Während beim 27. Internationalen Oldtimer Festival am heutigen Sonntag das 1.000 Kilometer für Oldtimer auf der Kombination aus Nordschleife und Grand-Prix-Strecke auf dem Programm stand, machten sich die Teilnehmer des „Kampf der Zwerge“ zufrieden auf den Heimweg. Denn hinter ihnen lagen zwei Tage Motorsport, wie er sein soll.

Im „Kampf der Zwerge“ fahren keine Egoisten, die ihren Erfolg auf der Strecke zur Not mit harten Manövern oder Betrug zu erzwingen versuchen. Beim „Kampf der Zwerge“ geht es auch nicht jedem Teilnehmer um die letzte Sekunde. Als Sport-Gemeinschaft will man den Spaß am sportlichen und schnellen Autofahren erleben. Und es fördert sicherlich auch die Disziplin, dass die Fahrern genau wissen, wie viele Stunden Arbeit sie in die Vorbereitung ihrer Fahrzeuge gesteckt haben.

Auf dieser Grundlage bietet das Feld, das sich aus den Teilnehmern der „British Car Trophy“, der „Abarth Coppa Mille“ und der „NSU TT Trophy“ zusammensetzt, den Zuschauern interessanten Motorsport. Insbesondere wenn die schnellen Minis – von kundiger Hand bewegt – auf drei Rädern durch die Kurven tanzen, geht meist ein bewunderndes Raunen durch das Publikum. Doch auch die anderen Kleinwagen wissen zu gefallen. Und so gehört der „Kampf der Zwerge“ an den Strecken regelmäßig zu den beliebtesten Rennserien.

Neue Mindestrundenzeit aus Frankfurt

Mini von kundiger Hand bewegt
   Der hebt schonmal das Bein 😉

Dies war auch beim 27. Internationalen Oldtimer Festival wieder einmal der Fall. Auch wenn die Sportkommissare mit einer nicht nachvollziehbaren Entscheidung in den „Kampf der Zwerge“ eingriffen. Aus Sicherheitsgründen gibt es bei Gleichmäßigkeitsprüfungen in der Regel eine Mindestrundenzeit. Wer schneller unterwegs ist, wird nicht gewertet. Er hat also u.U. Fahrspaß, muss dann aber auf den sportlichen Erfolg verzichten.

Beim Oldtimer Festival legten die Sportkommissare 2 Minuten und 50 Sekunden als Mindestrundenzeit fest. Für AutoNatives.de ist diese Entscheidung schwer nachvollziehbar. Denn in der beliebten Einsteigerserie „Gleichmäßigkeitsprüfung Nürburgring Nordschleife“ durften die Teilnehmer viele Jahre nicht weniger als 10 Minuten für die 20,83 Kilometer lange Runde benötigen. Würde man diese Vorgabe auf die Grand Prix Strecke übertragen, landet man bei einer Fahrzeit von 2:28 Minuten. Diese Zeit wird selbst bei perfektem Wetter wohl von einem der Teilnehmer der „Kampf der Zwerge“ zu unterbieten sein.

Und während auf der Nordschleife das Tragen eines Fahreranzugs genauso wie der Einbau eines Überrollkäfigs nur eine Empfehlung darstellt, sind diese Sicherheitseinrichtungen im „Kampf der Zwerge“ längst Pflicht – ebenso wie Mehrpunktgurte, Feuerlöscheinrichtungen oder Notausschalter. Der Vergleich zeigt, dass die von den Sportkommissaren vorgegebene Mindestrundenzeit den Zwergen nicht gerecht wird. Es bleibt zu hoffen, dass die Sportkommissare in Frankfurt ein Einsehen haben und in Zukunft für die Grand Prix Strecke eine geeignetere Minimalfahrtzeit vorgeben.

Gefahren wurde trotzdem. Und wie!

Denn trotz der neuen Herausforderung wurde guter Sport geboten. Dafür sorgte sicherlich auch, dass bereits am Freitag gleich zwei Trainingssitzungen zur Verfügung standen. Damit hatten die Teilnehmer eine satte Stunde Zeit, um für die Gleichmäßigkeitsprüfung am nächsten Tag ausreichend zu üben.

Fiat Abarth 1000TC von Ingo Biehl
Nordlicht auf Kaperfahrt

Im ersten Wertungslauf meisterte dann Jürgen Schürgers die Herausforderung Gleichmäßigkeitsprüfung am besten. Schürgers fuhr eine Setzrunde von 2:52,8 Minuten. In den gewerteten Bestätigungsrunden fuhr der Fiat-Pilot dann 2:52,4 sowie 2:52,2 und 2:52,8(!) Minuten. Damit standen am Ende gerade einmal lächerliche acht Strafpunkte im Protokoll. Zweiter wurde Dr. Hein, der mit seinem NSU TT 14 Strafpunkte sammelte. Den dritten Platz sicherte sich Ingo Biehl aus Hamburg mit ebenfalls guten 19 Strafpunkten.

Offensichtlich hatte das Nordlicht mit diesem Erfolg Blut geleckt. Denn im zweiten Lauf sicherte sich Biehl mit seinem Fiat Abarth 1000 TC den Sieg der Gleichmäßigkeitsprüfung. Den zweiten Platz erreichte diesmal Lothar Kahl im Autobianchi A112 (24 Strafpunkte). Dritter wurde Harald Peter im Styr-Puch 650 TR. Damit bewies Harald Peter wieder einmal, dass man bei einer Gleichmäßigkeitsprüfung nicht das stärkte Auto für einen Erfolg benötigt.

Zusammenhalt auf und neben der Strecke

Trotz oder vielleicht auch wegen der unrealistischen Zeitvorgabe der Sportkommissare zeigte sich am Wochenende wieder einmal der enge Zusammenhalt der Rennsportgemeinschaft „Kampf der Zwerge“. Sobald irgendwo technische Probleme auftraten, fand sich schnell jemand der helfen konnte. Da passiert es dann schon einmal, dass ein Mini mit einem Kühlerdeckel aus dem Bestand eines Fiat-Treters wieder fit gemacht wird. Oder das ein NSU-Fahrer dem Kollegen aus dem Autobianchi-Lager mit dem Schweißgerät hilft, um einen Halter zu reparieren. Man sieht schnell, dass der „Kampf der Zwerge“ kein Sammelbecken für Egoisten ist. Und verirrt sich trotzdem einmal so ein A… in das Starterfeld, so erweist er sich ja zum Glück meist auch neben der Strecke schnell als nicht gesellschaftsfähig.

Kurz gesagt, beim „Kampf der Zwerge“ gibt es noch Motorsport, so wie er sein soll.

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