Bisher war der Kauf und die Überführung von Autos eine einfache Geschichte. Denn zur Not konntest Du in jeder Kfz-Zulassungsstelle ein Kurzzeitkennzeichen bekommen. Vorausgesetzt, Du hattest Deinen Personalausweis und eine elektronische Versicherungsbestätigung Nummer (eVB-Nummer) dabei. So soll es vorgekommen sein, dass Auto-Blogger auf einer Dienstreise im Hauptjob bei einem Kiesplatz-Händler in Mannheim ein Auto kauften. Und dann mit diesem die Heimreise ins Ruhegebiet antraten. Doch damit ist jetzt Schluss, denn Kurzzeitkennzeichen gibt es nur noch bei der eigenen Zulassungsstelle!

Willkommen im 21 Jahrhundert!

Politiker reden in ihren Sonntagsreden gerne davon, die Verwaltungen zu vereinfachen. Das kommt beim Wahlvolk immer gut an. Das Gleiche gilt offensichtlich auch für die Kleinstaaterei, die ja traditionell in Deutschland gerne gelebt wird. Denn anders kann ich es nicht erklären, warum man mit einer Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung zum 1.11.2012 jetzt die Möglichkeit schafft, um auch wieder Kennzeichen wie ECK, WAT oder WAN beantragen zu dürfen.

Diese Kennzeichen entfielen in der Regel im Zuge der großen Gebietsreformen in den frühen 1970er-Jahren, weil ihre Kommunen oder Kreise in anderen aufgingen. So wurde damals beispielsweise aus den zuvor getrennten Landkreisen Rendsburg und Eckernförde der neue Kreis Rendsburg-Eckernförde. Statt der Kennzeichen RD und ECK gab es fortan nur noch Nummernschilder mit dem Kürzel RD, was der Eine oder Andere nie richtig verschmerzen konnte. Kein Wunder, dass der Hubel groß war, jetzt wieder die alten Kennzeichen beantragen zu können.

Das geht übrigens sogar für bereits zugelassene Fahrzeuge. Ich bin sicher, dass manch Bürger des (heutigen) Bochumer-Ortsteil Wattenscheid das sicher bald nutzen wird. Denn viele Wattenscheider haben nie verwunden, dass sie nach der Gebietsreform ihr Auto mit einem BO schmücken müssen. Und nicht jeder hat die Möglichkeit, dann einfach eine Firma in Essen zu gründen, um seinen Firmenwagen lieber mit einem E zu schmücken, wie es der Wattenscheider Klaus Steilmann wohl früher praktizierte.

Ich geb Dir was, ich nehme Dir was!

Diese Rückkehr der alten Kennzeichen, die die Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung ermöglicht, bejubeln die Medien online wie offline.Doch es ist irgendwie auch typisch für die Politik, dass die aktuelle Änderung der Fahrzeugzulassungsverordnung dem Bürger eben nicht nur „Vorteile“ bringt. Denn seit Anfang November 2012 können Kurzzeitkennzeichen nur noch am Wohnort beziehungsweise Firmensitz des Antragstellers beantragt werden. Im Vergleich zu der bisherigen Regelung ist das eine echte Verschlechterung.

Denn auch hier lebt die Kleinstaaterei! Wenn sich heute ein Essener Oldtimerfreund für einen Oldtimer in Kiel interessiert, dann muss er schon mit einem Kurzzeitkennzeichen in den Norden reisen. Er kann in Kiel kein Kurzzeitkennzeichen mehr beantragen. Unverbindlich an die Förde fahren und dann dort, wenn es wirklich dieser Oldtimer sein soll, ein Kurzzeitkennzeichen zu beantragen, lässt der Gesetzgeber nicht mehr zu. In der Zeit digitaler Vernetzung ist das ein Armutszeugnis. Ich kann den Sinn dieser Änderung nicht erkennen.

2 Kommentare

  1. Das ist wirklich schlechter als bisher, wenn Du kein Auto findest stehst Du mit einem Kennzeichen da. Erinnert an den Sketch: „Ja hat er denn einen Hut?“

  2. Paulus Thomas Reply

    Den Aussagen kann ich vollumfänglich zustimmen. Und es ist sogar eine Diskrimminierung, denn die Bürger unserer Nachbarstaaten dürfen gegen Vorlage des Personalausweises eine Kurzzeitversicherung und die Kurzzeitkennzeichen erwerben. Egal wo diese wohnen.

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