Der anstehende Große Preis von Spanien gibt uns die Gelegenheit, in unserer Reihe „Legenden der Formel 1“ Jochen Mass zu würdigen. Der gelernte Seemann feierte 1975 in Barcelona auf dem Stadtkurs von Montjuich seinen einzigen Grand Prix Sieg.

1946 in Dorfen bei München geboren, begann Mass 1968 mit Tourenwagen-Rennen. Nur zwei Jahre später stieg er in den Werkskader der Kölner Ford-Werke auf und gewann bereits 1971 am Steuer eines Ford Capri die Deutsche Rundstrecken-Meisterschaft. Ein Jahr später folgte – wieder am Steuer eines Ford Capri – der Titel des Tourenwagen Europameisters.

Im Sauseschritt an oben

Mass wechselte in der Formel 2 Europameisterschaft, wo er mit einem Surtees TS15 im schwedischen Kinnekulle und auf dem Hockenheimring zweimal siegreich war. Mit einigen weiteren Podestplätzen wurde Mass so 1973 hinter dem Franzosen Jean-Pierre Jarier Vizeeuropameisters der Formel-2. Teamchef John Surtees, der kurz zuvor seinen Helm an den berühmten Nagel gehängt hatte, ermöglichte Mass noch im gleichen Jahr drei Formel-1-Starts. In den kommenden neun Jahren sollten 103 weitere Grand-Prix-Starts folgen. Dabei gewann Jochen Mass insgesamt 71 WM Punkte, womit er für viele Jahre der erfolgreichste „Formel-1-Deutsche“war.

Mass fuhr ein Jahr für Surtees weitere Formel-1-Rennen. Ende 1974 verpflichtete der damalige McLaren-Teamchef Teddy Mayer den Deutschen. Bis Ende 1977 fuhr Mass an der Seite der Weltmeister Emerson Fittipaldi (72 und 74) und James Hunt (76) für das englische Team. Dabei sicherte sich Jochen Mass – unter traurigen Umständen – seinen einzigen Grand-Prix-Sieg.

Der Triumph wird zur Tragödie

1975 wurde der Große Preis von Spanien in Barcelona auf einem Straßenkurs ausgetragen. Die 3,79 Kilometer lange Strecke führte durch das spätere Olympiagelände, den Parque Municipal de Montjuich. Der Streckenzustand führte zu zahlreichen Protesten der Piloten, die wegen der schlecht oder gar nicht verankerten Leitplanken große Teile des Trainings boykottierten. Die Veranstalter drohten mit der Beschlagnahmung der Formel-1-Fahrzeuge. Bis auf den damals amtierenden Weltmeister Emerson Fittipaldi beugten sich schließlich alle Piloten diesem Druck und traten zum Rennen an.

Doch der 27. April 1975 stand unter keinem guten Stern.

In der Startrunde kollidierten die aus der ersten Startreihe gestarteten Ferrari von Niki Lauda und Clay Regazzoni. James Hunt übernahm die Führung und schied nach einem Unfall aus. Die Führung erbte Mario Andretti, der diese jedoch in der 17. Runde an Rolf Stommelen verlor. In der 26. Runde löste sich an Stommelens Lola T 370 der Heckflügel.

Der Kölner verlor die Kontrolle über seinen Boliden und prallte in die Leitplanken, hinter der die Zuschauer das Rennen verfolgten. Vier Zuschauer starben, neun weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Stommelen mußte mit zahlreichen Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Es dauerte ganze vier Runden bis das Rennen endlich abgebrochen wurde. In der Zwischenzeit hatte Jochen Mass die Führung übernommen und wurde daher anschließend als Sieger des Grand Prix von Spanien geehrt.

Bis 1982 sezte Jochen Mass seine Formel 1 Karriere fort. Im Training zum Großen Preis von Belgien führte ein Missverständnis mit Gilles Villeneuve zu einem verhängnisvollen Unfall. Im strömenden Regen will der Ferrari-Piloten den March von Mass passieren. Villeneuve zieht nach Rechts. Doch Mass hat den schnellen Canadier gesehen und will – ebenfalls – nach Rechts ausweichen. Dort kollidieren ihre Rennwagen. Gilles Villeneuve wird aus dem Ferrari geschleudert und stirbt an den Folgen des Unfalls.

Wechsel in die Sportwagen-WM

Jochen Mass zog sich kurze Zeit später endgültig aus der Formel 1 zurück. Da er bereits seit 1975 gelegentlich in der Sportwagen-Weltmeisterschaft am Start war, setzte Mass seine Karriere im Sportwagen fort. Hier war er mit insgesamt 32 Rennsiegen einer der erfolgreichsten Piloten aller Zeiten. 1989 gewann Jochen Mass mit einem Sauber-Mercedes das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Nach mehreren Vizeweltmeister-Titeln wird er Mentor junger Nachwuchsfahrer, die in den damaligen Gruppe C Sportwagen nach Höherem streben. Zunächst unterstützt er Stefan Bellof, 1990 im Mercedes-Team Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger. Ende 1991 beendete Jochen Mass seine lange Karriere. Der „Allrounder“ konnte als einer der wenigen Piloten in der Formel 3, Formel 2, Formel 1, im Sportwagen und im Tourenwagen Siege erzielen.


AutoNatives.de ist auch bei Facebook. Wir freuen uns über ein Like.


Infos zum Titelbild dieses Beitrags:
Sauber-Mercedes Gruppe-C-Rennsportwagen C 9

24 Stunden von Le Mans, 10./11. Juni 1989. Sauber-Mercedes Gruppe-C-Rennsportwagen C 9. Startnummer 63 - Sieger: Jochen Mass / Manuel Reuter / Stanley Dickens. (Foto: Mercedes-Benz)

Ähnliche Arikel: