An diesem Wochenende fand die Silverstone Classic 2019 statt. Im Rahmen des großartigen Festivals des historischen Motorsports führte Jackie Stewart seinen Matra MS80 von 1969 aus.

Historischer Motorsport hat viele Facetten. Manchmal raufen die alten Fahrzeuge auch heute noch herzhaft. In anderen Fällen erinnert das Ausführen eines historischen Rennwagens an vergangene Großtaten. Wenn dabei noch der Pilot von damals ins Lenkrad greift, wird es schnell magisch. So wie bei der Ausfahrt von Sir Jackie Stewart, der an diesem Wochenende in Silverstone seinen Matra MS80 ausführte.

Jackie Stewart macht sich bereit, um den Matra MS80 auszuführen.
Jackie Stewart macht sich bereit, um den Matra MS80 auszuführen. Foto: Silverstone Classic

Denn vor genau 50 Jahren gewann der Schotte mit diesem Auto an gleicher Stelle erstmals den britischen Grand Prix. Der Sieg auf der superschnellen Rennstrecke in Northamptonshire war für Stewart damals ein wichtiger Schritt zum ersten WM-Titel. Mit ein paar durchaus flotten Runden im historischen Rennwagen erinnerte Jackie Stewart an diesem Wochenende an dieses Ereignis. Mehr als 100.000 Zuschauer säumten im Rahmen der Silverstone Classic gestern und heute den Streckenrand, um Stewart in seinem alten Rennwagen zu sehen.

Der Matra ist für mich ein besonderes Auto. Es ist immer ein echter Nervenkitzel, ihn wieder zu bewegen. Im Laufe der Jahre konnte ich ihn von Zeit zu Zeit fahren. Doch den Rennwagen nach 50 Jahren wieder in Silverstone zu fahren, holt viele glückliche Erinnerungen zurück.

Sir Jackie Stewart

Der Große Preis von Großbritannien 1969 gilt als eines der besten Rennen der Formel-1-Geschichte. Denn es war der ultimative Showdown zwischen Jackie Stewart und Jochen Rindt. Stewart fuhr vor 50 Jahren für das Team des knorrigen Holzhändlers Ken Tyrrell. Dessen Tyrrell Racing Organisation trat bereits Ende der 1950er-Jahre in kleineren Rennklassen an. 1968 stieg Tyrrell in die Formel 1 auf. In den ersten beiden Jahren vertraute das Team dabei auf Chassis von Matra.

Matra nutzte den Motorsport als Imageträger

Der französische Rüstungskonzern erwarb bereits 1964 die Sportwagenschmiede von René Bonnet. Matra kaufte in diesen Jahren zahlreiche Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen auf, um die eigene Abhängigkeit vom Rüstungsgeschäft zu reduzieren. Um das Ganze werblich zu begleiten, legten die Verantwortlichen ein umfangreiches Motorsport-Programm auf.

Jackie Stewart und der Matra MS80 - umlagert wie vor 50 Jahren
Jackie Stewart und der Matra MS80 – umlagert wie vor 50 Jahren

Für dessen Durchführung gründete Matra das Tochterunternehmen Matra Sports, das seinen Sitz in seinen Sitz in Romorantin-Lanthenay im Loiretal fand. Schon 1965 trat Matra in der Formel 3 an. Nur ein Jahr später stieg das Unternehmen in die Formel 2 auf. Es war das letzte Jahr der erst 1964 eingeführten 1-Liter-F2-Motoren. Matra fuhr mit Motoren von BRM. Damit hatte das Team einen schweren Stand gegen die überlegenen Fahrzeuge von Brabham und Lotus.

Mehr als Achtungserfolge gelangen zunächst nicht. Um die Entwicklung zu beschleunigen, stellte Matra auch Ken Tyrrell Formel-2-Rennwagen zur Verfügung. Tyrrell rüstete sie jedoch mit dem beliebten Cosworth SCA Triebwerk aus. Der auf einem Ford-Motorblock basierende Motor war besser als das BRM-Triebwerk. Weshalb bald auch das Werk zu Cosworth-Triebwerken griff. Ab 1967 fuhr die Formel 2 mit 1,6 Liter Hubraum und Matra intensivierte das F2-Projekt.

Matra International war sofort erfolgreich

Denn erstmals gab es eine Formel-2-Europameisterschaft. Jacke Ickx sicherte sich im Team von Ken Tyrrell, das unter dem Namen Matra International antrat, den Titel. Mit dem EM-Titel im Gepäck stiegen sowohl Werksteam Matra Sports als auch „Kunde“ Matra International in die Formel 1 auf. Matra entwickelte dafür zwei unterschiedliche Chassis. Denn während Matra Sports dem eigenen V12 vertraute, entschied sich Ken Tyrrell für den V8-Motor von Cosworth.

Schon 1968 gewann Jackie Stewart für Ken Tyrrell und Matra International drei Grand Prix-Rennen. Damit verpaßte der Schotte den WM-Titel nur knapp. Über den Winter entwickelte Matra einen neuen Rennwagen. Der Matra MS80 war der erste Rennwagen von Matra, den Konstrukteur Bernard Boyer von Anfang mit Flügeln konstruierte. Vorne gibt es zwei kleine Frontflügel. Am Heck trägt der MS80 einen Heckflügel.

Jackie Stewart treibt den Matra MS80 zum Titel

Jackie Stewart fuhr mit dem Matra MS80 überlegen zum Titel. Bereits das Debüt in Spanien entschied Stewart für sich. Nach einem Ausfall in Monaco gewann der Schotte drei Rennen in Folge. Nach Siegen in den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien war klar, dass der Titel 1969 nur über den Schotten führt. Wobei zumindest das Rennen in Silverstone kein Selbstgänger war. Denn Jochen Rindt ging im Lotus 49B vom besten Startplatz ins Rennen.

Jackie Stewart 1969 im Matra-Ford auf dem Nürburgring beim Großen Preis von Deutschland
Jackie Stewart 1969 im Matra-Ford auf dem Nürburgring beim Großen Preis von Deutschland – Foto: Lothar Spurzem

Bis zur 62. Runde lieferten sich der Österreicher und Stewart ein heißes Duell um die Spitze. Mehr als 30-mal tauschten die beiden Ausnahmepiloten die Plätze. Erst nach der Halbzeit des Rennes konnte sich Rindt etwas absetzen. Doch dann gab es ein Problem mit dem Heckflügel des Lotus. Ein Teil des Flügels schleifte am Hinterreifen. Stewart warnte Rindt mit Handzeichen. Der Österreicher steuerte die Boxen an, um den Schaden reparieren zu lassen.

Der Große Preis von Großbritannien 1969 war eines der aufregendsten und angenehmsten Formel-1-Rennen, das ich je hatte. Jochen war einer meiner besten Freunde. Uns am Start nicht gegenseitig zu blockieren, erlaubte uns, uns vom Rest des Feldes zu lösen. … Fast jede Runde tauschten wir die Führung auf der Hangar Straight. Wir gingen mit 155mph in die Woodcote Ecke, die damals noch keine Schikane war. …. Es war für uns beide ein fantastisches Rennen. Der Matra MS80 war ein wunderbares Auto.

Sir Jackie Stewart

50 Jahre später saß Jackie Stewart an diesem Wochenende wieder in Silverstone im Cockpit des Matra MS80. Dabei erinnerte der dreimalige Weltmeister an das epische Duell mit Jochen Rindt. Nebenbei kämpfte der dreimalige Weltmeister für eine gute Sache. Denn Stewart sammelte mit den Runden auch Geld für Race Against Dementia. Diese Stiftung, die Stewart gründete, sammelt Geld für den Kampf gegen Altersdemenz.

Schreib einen Kommentar