Jedes Jahr im Herbst veröffentlicht der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) die „Hitparade“ des Autodiebstahls. Doch drückt diese Liste eigentlich eine besondere Form der Beliebtheit aus? Oder deutet die Liste auf Sicherheitsprobleme bei einigen Herstellern hin?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) analysiert die Schadenmeldungen seiner Mitgliedsunternehmen traditionell sehr genau. Am Ende dieser Arbeit steht die „Hitparade“ des Autodiebstahls. 2015 waren bei Langfingern offensichtlich SUV und Geländewagen besonders beliebt. Auf den ersten sieben Plätzen liegen ausschließlich Fahrzeuge dieser Gattung.

And the winner is … Range Rover 3.0 TD

„Gewinner“ der Auswertung des GDV ist der Range Rover 3.0 TD. Mit 40,2 Diebstählen pro 1.000 versicherter Fahrzeuge liegt der Brite mit großem Abstand vorne. Beim Zeitplatzierten, dem BMW X6 Xdrive 40D wurden im vergangenen Jahr „nur“ 16,6 von 1.000 versicherten Fahrzeugen gestohlen. „Dritter“ ist der Lexus RX350, bei dem 14,8 von 1.000 versicherten Fahrzeugen illegal den Besitzer wechselten. Auch auf den Plätzen vier bis sechs liegen SUV. Erst auf Platz sieben landet mit dem BMW M3 Coupé ein „normales“ Auto.

Autodiebstahl 2015 – Quelle GDV
Quelle GDV

Experten gehen übrigens davon aus, dass die in Deutschland gestohlenen Fahrzeuge im Ausland landen. Wer Europa am östlichen Rand verlässt oder in Vorderasien unterwegs ist, der bekommt eine Idee davon, wo in Deutschland gestohlene Fahrzeuge den Rest ihres Autolebens verbringen. Die Süddeutsche Zeitung entdeckte schon vor zwei Jahren zahlreiche Luxusfahrzeuge in Tadschikistan. Aber auch Tschechien, sowie andere Staaten der ehemaligen Sowjetunion gelten als Absatzländer der Diebe. Experten bei Versicherungen und Polizei gehen davon aus, dass viele der Fahrzeuge auf Bestellung geklaut werden.

Berlin ist der Hotspot der Autodiebe

In der Hauptstadt wurden immerhin 3,5 von 1.000 versicherten Fahrzeugen gestohlen. Schon etwas weiter westlich, in Hamburg kommen „nur“ 1,8 von 1.000 versicherten Fahrzeugen abhanden. Womit die Hansestadt im Vergleich der Großstädte mit mehr als 300.000 Einwohnern auf dem zweiten Platz landet. Im beschaulichen Bremen liegt die Quote bei 0,6 gestohlen Fahrzeugen pro 1.000 versicherter Fahrzeuge. Offensichtlich bevorzugen die Diebe kurze Wege.

Autodiebstahl 2015 – Quelle GDV
Quelle GDV

Trotzdem werfen die Zahlen jede Menge weitere Fragen auf. Denn die nackten Zahlen erklären nicht, warum sich Langfinger überdurchschnittlich oft für ein bestimmtes Fahrzeugmodell entscheiden. Heißt das, dass dieses Modell – auf den Absatzmärkten der Diebe – besonders beliebt ist? Oder spielen auch Nachlässigkeiten der Hersteller eine Rolle? Fällt bei einigen Herstellern der Diebstahl besonders leicht?

Ich weiß es wirklich nicht! Mit den Zahlen des GDV lassen sich Argumente für beide Vermutungen finden. Im Ranking der Hersteller „führt“ Land Rover. Im vergangenen Jahr wurden 5,2 von 1.000 versicherten Fahrzeugen der britischen Marke gestohlen. Über alle Marken betrachtet liegt die Diebstahlsquote nur bei 0,5 Diebstählen pro 1.000 versicherter Fahrzeuge. Damit werden Fahrzeuge von Land Rover mehr als 10-mal häufiger als der Durchschnitt geklaut.

Warum mögen die Diebe keine Autos von Mercedes-Benz?

Bei diesem unrühmlichen Spitzenplatz spielt sicherlich das Sortiment der Briten eine Rolle. Land Rover ist ein Spezialist für SUV und Geländewagen. Das steigert das Risiko. Selbst vom – in meinen Augen häßlichen – Range Rover Evoque wurden im vergangenen Jahr sechs von 1.000 versicherten Fahrzeugen entwendet. Doch Mercedes-Benz hat mit dem G-Modell sowie den Baureihen GLS, GLE und GLC Produkte im Sortiment, die oft die gleichen Kunden wie Land Rover ansprechen. Keine dieser Baureihen landet in der Übersicht der Modelle, die besonders oft gestohlen werden, auf einem der vorderen Plätze.

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Quelle GDV

Das einzige Produkt von Mercedes, das in der Übersicht des GDV in den Top 50 landet, ist der Smart Fortwo Brabus der zweiten Generation. Das bestätigt auch die Auswertung nach Herstellern. Dort liegt Mercedes-Benz mit einer Diebstahlquote von 0,3 auf dem Niveau von Citroen und Seat. Mögen die Kunden auf den Absatzmärkten der Autodiebe etwa keine Autos mit Stern? Oder sind Fahrzeuge aus Stuttgart sicherer als andere Marken? Beides ist ja irgendwie möglich. Fragen über Fragen … was meint Ihr?

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