Daimler-Benz präsentierte 1929 in Genf mit dem Mercedes-Benz SSK so etwas wie den Supersportwagen seiner Zeit. Ein Fahrzeug, das die damalige Rennsporttechnologie auch auf der Straße erfahrbar machte. Drei Jahre nach der Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG entstand dabei ein Mythos, dem sich Auto-Freunde auch heute nur schwer entziehen können.

Der Mercedes SSK war der Endpunkt einer Entwicklung, die nicht mit einem reinen Sportwagen begann. Schon fünf Jahre vor der Premiere des SSK brachte die Daimler-Motoren-Gesellschaft 1924 mit dem Mercedes 24 einen sechssitzigen Tourenwagen auf den Markt, der heute als Ur-Großvater des SSK gilt. Den Antrieb besorgte ein 6,2 Liter großer Sechszylinder-Reihenmotor, dessen obenliegende Nockenwelle eine Königswelle antreibt. Ein zuschaltbares Roots-Gebläse haucht dem Motor bei Bedarf 140 PS ein. Nach der Verschmelzung mit Benz & Cie. wurde das von Ferdinand Porsche konstruierte Modell zunächst in Mercedes-Benz Typ 630 umbenannt.

Vom K zum S …

Gleichzeitig führte man unter den Namen „Modell K“ einen 630er mit einem verkürzten Radstand (3400 mm anstatt 3750 mm) als viertürigen Sport-Viersitzer und zweitürigen Roadster an. Bei diesen Fahrzeugen für den sportlichen Selbstfahrer nutzte Mercedes-Benz erstmals drei nach außen geführte Metallschläuche als Bestandteil der Abgasführung. Ein Detail, das typisch für die nachfolgenden Mercedes-Benz-Kompressorwagen werden sollte. Obwohl sich auch der Typ K (für „kurz“) in den Händen von Rennfahrern wie Willy Walb oder Rudolf Caracciola als konkurrenzfähig erwies, entwickelte man den „Typ K“ schnell zum „Typ S“ (für Sport) weiter.

Mercedes-Benz Typ SSK, Haubenriemen und seitliche Auspuffrohre
Mercedes-Benz Typ SSK, Haubenriemen und seitliche Auspuffrohre (Foto: Daimler AG)

Bei diesem Sportmodell senkte Mercedes-Benz den Rahmen im Vergleich zum Typ K erheblich ab und überarbeitete das Fahrwerk. Dazu vergrößerte man den Motor auf 6,8 Liter Hubraum. Der S ist – wie alle Rennwagen seiner Zeit – groß, stark und mächtig. Die Werkswagen von Mercedes-Benz sind weiß lackiert. An den Rennstrecken werden die Rennwagen daher die „Weißen Elefanten“ genannt.

… und vom S zum SS …

Mit einem neu entwickelten Motor wird aus dem S der SS – zu dieser Zeit weltweit ein Synonym für „Supersport“. Sein 7,1 Liter Aggregat mobilisiert mit zugeschalteten Kompressor bereits 250 PS bei 3300/min. Damit war die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Denn der SS bildet (endlich) die Grundlage für den SSK, bei dem der Radstand nochmals – auf nun 2950 Millimeter – verkürzt wurde.

… zum Mercedes SSK

Mercedes-Benz SSK
Die Grundlage des Mercedes-Benz SSK – der Rahmen und der Kompressormotor (Foto: Daimler AG)

Zunächst als Einsatzgerät am Berg, Bergrennen waren in den 1920er und 1930er-Jahre äußerst beliebt, entwickelt, erwies sich der Mercedes SSK („Supersport kurz“) bald auch auf anderen Strecken als extrem konkurrenzfähig. Rudolf Caracciola gewann mit dem SSK im April 1929 den erstmals ausgetragenen Großen Preis von Monaco. Im August 1929 folgte ein bravouröser Sieg bei der „International Tourist Trophy“ in Irland, wo Caracciola im strömenden Regen eines seiner Meisterstücke ablieferte.

Entstanden als Motorsportgerät für die Werksrennfahrer, weckte der Mercedes SSK schnell auch bei Herrenfahrern seiner Zeit Begehrlichkeiten. Denn wer einen SSK an den Start bringt, der sichert sich damit bei vielen Veranstaltungen einfach gute Erfolgsaussichten. Mercedes-Benz stellt den Mercedes SSK im Frühjahr 1929 auf den Autosalon in Genf in die weltweite Auslage der Reichen und Schönen. Doch im Oktober 1929 beendet der „Schwarze Donnerstag “, der wohl folgenreichste Börsencrash der Geschichte, schlagartig die „Goldenen Zwanziger“. Der sündhaft teure Mercedes SSK blieb ein Sportgerät von dem schließlich weniger als 40 Exemplare entstehen.

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