Heute startet „Rush – Alles für den Sieg“. Der Film des Oscar-Preisträgers Ron Howard dreht sich um die Rivalität zwischen Niki Lauda und James Hunt. Beide kämpften 1976 um den Titel des Formel 1 Weltmeisters. Bei einer Vorpremiere hatten Max und ich bereits Gelegenheit, den Film zu sehen.

Natürlich sind Rennsportfilme nie einfach. Denn das Publikum zu unterhalten ist das Eine. Aber bei dieser Gattung gilt es immer auch, die Rennsportfans zu befriedigen. Klassikern wie „Grand Prix“ von John Frankenheimer, „Le Mans“ mit Steve McQueen oder „Tage des Donners“ mit Tom Cruise und Nicole Kidman ist beides gelungen.

Auch „Indianapolis – Wagnis auf Leben und Tod“ (im Original Winning) mit Paul Newman und Robert Wagner schlägt sich nicht schlecht. Schon bei „Formel 1 – In der Hölle des Grand Prix“ von Guido Malatesta können die Fahrszenen nicht mehr mit der dünnen Handlung mithalten. Eine Katastrophe für Rennsport-Fans sind Filme wie „Driven“ mit Sylvester Stallone und Til Schweiger oder die Reihe rund um den verrückten Käfer „Herbie“.

Wie schlägt sich „Rush – Alles für den Sieg“?

Seit dem Start der Dreharbeiten warten Rennsport-Fans auf „Rush – Alles für den Sieg“. Als Hintergrund für den Film ist die Formel 1 Saison 1976 geschickt gewählt. Der schwere Feuerunfall von Niki Lauda beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring wurde durch das unglaubliche Comeback des Österreichers zum Mythos. Lauda ging, gegen den Rat der Mediziner, bereits 42 Tage nach dem Unfall wieder bei einem Grand Prix an den Start.

Niki Lauda im Ferrari 312 T2
Niki Lauda im Ferrari 312 T2 einen Tag vor seinem Unfall (Foto: Lothar Spurzem, Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Germany)

Die Zeitspanne zwischen dem Unfall und dem Comeback ist eine der Schlüsselszenen eines Films, dessen Handlung sich bis dahin eher schleppend entwickelt hat. In Großaufnahme werden die Brandwunden und das Absaugen der Lunge gezeigt. Teilweise so deutlich, dass es einige Zuschauer überfordert.

Ebenfalls viel Raum nimmt die Darstellung des Saisonfinales ein, als Niki Lauda im Regen von Fuji seinen Ferrari nach zwei Runden aus Sicherheitsgründen an den Boxen abstellte. Kampflos erlebte der Österreicher an den Boxen, wie James Hunt – mit einer zweifelsfrei starken Leistung – zum Titel fuhr. Nach dem Rennen lehnte es Lauda ab, dass die Scuderia Ferrari der Presse einen technischen Defekt als Ursache des Ausfalls nannte. Gradlinig und unbequem, wie der Österreicher ist, entschied sich Lauda in diesem Moment gegen das Risiko und wurde mit dieser Entscheidung zu einem der größten Sporthelden der Geschichte.

Der Film gibt dies alles im Wesentlichen richtig wieder.

Genauso wie Details, des Wettstreits zwischen Lauda und Hunt im Jahr 1976. Doch insgesamt wird die Rivalität überhöht, um die Spannung zu steigern. Zeiten und Personen gemixt, um für Unterhaltung so sorgen. Hunt und Lauda waren nicht, wie der Film es darstellt, von einer starken gegenseitigen Abneigung geprägt. In der Wirklichkeit haben sich Hunt und Lauda in den Anfangstagen ihrer Karriere in London sogar eine Wohnung geteilt.

James Hunt im Hesketh 308 beim Großen Preis von Großbritannien 1975
Keine Film-Szene: James Hunt im Hesketh 308 beim Großen Preis von Großbritannien 1975

Teilweise ist die Handlung sogar an den Haaren herbeigezogen. Im Film fährt Hunt schon 1970 für das Formel 3 Team von Alexander Fermor-Hesketh. Geschenkt, dass der exentrische Lord erst zwei Jahre später überhaupt in den Motorsport einstieg. Fiktion tritt an die Stelle der Realität, der Film verkommt zu einem Unterhaltungsfilm. Das geht, wie „Grand Prix“ und „Le Mans“ beweisen, auch in einem Rennsportfilm besser.

Eher in die Kategorie Unterhaltung passen auch viele der Fahraufnahmen. Die Szenen aus dem Formel 3 Rennen in Crystal Palace oder beim Großen Preis von Italien 1976 wirken teilweise wie aus einem Comic entnommen. Das ist dann leider mehr „Michel Vaillant“ oder „Taxi, Taxi“ als ein wirklich ernst zu nehmender Motorsport-Film. Bei vielen Aufnahmen erkennt der Fan, dass die Aufnahmen statt in Monza oder Paul Richard in Brands Hatch oder auf der Grand Prix Strecke des Nürburgrings erfolgten. Wenn Fixpunkte nicht stimmen, helfen auch keine digitale umfangreiche Bildbearbeitungen. So hat Monza im Film an den falschen Stellen Linkskurven und Paul Richard Hügel.

Insofern fällt das Fazit zu „Rush – Alles für den Sieg“ gespalten aus.

Für echte Rennsport-Fans hat der Film vermutlich zu viele Schwächen. Wer sich einfach unterhalten lassen will, der kann im Kino vor allem einen großartigen Daniel Brühl erleben. Unglaublich, wie der deutsch-spanische Schauspieler die Tonlage und den Akzent des Wieners Lauda trifft. Alleine dafür lohnen sich zwei Stunden im Lichtspielhaus.


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Tom wuchs als Kind der späten 60er-Jahre in einem ausgesprochen automobilen Umfeld auf. Das wirkt bis in die Gegenwart nach und ist ein guter Nährboden, um heute über Autos zu schreiben.

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