In jungen Jahren erwarb sich James Hunt den zweifelhaften Spitznamen „Hunt The Shunt“. Später züchtete er mit großer Leiderschaft Wellensittiche. In der zwölften Ausgabe der Serie „Formel-1-Legenden“ werfen wir einen Blick auf seine Karriere.

James Simon Wallis Hunt wurde am 29. August 1947 im englischen Belmont als Sohn eines erfolgreichen Börsenmaklers geboren. Dieser wollte, dass der Sohn Mediziner wird. Doch mit knapp 18 Jahren sah James erstmals ein Autorennen. Kurze Zeit später baute James Hunt einen Mini zu seinem ersten Rennwagen um. Der Mini war zwar schnell aber nicht sehr zuverlässig. Daher wechselte Hunt zunächst in die Formel Ford und dann weiter in die Formel 3. Dort erwarb er sich bald den Ruf eines schnellen Nachwuchsfahrers. Doch seine wilde und agressive Fahrweise galt genauso schnell als unfallträchtig.

Ein Beispiel lieferte Hunt am 3. Oktober 1970. Bei der „Daily Express F3 Trophy“in Crystal Palace lieferte sich Hunt einen harten Zweikampf mit Dave Morgan. Ihre Rennwagen berührten sich mehrfach. Morgan wollte in der letzten Runde Hunt auf der Außenseite einer Kurve überholen. Diesmal blieb es nicht beim einfachen Lackaustausch. Beide konnten das Rennen nicht fortsetzen. Wütend stieg Hunt aus, lief zu seinem Unfallgegner und schlug heftig auf ihn ein. Erst das beherzte Eingreifen der Streckenposten verhinderte einen Knock-Out.

Für die Presse war der Fall klar!

Diesem James Hunt war die Sicherung rausgesprungen. Daher nannte sie den Nachwuchspiloten in der Folgezeit nur noch: „Hunt The Shunt“- Hunt der Kurzschluß. Trotzdem gelang Hunt der Aufstieg in die Formel 2. Dort wurde Hunt im March-Team des heutigen FIA-Präsidenten Max Mosley Werkspilot. Doch die Verbindung hielt nur wenige Rennen.

Vom Treffen mit einem Gleichgesinnten

Während der folgenden Arbeitslosigkeit lernte James Hunt den Engländer Thomas Alexander Fermor-Hesketh kennen. Dieser Träger eines alten Adelstitels hatte, gerade 22 Jahre alt und mit einem stattlichen Erbe ausgestattet, kurz zuvor ein Rennteam gegründet. Damit wollte Lord Hesketh möglichst viel Spaß haben. Mit James Hunt traf der junge Lord wohl auf einen „Bruder im Geiste“. Denn beide waren für rauschende Feste und wilde Partys bekannt. Beide pflegten einen exzessiven Lebenswandel. Man verstand sich wohl prächtig.

Nach einigen gemeinsamen Rennen stellte Lord Hesketh fest, dass die Formel-1 im Vergleich zur Formel 2 – Anfang der 70er-Jahre – nur unwesentlich teurer wäre. Dafür versprach sie wesentlich mehr Beachtung! Denn sie bot dem jungen Teamchef gute Möglichkeiten, auch seinen Hubschrauber und seine Yacht regelmäßig der Öffentlichkeit vorzuführen.

Das Debüt in Monaco

Pünktlich zum Großen Preis von Monaco 1973 betraten James Hunt und das Hesketh-Team mit einem March 731 die Formel-1-Bühne. Angereist wurde ausschließlich im Rolls-Royce, das gesamte Team stieg in Fünf-Sterne-Hotels ab.  Im Fahrerlager sorgte die lustige Truppe rund um Lord Hesketh und James Hunt sofort für viel Aufmerksamkeit. Auf viele Beobachter wirkte die Truppe wie eine snobistische Jugendgruppe auf Party-Tour.

Doch hinter dem Projekt steckte eine erstaunliche Ernsthaftigkeit. Der bei March gekaufte Rennwagen wurde von Dr. Harvey Postlethwaite, der damals auch noch keine 30 Jahre alt war, überarbeitet und stark verbessert. Bereits beim zweiten Auftritt in Frankreich konnte sich die Truppe den ersten WM-Punkt gutschreiben lassen. Im Laufe der Saison folgten ein 4., 3. und 2. Platz. Am Saisonende belegte Hunt, obwohl er nur 7 der 15 Rennen bestritten hatte, in der Weltmeisterschaft einen guten 8. Platz.

1974 ging das Hesketh-Team erstmals auch mit einem eigenen Auto an den Start. Die Saison war von vielen Ausfällen gekennzeichnet. Immerhin konnte James Hunt in den 14 Rennen der Saison 1974 dreimal auf das Podest fahren. 1975 feierte Hunt beim Großen Preis der Niederlande in Zandvoort im Hesketh seinen ersten Grand Prix Sieg. Am Ende der Saison belegte er einen guten vierten Platz in der Fahrerweltmeisterschaft.

Der Wechsel zu McLaren

Zur Saison 1976 wechselte Hunt zu McLaren, wo man händeringend einen Nachfolger für Emerson Fittipaldi suchte, der zum Copersucar-Projekt seines Bruders Wilson Fittipaldi gewechselt war. In der turbulenten Saison 1976 konnte James Hunt sechs Grand Prix gewinnen. Dazu zählte auch der Große Preis von Deutschland auf der Nordschleife, bei dem Niki Lauda seinen Unfall hatte.

Beim Saisonabschluß in Japan kam es zu einem Finale zwischen Lauda und Hunt, die beide noch eine Chance auf dem WM-Titel hatten. Lauda gab das Regenrennen aus Sicherheitsgründen auf. Durch die Brandverletzungen am Auge war seine Sicht besonders eingeschränkt. Lauda überlies damit James Hunt kampflos den WM-Titel. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass Hunt im Sommer ein weiterer Sieg wegen eines Startunfalls gestrichen worden war. Insofern hat James Hunt den Titel 1976 durchaus verdient gewonnen.

Nach dem WM-Titel blieb Hunt noch zwei weitere Jahre bei McLaren. Während es 1977 immerhin noch zu drei weiteren Grand-Prix-Siegen reichte, entwickelte sich 1978 zu einer großen Katastrophe. Das Lotus-Team war mit seinem Lotus 79 drückend überlegen. McLaren-Teamkollege Patrick Tambay war im neuen McLaren M26 meist schneller.

Als James Hunt in Monza mit Ronnie Peterson einen seiner engsten Freunde verlor, sank die Motivation des Briten endgültig auf den Nullpunkt. Es war übrigens Hunt der den Schweden aus seinem brennenden Lotus zog, da die Streckenposten dazu nicht in der Lage waren.

Lange kämpfte Hunt mit sich, ob er seine Karriere überhaupt fortsetzen solle. Schließlich entschied er sich, noch ein Jahr im Wolf-Team zu fahren. Doch ohne größere Motivation brachte er die Saison nicht zu Ende. Nach dem Großen Preis von Monaco erklärte Hunt den Rücktritt vom aktiven Motorsport.

Die Zeit nach der Karriere

Bereits kurze Zeit später tauchte Hunt als TV-Kommentator der BBC wieder an den Strecken auf. Gemeinsam mit dem legendären Journalisten Murray Walker berichtete er kompetent, manchmal polemisch, aber immer ehrlich von den Rennen.

Im Privatleben kam Hunt weniger gut zurecht. Zwei Scheidungen erforderten viel Geld. Bald wurden Gerüchte von großen finanziellen Problemen laut. Zum Gottesdienst für Ex-Formel-1-Weltmeister Denny Hulme kam er mit einem Fahrrad.

In seiner Freizeit züchtete James Hunt mit großer Leidenschaft Wellensittiche und Papageien. Einer seiner Vögel sollte in einer Verfilmung des Romans Peter Pan mitspielen. Doch der Vogel weigerte sich standhaft, mit dem Schauspieler zu arbeiten.

Im Juni 1993 erlag James Hunt einem Herzinfarkt. Er wurde nur 45 Jahre alt.

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