Die erste Folge unserer Serie Formel-1-Legenden ist dem Australier Jack Brabham gewidmet, der als bisher einziger Fahrer den Titel des Formel-1-Weltmeisters mit einem selbst konstruierten Auto gewinnen konnte.

Die Liebe zum Motorsport entwickelte sich für den am 2. April 1926 Vorort des australischen Sydney geborenen Sir Jack Brabham erst als Liebe auf den zweiten Blick. Ein Bekannter der Familie bat den jungen Automobilingenieur um Hilfe bei der Konstruktion seines sog. Midget-Car-Rennwagens. Die Piloten, die diese extrem kleinen Rennwagen mit einem starken Motor in der Mitte ihres einfachen Rohrrahmens auf Sandbahnen steuerten, erklärte Brabham beim ersten Besuch einer Rennstrecke allesamt für „völlig Verrückte“.

Nur ein Jahr später verbot die Ehefrau des Bekannten Ihrem Mann die weitere Teilnahme an den Rennen. Fortan mische sich Jack Brabham selbst unter die Verrückten. Und er tat es erfolgreich. Bereits im ersten Jahr sicherte er sich den Meistertitel.

Brabhams Sprung nach Europa

In den 50er-Jahren zog es Brabham nach England, bis zum heutigen Tage das „Mekka“ des Rennsports. Ursprünglich plante Brabham dies nur als vorübergehenden Schritt, weil er hoffte in Europa Sponsoren für seine Projekte zu finden. Mit 29 Jahren nahm Brabham am Steuer eines privaten Maserati 250F seinen ersten Formel 1 Grand Prix unter die Räder. Kurze Zeit später erhielt „Black Jack", wie er von Kollegen genannt wurde, einen Vertrag als Werksfahrer beim damaligen Topteam von John Cooper.

Obwohl die Auto-Union-Grand-Prix-Fahrzeuge aus der Feder des genialen Konstrukteurs Ferdinand Porsche bereits in den 30er-Jahren die Siegfähigkeit des Mittelmotorkonzepts bewiesen hatten, sahen  Formel-1-Rennwagen in den 50er-Jahren anders aus. Es dominierten Fahrzeuge mit großen Frontmotoren. Die Rennwagen John Coopers waren der absolute Gegenentwurf. Hier war ein kleiner Motor, der ursprünglich für eine Feuerwehr-Spritze konstruiert wurde, in Gitterrohrrahmen als  Mittelmotor eingehängt. Ihr Hubraumdefizit machten die kleinen und leichten Cooper mit ihrem deutlich besseren Handling spielend wett.

Vom wilden Hengst zum Champion 

Brabham lernte mit den zerbrechlichen Fahrzeugen zu siegen und reifte schließlich schnell zum Champion. Er verlangte seinen Fahrzeugen stets nur so viel ab, wie er zum Siegen benötigte. Mit dieser Fahrweise sicherte er sich 1959 seinen ersten Titel als Formel-1-Weltmeister. Ein Jahr später verteidigte Brabham mit seinem Cooper den Titel.

1961 gründete Brabham sein eigenes Team die „Brabham Racing Organisation“. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Midget-Car-Teamkollegen Ron Tauranac, der Brahbam in dieser Zeit als rechte Hand stets zur Seite stand, führte Brahbam dieses Unternehmen zu einem großen kommerziellen Erfolg. Bereits einige Jahre später hatten die Beiden fast 1000 Rennwagen für die unterschiedlichten Rennformeln konstruiert, gebaut und verkauft.

Dem Chef und Namensgeber ermöglichte dieser kommerzielle Erfolg den Betrieb eines eigenen Formel-1-Teams, das ab 1962 nur noch eigene Fahrzeuge einsetzte. 1964 konnte sich der erste Brabham-Rennwagen mit dem Amerikaner Dan Gurney am Steuer in die Siegerlisten der Formel 1 eintragen. 1966 sicherte sich Jack Brabham mit seinem dritten Titelgewinn als erster und einziger Fahrer den Titel des Formel-1-Weltmeisters mit einem selbst konstruierten Auto. 1967 wurde Brabham hinter seinem angestellen Teamkollegen  Denny Hulme Vize-Weltmeister.

Brabhams Rücktritt in Raten 

Ursprünglich wollte Brabham nach der Saison 1969 vom aktiven Rennsport zurücktreten. Da Lotus-Chef Colin Chapman dem Brabham-Team jedoch den Österreicher Jochen Rindt wegschnappen konnte, verlängerte Brabahm – mangels eines Toppiloten im eigenen Team – seine Laufbahn um ein weiteres Jahr. Mit etwas Glück hätte Brabham auch in dieser Saison den Titel gewinnen können. Er viel mehrmals in Führung liegend aus; worauf der spätere Weltmeister Rindt den Sieg erbte.

Legendär ist der Ausfall beim Großen Preis von England in Brands Hatch. Brabham ging in der Schlußrunde in Führung das Benzin aus. Anstatt der vereinbarten acht Kannen Benzin hatte ein Mechaniker vor dem Start nur sieben Kannen eingefüllt. In der Formel 1 hält sich bis zum heutigen Tage das Gerücht, dass der Mechaniker der heutige McLaren-Chef Ron Dennis war.

Als Brabham sich Ende der Saison 1970 nach 126 Grand-Prix Rennen und 14 Siegen vom aktiven Rennsport zurückzog, war die Fachpresse überrascht, dass der bis dato als wortkarger Interviewpartner geltende Australier eine blendende und amüsante Rede hielt. Dabei machte Brabham seine zunehmende Gehörlosigkeit, die er auf den hohen Geräuschpegel der damaligen Motoren zurückführte, für seine sonst üblichen kurzen Antworten verantwortlich.

Leben als Privatier 

Nach dem Rückzug als aktiver Fahrer gab Brabham sein Team in die Hände seines Partners Ron Tauranac, der das Team jedoch bald an Bernie Ecclestone verkaufte. Dieser Gebrauchtwagenhändler aus London hatte sich selbst in den 50er Jahren erfolglos als Formel-1-Rennfahrer versucht. Als Teamchef hatte er mehr Erfolg und führte den Namen Brabham mit Nelson Piquet zu zwei weiteren WM-Titeln.

Jack Brabham zog sich zunächst auf seine Farm in der Nähe von Sydney zurück. Heute lebt der 1979 von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagene Pensionär in Surfers Paradise, Australien.

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