FIAT stellte 1937 auf dem Autosalon in Genf die Serienversion des Fiat 500 vor. Der Kleinwagen wurde in seiner Heimat meist liebevoll Topolino (zu deutsch: Mäuschen) genannt. Nebenbei geriet der 500er zum Begründer der Kleinwagen-Tradition des Hauses. Gleichzeitig prägte der 500er die Zeitgeschichte, weil auch seine Fabrik ein Meilenstein der Industriegeschichte ist.

Bis in die 1930er-Jahre galt das Auto als Spielzeug der besseren Gesellschaft. An eine Motorisierung der Massen, wie wir es heute kennen, dachten allenfalls kühne Optimisten. Ein wichtiger Schritt zur Massenmotorisierung war die von Henry Ford eingeführte Fließbandfertigung. Sie machte zum Beispiel auch in Deutschland die Produktion des Opel Laubfrosch erst wirtschaftlich.

Gleichzeitig wurde die Idee des Autos für die Massen besonders in Deutschland und Italien von den faschistischen Machthabern unterstützt. Allerdings wohl weniger aus wirtschaftlichen Gründen, sondern eher, um über genügend ausgebildete Kraftfahrer für die Umsetzung militärischer Eroberungsstrategien zu verfügen. Das Ingenieurbüro von Ferdinand Porsche übernahm es 1933 in Deutschland, einen Volkswagen zu konstruieren.

Ebenfalls 1993 setzte auch südlich der Alpen FIAT-Präsident Giovanni Agnelli (Senior) den 28 Jahre alten Ingenieur Dante Giacosa darauf an, ein kleines, sparsames und vor allem bezahlbares Auto zu konstruieren. Dies war auch deshalb ein mutiger Schritt, weil sich Giacosa und seine Mannschaft zuvor mit der Konstruktion von Flugzeugen beschäftigt hatten.

569 ccm und vier Zylinder – FIAT 500 Topolino

Giacosa definiert zunächst die Eckpunkte des neuen Fahrzeugs. Entscheidet sich für einen Vierzylinder-Viertaktmotor mit 569 ccm, der – vorne eingebaut – ganz klassisch die Hinterräder antreibt. Einen Frontantrieb, der zeitweise zur Diskussion steht, hält der Ingenieur für noch nicht ausgereift. Für den „Zero A“ (für „Aviazione“) genannten Prototypen entwirft der Designer Rodolfo Schaeffer eine zweitürige Karosserie. Dank ihr wirkt der 3,21 Meter lange Kleinwagen schnörkellos.

FIAT 500 Topolino
Die Technik des FIAT 500 Topolino im Überblick (Foto: FIAT)

Der Prototyp verfügt über die zeitgenössisch aufgesetzten Frontscheinwerfer sowie ein auf dem Heck befestigtes Ersatzrad. Beides Details, die später für den Spitznamen „Topolino“ sorgen sollen. Denn die Scheinwerfer erinnern an die Ohren der Micky Maus. Zudem platziert deren Erfinder Walt Disney in seinen Comics ebenfalls gern Ersatzräder auf dem Heck der gezeichneten Autos – wenn dort nicht schon der Schwiegermuttersitz positioniert ist.

Giovanni Agnelli ist sofort begeistert, als man ihm den Prototypen 1934 präsentiert. Der FIAT-Präsident genehmigt die Serienproduktion. Auch bei FIAT weiß man zu dieser Zeit, dass sich der neue Kleinwagen nur mit der Fließbandfertigung wirtschaftlich fertigen lässt. Fiat erweitert das Werk im Turiner Stadtteil Lingotto, wo die berühmte fünfgeschossige Fabrik mit der Teststrecke auf dem Dach steht. Eine Fabrik, die Industriegeschichte schreibt und zu einem Monument der Automobilhistorie wird; im Film „The Italian Job“ gibt es tolle Fahraufnahmen von Dach des Werks.

Bis 1948 wird FIAT den Geniestreich FIAT 500 Topolino schließlich, abgesehen von kleinen Änderungen an der Hinterachse, fast unverändert fertigen. Dann gibt es einen neuen Motor und ein Jahr später überarbeitet man auch die Karosserie grundlegend. Bis 1955 entstehen schließlich insgesamt 510.000 Exemplare des ersten FIAT 500 gebaut. Damit verändert der Topolino in Italien das Straßenbild, da sich nun erstmals auch Angestellte und Facharbeiter ein eigenes Auto leisten können. Mit 13 PS und einer Höchstgeschwindigkeit erobern sie im FIAT 500 Topolino die Welt – friedlich und nicht als Soldaten.

Schreib einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.