielleicht ist die Formel 1 heute mit diesen körperlichen Einschränkungen doch unerreichbar – inzwischen gut ein Engagement in der DTM vorstellen, um endlich wieder auf die Strecke zurückzukommen.

Das Buch „Grand Prix Piloten – Ihr Weg nach oben“ ist auch heute noch wert, gelesen zu werden. Es sollte aus meiner Sicht im Bücherschrank des Motorsport-Freunds nicht fehlen. Im Internet kostet es rund 10€.

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