Obwohl Kurt Ahrens für die Werksmannschaften von Abarth und Porsche starten durfte, sah sich der Braunschweiger nie als Profi. Trotzdem bewegte Ahrens in seiner aktiven Zeit viele Rennwagen nicht langsamer als die Profis. 1961 und 1963 wurde Ahrens Deutscher Meister der Formel Junior. Später brachte es Ahrens als Privatfahrer zu vier Starts bei Formel-1-Rennen und ging mit dem legendären Porsche 917 zweimal in Le Mans ins Rennen. Am 19. April feierte Ahrens seinen 70. Geburtstag. Für AutoNatives.de der rechte Anlass, um auf die Karriere des sympathischen Niedersachsen zurückzublicken.

1958 – zwei Tage nach dem Erhalt des Führerscheins – bestritt Kurt Ahrens mit 18 Jahren am Steuer eines Cooper Norton Formel 3 sein erstes Rennen. Mit einem Lotus ebenfalls zu diesem Rennen genannt, hatte Vater Kurt Ahrens Senior. Als zwei Jahre später die Formel Junior nach Deutschland kam, war der Junior dabei und wurde im Debütjahr hinter Gerhard Mitter bereits Vizemeister. Ein Jahr später gewann Ahrens den Titel.

Das Skandaljahr 1962

Auch in der nächsten Saison lag Kurt Ahrens auf Titelkurs. Doch nach dem Rennen am Nürburgring gab der Brite Alan Rees zu, dass sein Lotus von einem Motor mit einem Hubraum von satten 1450 ccm angetrieben wurde. Es folgten die Geständnisse von Kurt Ahrens und dem Rennsieger Curt Bardi-Barry, die die Motoren ihrer Fahrzeuge ebenfalls über das erlaubte Maß von 1100 ccm aufgebohrt hatten.

Die Mehrleistung im Fahrzeug von Ahrens war nicht aufgefallen, weil Ahrens das gesamte Rennen Gerhard Mitter wie ein Schatten folgte – selbst als der DKW-Motor in Mitters Fahrzeug nur noch auf 2 Zylinders lief. Während eines Boxenstopp Mitters stoppte Ahrens in der Müllenbachkurve. Der Vorläufer des DMSB, die ONS sah es nach dem Rennen als erwiesen an, dass sich die Piloten abgesprochen hätten. Sie sperrte beide Mitter und Ahrens für sechs Monate und verzichtete auf die Vergabe des Meistertitels 1962.

Der Schritt zum Abarth-Werksfahrer

Unbeeindruckt davon gewann Ahrens 1963 seinen zweiten Titel. Anschließend stieg Kurt Ahrens in die Formel 2 auf, ging jedoch weiterhin bei Gelegenheit auch in der nun Formel 3 genannten ehemaligen Formel Junior an den Start. Damals nutzen die Piloten jede Gelegenheit zum Wettbewerb. Sie waren nicht so auf eine Klasse fixiert, wie das heute leider meist der Fall ist, um Fahrpraxis zu sammeln. Hans Herrmann stellte für Kurt Ahrens die Weichen zu noch mehr Fahrpraxis. Denn der Abarth-Werksfahrer Herrmann stellte seinem Chef Carlo Abarth den Nachwuchspiloten Ahrens vor. Abarth lud diesen zu Testfahrten nach Vallelunga in der Nähe von Rom ein, wo der junge Braunschweiger den Wiener überzeugen konnte.

Ahrens durfte fortan bei zahlreichen Gelegenheiten als Werksfahrer für Abarth ins Lenkrad greifen. Meist dann, wenn der Braunschweiger wegen eines Formel-Rennens sowieso vor Ort war. Bei vielen Meetings ging Ahrens so bei zwei oder gar drei Rennen an den Start. Ahrens fuhr bis zum Karriereende alle wichtigen Rennwagen aus dem Hause Abarth und saß genauso im Fiat Abarth 850 TC oder 1000 TC, wie im wunderschönen 1300 Bialbero oder dem Sportwagen Abarth 2000 Sport Spider.

Doch der Schwerpunkt des Deutschen blieb der Formelsport, wo Ahrens – auch als Privatfahrer – weiter erfolgreich mitmischen konnte. Ahrens fuhr gegen Stars wie Jackie Stewart, Jacky Ickx, Clay Regazzoni, Ronnie Peterson, François Cevert oder Piers Courage. Mit einigen Piloten wie Jochen Rindt oder auch Jim Clark pflegte Ahrens auch abseits der Rennstrecken zum Teil enge Freundschaften. Am Vorabend des Formel 2 Rennens in Hockenheim, das mit Jim Clark einen der größten Rennfahrer aller Zeiten aus dem Leben reißen sollte, fuhren Ahrens und Clark gemeinsam nach Mainz zu einem Auftritt im ZDF-Sportstudio. Und während am nächsten Tag Ahrens das Rennen anführte, verunglückte sein Freund Clark im Wald von Hockenheim tödlich.

Im gleichen Jahr vertraute das Caltex Racing Team erstmals Ahrens einen Brabham Formel 1 an. Beim Regenrennen auf der Nordschleife wurde Ahrens mit einem vom Repco V8 angetrieben Brabham BT24 Zwölfter. Es blieb der einzige echte Formel-1-Start. Denn wie schon 1966 und 1967, als Ahrens jeweils ausfiel, ging Ahrens auch 1969 mit einem Formel 2 Rennwagen beim Großen Preis von Deutschland ins Rennen – was damals auf langen Strecken wie dem Nürburgring möglich war.

Der Rücktritt – mit gerade einmal 30 Jahren

Doch die Welt der Formel 1 war nicht die Welt des Kurt Ahrens. Denn sie hätte auch Ende der 1960er-Jahre keine Zeit für die Arbeit in der väterlichen Metallhandel gelassen. Trotzdem konnte der „Amateur“ für das Porsche-Werk Sportwagen der Typen 908 und 917 fahren. Im August 1969 war es die Paarung Kurt Ahrens und Jo Siffert, die auf dem Österreichring den ersten Sieg im späteren Erfolgstypen Porsche 917 sicherten. 1970 kostete ein Motorschaden die Chance auf den Sieg in Le Mans. Der gemeinsam mit Vic Elford gesteuerte Porsche 917 der Porsche KG Salzburg lag an der Spitze, als ein Ventil abriss.

In diesen Jahren war Motorsport eine gefährliche Angelegenheit. Kurt Ahrens sah viele Kollegen, mit denen er zum Teil eng befreundet war, im Cockpit sterben. Und mit der Zeit reifte die Entscheidung, sich ganz auf die väterliche Firma zu konzentrieren. Ende 1970 trat Ahrens vom aktiven Motorsport zurück. Gemeinsam mit seinem Freund und Mentor Hans Herrmann hängte Ahrens den Helm an den berühmten Haken – mit gerade einmal 30 Jahren.

Heute freut sich der zum Senior gereifte Junior über die 40 Jahre, die das Leben für ihn bisher nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn bereitgehalten hat. Ahrens bedauert, dass Kollegen wie Jim Clark, Jo Siffert oder Joakim Bonnier diese Freunde nicht vergönnt waren. In der Freizeit betreut Ahrens seine Söhne, die beide Tourenwagen-Rennen fahren, an der Rennstrecke und pflegt intensiven Kontakt zu vielen alten Weggefährten.

1300ccm.de gratuliert einem Rennfahrer, der bis heute angenehm bodenständig wirkt, herzlich zum Geburtstag!

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