Legenden wie den Nürburgring verkauft man nicht! Und wenn der ADAC sie kauft? Ist das in Ordnung?

Über die Pleite des Nürburgrings und den roten Abgrund habe ich hier im Auto-Blog für echte Auto-Natives bereits öfter geschrieben. Die Rennstrecke selbst ist, nach allem, was man hört, profitabel. Doch die Zinslast für Bauten, die mit dem Rennbetrieb nichts zu tun haben, haben das Unternehmen in den Konkurs getrieben.

Das ist auch deshalb ärgerlich, weil jedem Ringkenner von Anfang an klar war, dass die sogenannten Freizeitanlagen, die den Ring drücken, nicht funktionieren werden. Offensichtlich war der Drang der Politiker sich baulich zu verewigen größer als die Vernunft. Unbeirrt wurde an dem Bauvorhaben festgehalten. Selbst als der private Finanzmarkt nicht bereit war, sich an der Finanzierung zu beteiligen. Stattdessen sprang der Staat über Bürgschaften ein und zog das Bauvorhaben durch.

Mit dem bekannten Ende!

Jetzt liegt das Schicksal des Nürburgrings in den Händen des Insolvenzverwalters. Er kann grundsätzlich eine Fortführung des Betriebs versuchen oder das Unternehmen verkaufen. Im ersten Fall wird in der Regel mit den Gläubigern ein Teilverzicht der Schulden vereinbart. Im zweiten Fall werden die Gläubiger mit dem Verkaufserlös befriedigt.

Für den Nürburgring zeichnet sich genau diese Lösung ab. Gehen wir mal davon aus, dass das Unternehmen Nürburgring 400 Millionen Euro Schulden hat. Wenn nach dem Verkauf und dem Abzug der Kosten des Insolvenzverfahrens 100 Millionen Euro zur Verfügung stehen würden, müsste jeder Gläubiger 75% seiner gewährten Darlehen abschreiben.

Jetzt steht der Nürburgring zum Verkauf

Wenn man in der Misere etwas Positives sehen will, dann ist das die Tatsache, dass der Verkauf in Teilen erfolgen kann. Wenn der Insolvenzverwalter keinen Käufer für das ganze Paket findet, kann er es nämlich aufteilen. Genau dies scheint der Ansatz am Nürburgring zu sein. Denn offensichtlich gibt es Interessenten für die Rennstrecke.

Gestern wurde öffentlich, dass der ADAC ein Angebot für die Rennstrecke abgegeben hat. Darüber wurde in den vergangenen Monaten im Umfeld des Rings immer wieder spekuliert. Auch wenn ich gegen den Verkauf an sich bin, muss man Fakten akzeptieren. Der Nürburgring gehört seit Langem einer GmbH. Die Privatisierung, die viele ablehnen, ist längst erfolgt.

Denn die GmbH ist ein privates Unternehmen in öffentlicher Hand. Anteilseigner der GmbH sind das Land Rheinland-Pfalz und der Kreis Ahrweiler. Und dieses Unternehmen ist zahlungsunfähig, weil seine Eigner falsche unternehmerische Entscheidungen getroffen haben. Eine Kapitalerhöhung, die die Zahlungsfähigkeit herstellen würde, ist schwierig. Für staatliche Beihilfen gibt es genaue Vorschriften.

Mit der Einleitung des Insolvenzverfahrens sind die bisherigen Anteilseigner nicht mehr Herr im Haus. Es geht jetzt darum, die Gläubiger zu befriedigen. Auch das ist gesetzlich ganz klar geregelt. Und das ist grundsätzlich auch gut und richtig. Denn ohne solche Regeln hätten es Unternehmen sicherlich schwieriger, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren.

Insofern wäre ein Kauf der Rennstrecke durch den ADAC vermutlich im Moment die beste absehbare Lösung. Es wäre schön, wenn der Betrieb am Ring im Wesentlichen so weiterläuft, wie wir das seit Jahrzehnten kennen. Doch dazu müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Denn auch der gemeinnützige ADAC verfügt über zahlreiche privatrechtliche Unternehmen. Leider habe ich bisher nirgendwo gefunden, wie der ADAC die Strecke denn kaufen will. Grundsätzlich sind da ja unterschiedliche Möglichkeiten denkbar.

  • Kauft der Verein selbst?
  • Wenn ja, der Hauptverein oder einer der zahlreichen Gaue, die rechtlich selbstständige Vereine sind?
  • Oder kauft vielleicht die Stiftung Sport des ADAC den Ring
  • Oder soll doch eine der zahlreichen GmbHs, die dem ADAC gehören, den Nürburgring kaufen?

Bevor das nicht beantwortet ist, sollten wir noch nicht zu laut jubeln. Denn nur die Vereine und die Stiftung sind als gemeinnützige Organisationen dem Gemeinwohl verpflichtet.

Wie findet Ihr das eigentlich, soll der ADAC den Nürburgring kaufen?

Schreib einen Kommentar

Mit dem Absenden des Kommentars übermittelten Sie uns Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, Ihre IP-Adresse, Ihre URL (sofern angegeben) und Ihren Kommentartext. Gleichzeitig stimmen Sie ausdrücklich der Speicherung und der Veröffentlichung des Kommentars zu. Die Veröffentlichung erfolgt ohne E-Mail- und IP-Adresse. Diese Daten dienen dem Schutz vor Missbrauch der Kommentarfunktion (SPAM) und werden anschließend automatisch gelöscht. Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen nicht zu veröffentlichen oder die Links zu entfernen. Ein Anspruch auf Veröffentlichung des Kommentars besteht nicht.