Menschen können seltsame Wesen sein. Vor einigen Tagen hatte einer unser Nahverkehrshelden morgens um halb Sieben das Vergnügen, ein besonders bedauernswertes Exemplar als Mitreisenden zu erleben. Wahrscheinlich war dieser Genosse ein Ex-Suchtnippel, der verstanden hat, dass die E-Fluppen Rosetten-Lebea verursachen und nun seinen Frust am Leben in Pendlerzügen abarbeitet.

Ungewollt, wie es in diesen Zügen leider meist ist, durfte musste unser Nahverkehrsheld nun die beknackten Versuche der Frustbewältigung ertragen, weil dieses Exemplar sich ausgerechnet auf dem Platz neben unserem Nahverkehrshelden niederlassen musste. Drei, vier Minuten ging das ohne Probleme gut. Dann übernahmen vermutlich ziemlich fremde Mächte die Steuerung unseres Reisegefährten. Denn plötzlich und ohne jede Vorwarnung knallte er sein Knie mit Macht gegen das Knie seines Nachbarn.

Nun, denn, ein Holsteiner weicht nicht. Spontan will man in solchen Fällen ja eine drastische Wortwahl anschlagen. Doch die eigene Erziehung lässt einen dann nur fragen, ob es noch geht. Die Antwort war nicht wirklich verständlich, was nicht nur an den Kopfhörer in den eigenen Gehörgängen lag. Die Wortfetzen wirkten schlicht unstrukturiert. Es wurde also doch Zeit für eine etwas deutlichere Ansage!

„Jetzt halten Sie mal inne und sammeln sich. Ich sitze hier und Sie dort, dabei sollten wir es belassen.“

Aus den folgenden Ausführungen wurde – zumindest eines – der Probleme des Nachbarn deutlich. Der Nahverkehrsheld hatte mit der Naht seiner Jeans den Luftraum des Zugestiegenen schändlich verletzt. Hm, jetzt könnte man sagen, Pech gehabt, wer zu spät kommt, muss gucken wo er bleibt. Doch für den Mitreisenden schien dies ein echtes Problem zu sein. Anders war sein Verhalten ja nicht zu erklären.

Es wurde Zeit für zwei wunderbare Waffen, wenn man in solchen Situationen mal richtig Spaß haben will: Arroganz und ein überlegenes Auslachen! Hinter das Lachen setzen wir ein trockenes:

„Unfassbar, wie weit die Impertinenz bereits vorgedrungen ist.“

Nun legte der Pannemann richtig los, wenn auch seine Ausführungen weiter nur unvollständig vorgetragen wurden.

… gehört die Welt, tut sie aber nicht, … asozial …

Genau der richtige Auftritt für den trockenen Konto::

„Jetzt haben sie sich aber schon beschrieben.“

Mehr nicht, aber die Worte begleitet von einem offensiv freundlichen Lächeln direkt in den unfassbar dumme Gesicht des Sitznachbarn.

Der Return war offensichtlich gelungen!

Denn der Vollidiot knabberte jetzt offensichtlich an den Beleidigungen, zuckte und brabbelte im Selbstgespräch weiter Unverständliches. Unwillkürlich kam unserem Nahverkehrsheld die Geschichten von Harry Potter in den Sinn. Sollte dieser einfache Konter wie ein Umkehrfluch funktionieren?

Obwohl sich der Weggefährte noch nicht geschlagen gar, denn er verstärkte den Druck. Egal, soll er doch! Das Gegenhalten führte zwar fast zu einem Krampf, war aber einfach extrem lustig. Erst bei der Einfahrt in den Dortmunder Hauptbahnhof wurde es Zeit, die Situation spontan aufzulösen. Demonstrativ nahm unser Nahverkehrsheld sein Bein zur Seite, klopfte unserem Mitreisenden auf die Schulter und machte sich mit dem Spruch

„Immer dran denken, der Klügere gibt nach“

einen Freund auf Lebenszeit.

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