Mit Hans Mezger feiert einer der ganz Großen des Rennsports in dieser Woche seinen 80. Geburtstag. Kaum ein Ingenieur hat so lange und erfolgreich Rennmotoren konstruiert wie der Schwabe. Mehr als vier Jahrzehnte siegten Rennwagen mit Motoren, deren Konstruktion Hans Mezger maßgeblich prägte.

Und diesen Erfolgen trug Mezger ganz wesentlich zum Aufstieg der Firma Porsche bei. Denn als Hans Mezger nach dem Abitur und einem Maschinenbaustudium 1956 bei Porsche als Motorenentwicker eine Anstellung fand, hatte Porsche noch keine 10.000 Autos hergestellt. Das Sportprogramm bestand aus dem Porsche Spyder 550, der im gleichen Jahr mit einem Erfolg bei der Targa Florio den bis dahin größten Erfolg für Porsche im Motorsport erzielen konnte. Dessen Motor vom Typ 547 hatte noch Ernst Fuhrmann entwickelt, der allerdings kurze Zeit später Porsche verlassen sollte.

Einstieg mit einem Formel 1 Motor

Hans Mezger übernahm die Weiterentwicklung dieses als „Fuhrmann-Motor“ bekannten luftgekühlten 4-Zylinder-Boxermotors, der im Porsche Spyder 550 noch rund 110 PS leistete. Beim Einsatz im Formel 2 Porsche 718 bzw. 787 stieg die Leistung auf rund 165 PS an. 1962 folgte dann der erste echte „Mezger-Motor“. Für den Formel 1 Porsche 804 konstruierte Hans Mezger einen 1,5 Liter-Achtzylindermotor, der – ganz nach Art des Hauses – als Boxermotor ausgelegt wurde.

Bestückt mit vier Nockenwellen (zwei auf jeder Seite), die von Königswellen angetrieben wurden, leistete der Motor rund 180 PS bei 9200 Umdrehungen pro Minute. Mit Dan Gurney am Steuer feierten Porsche und Hans Mezger mit diesem Motor beim Großen Preis von Frankreich 1962 ihren ersten Grand Prix Sieg.

Die Turbo-Jahre

Als nächster „Mezger-Motor“ gilt der legendäre Sechszylinder-Boxermotor des Porsche 911, der den Vierzylinder-Boxer des 356 ablöste und Basis für die Motorisierung aller folgenden 911er-Generationen war. Mitte der 1970er-Jahre bestückte Hans Mezger diesen Motor mit einem Turbo. Im intern Porsche 930 genannten 911 Turbo leistete der 3 Liter-Motor so 260 PS. Damals ein viel beachteter Wert. Der notwendigen Erfahrungsschatz im Umgang mit der Turbo-Aufladung hatte sich Mezger mit dem Zwölfzylinder-Triebwerk des Rennwagens Porsche 917 angeeignet. Dieser stellte 1973 in der CanAm-Ausführung bis zu 1.200 PS zur Verfügung und diente als rollendes Labor.

Im Laufe Jahre arbeitete Hans Mezger an allen wichtigen Rennmotoren und Rennwagen des Hauses Porsche mit. Ob im Porsche 917, 935, 936 oder 956/962 – Hans Mezger war für die Triebwerke dieser erfolgreichen Rennwagen verantwortlich. Kein Wunder also, dass der erfahrende Ingenieur in den frühen Achtziger Jahren von seinem Arbeitgeber mit einem besonderen Kundenauftrag betraut wurde. Für das britische McLaren Team konstruierte Mezger den „TAG-Turbo made by Porsche“. Ein Formel 1-Antrieb, der aus nur 1,5-Liter Hubraum bis zu 1.000 PS Leistung schöpften konnte. Von 1984 bis 1986 dominierte der im Porsche Entwicklungszentrum in Weissach produzierte Motor die Königsklasse des Rennsportes und erzielte mit Niki Lauda (1984) und Alain Prost (1985,86) drei Formel-1-Weltmeisterschaftstitel in Folge.

Mit Porsche bis heute verbunden

1994 ging Hans Mezger in den Ruhestand. Der Marke Porsche blieb der Pensionär jedoch auch darüber hinaus eng verbunden. Bis heute besitzt er einen Porsche 911 Carrera. Und Porsche ist Hans Mezger eng verbunden. So lobte Porsche-Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer vor wenigen Tagen den Jubilar: „Hans Mezger zählt zu den wichtigsten Ingenieuren unserer Unternehmensgeschichte. Während vier Jahrzehnten siegten unsere Rennwagen mit von
Hans Mezger konstruierten Motoren und machten die Marke Porsche weltweit zu einem Synonym für Sportlichkeit.“

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