Das ist, zugegeben auch für einen selbstbewussten Blogger, eine Verbindung, die erst einmal sacken muss. Auf dem Autosalon in Genf erweiterte Rolls-Royce Anfang des Jahres mit dem Wraith sein Angebot um einen zweitürigen Gran Turismo. Auto-Blogger Sebastian Bauer hatte vor einigen Tagen die Gelegenheit zur Testfahrt mit dem Wraith.

Als Sebastian mir vor einigen Tagen während der Creme21 von der Fahrt erzählte, weckte er mein Interesse. Obwohl ich ein großer Freund britischer Automobile bin, wusste ich bisher nur wenig über die Firma. Nebulös waberte die Firma Rolls-Royce in meinem persönlichen automobilen Wertesystem irgendwo zwischen der britischen Queen und dem Rotlicht-Milieu.

Ende der 1980er-Jahre muss es gewesen sein, als Christian und ich in Freistunden regelmäßig in einem damals in Kiel angesagten Szene-Lokal Billard spielten. Im Schatten des Handballtempels Ostseehalle verkehrte damals regelmäßig auch ein sog. „Wirtschafter“ der „Küste“, wie die halbe Meile sündiger Lokale und Etablissements in Kiel genannt wird. Seine Anwesenheit war nie zu übersehen, denn er parkte seinen silbernen Rolls-Royce meist direkt vor der Tür.

Und prägte damit mein Bild von der edlen Marke, deren Ursprünge sich bis in das Jahr 1884 zurückverfolgen lassen. Damals gründete der Ingenieur Frederick Henry Royce gemeinsam mit Ernest A. Claremont das Unternehmen F.H. Royce and Co., um Elektroanlagen zu bauen und zu vertreiben. Nach zehn Jahren wurde die Firma in Royce Ltd. umgewandelt. Henry Royce bleib als Vorstandsvorsitzender an Bord. Aus Unzufriedenheit über den „Firmenwagen“ bat Royce 1902/03 den Aufsichtsrat um Erlaubnis, selbst Autos zu bauen.

Royce bekam die Erlaubnis und baute drei Fahrzeuge

Das weckte das Interesse von Charles Rolls. Der Autohändler wollte sein Angebot um ein britisches Luxusauto erweitern. In den Fahrzeugen von Henry Royce sah Rolls das gesuchte Produkt. Dessen „Royce 10 hp“ erfüllte den hohen Anspruch des Händlers. Rolls übernahm 1903 den Exklusivvertrieb. Als sich abzeichnete, dass das Geschäftsmodell funktioniert, fusionierten beide Unternehmer 1906 „ihre“ Unternehmen zur Rolls-Royce Ltd. und verkauften schnell die Mehrzahl der anderen Unternehmensaktivitäten.

Neben dem Fahrzeugbau widmete sich die Firma „nur“ noch dem Bau von Flugzeugtriebwerken. Eine Aktivität, die auf Henry Royce zurückging. Denn der Unternehmer machte sich auch als Flugpionier einen Namen. Schon das erste Auto der Firma, der als „Silver Ghost“ bezeichnete „Rolls-Royce 40/50 hp“, erwarb schnell den Ruf, das beste Auto seiner Zeit zu sein. Ab 1911 trugen die Kühler der Fahrzeuge des Hauses eine geflügelte Frauenfigur, die heute legendäre „Spirit of Ecstasy“.

Fix etablierte sich das Unternehmen als Lieferant von Königen und anderen Mächtigen der Welt. Für sportliche Selbstfahrer erwarb Rolls-Royce 1931 den Konkurrenzen Bentley. Damit waren die Eckpunkte des Unternehmens festgeschrieben. Rund 40 Jahre überstand das Unternehmen alle Unwägbarkeiten und Konjunkturkrisen.

Doch nach einer Schieflage im Triebwerksbau musste das Unternehmen 1971 Insolvenz anmelden. Der britische Staat verhinderte ein Engagement ausländischer Investoren und verstaatlichte das Unternehmen. 1973 wurden aus dem Triebwerksbau und dem Autobau zwei unabhängige Unternehmen. Wobei allerdings die Namensrechte dem Triebwerksbauer zugeschlagen wurden, was einige Jahre später noch zu Verwicklungen führen sollte.

Die Kunden des Autobauers Rolls-Royce interessierte das nur wenig

Neben den angestammten Kunden des Hochadels und der Hochfinanz kauften immer auch bunte Vögel wie Bhagwan Shree Rajneesh, der „Modemacher“ Rudolph Moshammer oder eben unser Billard-Partner aus Kiel die Fahrzeuge aus Crewe, wo das Unternehmen seit 1946 seinen Sitz hatte. Sie lockte, dass das Unternehmen seine Autos individuell auf den Kunden zuschneidet und auch absurde Farbwünsche erfüllt.

Im Zuge der Reprivatisierung erwarb der Rüstungskonzern Vickers den Autobauer. Vickers geriet in den 1990er-Jahren in finanzielle Schwierigkeiten. Der Rüstungsbauer reichte den Fahrzeugbau „Rolls-Royce Cars“ an Volkswagen weiter. Doch den Wolfsburgern gelang keine Einigung mit dem Triebwerksbauer „Rolls Royce“. Der vergab die Lizenz zur Nutzung des Namens stattdessen lieber an BMW. Woraufhin die Münchener in Goodwood westlich von London ein völlig neues Unternehmen aufbauten, das die Tradition des Fahrzeugbaus der Marke „Rolls-Royce“ seitdem fortsetzt.

Mit Erfolg, denn 2012 verkaufte Rolls-Royce weltweit 3.575 Fahrzeuge. Zu einem Preis weit jenseits der 200.000 € Marke. Kein anderer Hersteller kann zurzeit in dieser Preisklasse mehr Autos verkaufen als Rolls-Royce. Besonders im Mittleren Osten, Russland und China ist Rolls-Royce erfolgreich. Ein Schelm, wer jetzt Böses denkt. Denn in einigen der Länder, in denen Rolls-Royce erfolgreich ist, trägt die Umverteilung des Volksvermögens teilweise unmoralische Züge. Was ja irgendwie auch einen Bogen in meine alte Heimat schlägt.

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